Austro- oder Chicago-Liberalismus ?


Realismus vs. Positivismus

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Zitat zum Beitrag
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„The needs of the many outweigh the needs of the few; or the one“

(„Das Wohl der Vielen wiegt mehr als das Wohl der Wenigen; oder des Einzelnen“)
[Zitat-Quelle: „Commander Spock“ – Star Trek II: Der Zorn des Khan – 1982]
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Jörg Guido Hülsmann

File:Guido hulsmann.jpg

Bildrechte: CC, Urheber: Mises Institute
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Die politische Ökonomie bzw. Nationalökonomie bzw. Volkswirtschaftslehre wurde vor etwa 300 Jahren erstmals systematisch erfasst und literarisch verfochten. Von Anbeginn an stand dieser Wissenszweig im Mittelpunkt heftiger Auseinandersetzungen, denn genau wie im Falle der Theologie und der Naturrechtslehre lagen die Anwendungen der neuen Wissenschaft im Bereich der politischen Ordnung. Aber im Gegensatz zur Theologie und zur klassischen Naturrechtslehre machte die Nationalökonomie keine normativen, sondern positive Aussagen. Die Ökonomen erklärten ihren Zeitgenossen, wie die die gesellschaftliche Welt tatsächlich funktioniert; nicht, wie sie funktionieren sollte. Sie zeigten insbesondere, dass die zahlreichen Eingriffe des Staates häufig ganz andere faktische Folgen mit sich brachten, als dies gemeinhin angenommen wurde.
Ihre Kernaussage war: Der Staat hält nicht, was er verspricht.
Er kann Individuen und einzelne Gruppen auf Kosten der anderen Bürger bereichern, aber im Ganzen gesehen verringert er durch seine Eingriffe den Wohlstand des Landes.
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Indem die Ökonomen diese Aussagen mit einer lückenlosen Argumentation untermauerten, hatten sie einen durchschlagenden Einfluss auf die öffentliche Meinung und bereiteten die sogenannte Industrielle Revolution vor.
Die große Umwälzung der Produktionsweise und das daraus entspringende enorme Wirtschaftswachstum des späten 18. und des 19. Jahrhunderts war letztlich eine Frucht des Sieges der Nationalökonomie. Denn die neue Wissenschaft bewies die gesamtwirtschaftlichen Vorteile einer laissez-faire Wirtschaft. Sie zeigte, dass es nicht im Interesse der Allgemeinheit lag, radikale Veränderungen der traditionellen Produktionsweise zu unterbinden.
In früheren Jahrhunderten wurden die Maschinen der Ingenieure vom Mob der um seine Arbeit fürchtenden Handarbeiter ungestraft zerstört. Doch nun nahm man es hin, dass traditionelle Arbeitsplätze zerstört wurden und die betroffenen Arbeiter unter dem Zwang ihrer persönlichen Not in die neu geschaffenen Arbeitsplätze der Industrie strömten.
Die öffentliche Meinung tolerierte es nun nicht mehr, dass die etablierten Produzenten sich die lästigen Neulinge gewaltsam vom Halse schafften. Ohne diesen grundlegenden Sinneswandel wäre es nicht zu jener weitflächigen Einführung der Fabrikarbeit gekommen, die dem oberflächlichen Beobachter als eine Industrielle Revolution erscheint.
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Die Nationalökonomen sollten recht behalten. Die laissez-faire Wirtschaft erwies sich als das geeignete Mittel, um Hunger und Elend auszumerzen und um den Wohlstand der Allgemeinheit ungeahnten Höhen entgegenzuführen. Und dieser praktische Erfolg der Nationalökonomie hat auch das Interesse für diesen Wissenszweig wachgehalten.
Wenn man sich heute die Frage stellt, wie man eine liberale Wirtschafts- und Sozialpolitik wissenschaftliche begründen kann, so muss sich die Antwort weiterhin ganz wesentlich auf nationalökonomische Theorien stützen.
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Aber auf welche? – schließlich gibt es eine große Zahl theoretischer Ansätze. Die heutigen Liberalen neigen im wesentlichen zwei Denkschulen zu:
der Österreichischen Schule (ÖS) und der Chicago-Schule (CS).
Im folgenden wollen wir die Argumentationsweise dieser beiden Schulen darstellen. Wir werden insbesondere zu erläutern haben, inwiefern sie der Wirtschafts- und Sozialpolitik eine wissenschaftliche Grundlage zu verschaffen in der Lage sind.
[…]
J.G. Hülsmann – PDF [15 Seiten]


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