frustrierte Celtic Tiger’s ? (+ update)

frustrierte Celtic Tiger’s ?
Während der letzten Wochen wurden dem interessierten Publikum häufig rosarote Berichte und Analysen zur ökonomischen Genesung des EU-Musterschülers Irland serviert, während kritische Stimmen eher ausgeblendet wurden.
Zwischenzeitlich scheint allerdings die zeitweilige Euphorie hinsichtlich kontinuierlicher Wachstumsphantasien von ökonomischen Realitäten eingeholt zu werden. im fünften Jahr der irischen Wirtschaftskrise gibt es Anzeichen zu einer Verschärfung der Rezession.
Die Binnenkonjunktur ist weiterhin rückläufig, die Arbeitslosigkeit ist mit 14,9% gerade auf ein 18-Jahres-Hoch [8,8% Langzeitarbeitslose] angewachsen, die Staatsverschuldung nähert sich den für 2013 prognostizierten 120 Prozent des BIP .. das vermeintliche Wachstum erscheint wohl eher im Bereich Hoffnung angesiedelt zu sein.
Die rückläufigen Fracht-Volumina zeigen das Gefahrenpotential der ausfuhrabhängigen Irischen Wirtschaft deutlich auf.
Wachstumsraten von etwa 2,5% die zur Bedienung der Staatsschulden notwendig wären, erscheinen vor dem Hintergrund weltweiter Rezessionstendenzen nicht mehr realistisch zu sein.
Nach dem Motte „Augen zu und durch“ hält die irische Regierung weiterhin an den Sparplänen fest und sieht sich bei einem Haushaltsdefizit von über 10% gezwungen, am 5. Dezember 2012 ein weiteres Sparpaket vorzustellen, welches Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen im Umfang von 3,5 Milliarden Euro vorsieht.
Der Wutpegel der einer bislang eher geduldigen Bevölkerung steigt, wie man bei den gestrigen Protesten mit über 10,000 Teilnehmern in Dublin [siehe Fotogalerie] deutlich erkennen konnte.
An der Stelle sollten sich Bevölkerung und Regierung der „Celtic Tiger’s“ an eine alte irische Weisheit erinnern:

„Mögest du die Kraft haben, die Richtung zu ändern, wenn du die alte Strasse nicht mehr gehen kannst.“

Ihr Oeconomicus

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ergänzende Informationen
Statement by the EC, ECB, and IMF on the Review Mission to Ireland
Central Bank of Ireland: Strategic Plan 2013–2015
Paula Clancy – FES: „Die Konsequenzen der Sparpolitik in Irland“
IRLAND im ‚LEGATUM PROSPERITY INDEX 2012‘
follow-up, 05.12.2012, 17:45h
Zurück zum „Keltischen Tiger“: Irland spart und kommt voran
Der Sparkurs von Irland gilt als vorbildlich. Die Wirtschaft wächst wieder und die Regierung des Landes erntet deshalb von internationalen Gläubigern und Beobachtern viel Lob. Es dürfte noch mehr geben, denn Irland will weiter sparen.
Während die Arbeitslosigkeit in Griechenland und Spanien immer neue Rekordwerte erreicht, fiel sie auf der Insel bereits auf den niedrigsten Stand seit Juni 2011. Die Arbeitslosenquote sank im November überraschend auf 14,6 Prozent, teilte das Statistikamt mit. „Es dreht sich langsam in die richtige Richtung“, sagte Ministerpräsident Kenny. „Wir hoffen, dass uns das auch mit dem Haushalt gelingt.“
N-TV