Semantik-Akrobaten bei ThyssenKrupp

Neusprech für Entlassungswelle: „Best in Class – reloaded“

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ThyssenKrupp-Quartier Teilansicht: Essen

Bildrechte: CC, Urheber: Tuxyso

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Die anhaltende Krise im internationalen Stahlgeschäft hat ThyssenKrupp erheblich gebeutelt … ein etwas makaber klingender Humor treibt allerdings noch bunte semantische Blüten.
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Den bis zu 3.800 Beschäftigten, welche sich schon recht bald auf den Kundenlisten zuständiger Jobcenter wiederfinden werden, wird die perfektionierte Methode aus einem Minus ein Plus zu zaubern (man nehme einen waagerechten Strich und ergänze diesen mit einer horizontalen, gleichlangen Linie) leider wenig nutzen.
Die Farbe der Zukunftsperspektiven betroffener Arbeitnehmer dürfte sich schon bald von hellrosa in tristes grau verwandeln.
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So hart es auch klingen mag, die Aufgabe eines Unternehmens ist nun mal, ordentliche Bilanzen vorzulegen und leider nicht, etwa aus sozial-romantischen Beweggründen Arbeitsplätze zu schaffen, oder zu erhalten.
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Diese Erkenntnis mag sich in manchen Ohren nach Sarkasmus anhören, was keineswegs in der Absicht des Autors liegt, sondern bittere ökonomische Realität ist!
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Allerdings muß gerade im Zusammenhang mit ThyssenKrupp konzidiert werden, dass ein Ausbund machtgieriger Investitionsentscheidungen des Managements letztlich für die Misere des Konzerns verantwortlich ist … wie wir nun sehen mit katastrophalen Konsequenzen für die von Entlassung bedrohten Mitarbeiter … und dem deutschen Steuerzahler, auf dessen Rücken nicht nur Steuerausfälle zu schultern sind, sondern der selbstredend für die anstehenden Transferleistungen aufkommen darf!
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Ich bezeichne diese Vorgänge aus Sicht von ThyssenKrupp als „Kapitalismus ohne Reue“.
Semantik-Akrobaten des Konzerns werden vermutlich eine solche Sichtweise erst dann untersuchen, wenn sie selbst von den Segnungen des Sozial-Staats profitieren dürfen.
Zwischenzeitlich gilt die Bewertung
 „Best in Class – reloaded“!

Ihr Oeconomicus

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ThyssenKrupp-Presse-Mitteilung, 08.02.2013, 10:06 Uhr
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Alarm im Maschinenraum

Alarm im Maschinenraum
Die schlechte Nachricht: Deutschlands Wirtschaft droht ein Abschwung. Die gute: Nie waren die Manager besser auf eine Krise vorbereitet als heute.
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!- Allianz zur Rohstoff-Sicherung -!

Aufbau der Allianz zur Rohstoff-Sicherung beginnt

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„Die Allianz hat den Aufbau von Beteiligungen an Rohstoff-Projekten zum Ziel, um die Versorgung der Industrie mit Rohstoffen zu verbessern.“
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Die Gründungsphase der Allianz zur Rohstoff-Sicherung der deutschen Industrie finanzieren zunächst zwölf deutsche Unternehmen:
Aurubis, BASF, Bayer, BMW, Chemetall, Daimler, Evonik Industries, Georgsmarienhütte Holding, Bosch, Stahl-Holding-Saar, ThyssenKrupp und Wacker Chemie.
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„Wir arbeiten gemeinsam an dem Aufbau eines schlagkräftigen Unternehmens, das die Rohstoff-Sicherheit Deutschlands nachhaltig verbessern soll“
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sagte BDI-Vizepräsident Ulrich Grillo am Montag in Berlin am Rande eines ersten Treffens der Unterstützer-Unternehmen, die die Gründungsphase von Beginn an eng begleiten. Die Gründungsphase wird unentgeltlich von der Boston Consulting Group, Egon Zehnder, Hogan Lovells und PricewaterhouseCoopers unterstützt.
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„Die Allianz hat den Aufbau von Beteiligungen an Rohstoff-Projekten zum Ziel, um so die Versorgung der Industrie mit Rohstoffen langfristig zu verbessern. Sie steht weiteren Unternehmen offen.“
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Der BDI beteiligt sich nicht unmittelbar an der Finanzierung und der operativen Arbeit, wird den Dialog zu der geforderten politischen Flankierung aber aktiv vorantreiben.
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Geschäftsführer der Allianz ist Dierk Paskert. Der BDI hat unter Leitung von Grillo das Konzept für die Allianz entwickelt.
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„Der Fokus des Unternehmens wird auf Rohstoffen liegen, bei denen ausgeprägte Versorgungs-Risiken für die deutsche Industrie bestehen“
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erklärte der BDI-Vizepräsident.
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„Die Rohstoff-Allianz wird Rohstoff-Projekte in einer frühen Projektphase aufgreifen und die Explorationen durchführen, also die Vorkommen erkunden und bewerten, um so Bezugs- und Beteiligungsoptionen für deutsche Unternehmen zu schaffen“
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unterstrich Grillo. In spezifischen Fällen soll die Rohstoff-Allianz auch bei der Gewinnung und Aufbereitung von Rohstoffen tätig werden.
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Vorrangige Aufgaben der Gründungsphase der Rohstoff-Allianz sind die Klärung organisatorischer und rechtlicher Fragen sowie der Aufbau der Unternehmensstrukturen.
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Pressemitteilung des BDI vom 30.01.2012
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Anmerkung
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Wer die ausdrucksvolle und präzise deutsche Sprache schätzt, könnte bei dieser Pressemeldung über einige markante Formulierungen stolpern:
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„Wir arbeiten gemeinsam an dem Aufbau eines schlagkräftigen Unternehmens, das die Rohstoff-Sicherheit Deutschlands nachhaltig verbessern soll“
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Handelt es sich bei der Eigenschaft schlagkräftig um einen Freud’schen Versprecher, oder geht es um eine potentielle Umsetzung des von Ex-Bundespräsident Horst Köhler postuliertem Aufruf, Deutschland müsse zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen?
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Nicht auszuschließen, dass sich der BDI an ein Statement Köhler’s aus März 2006 erinnert, bei dem sich er unter dem Deckmäntelchen Wahlen absichern zu wollen, die den Übergang von Bürgerkrieg und Chaos zu staatlicher Ordnung und demokratischen Prozessen im rohstoffreichen Kongo ermöglichen, für einen Bundeswehreinsatz aussprach!
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„Die Allianz hat den Aufbau von Beteiligungen an Rohstoff-Projekten zum Ziel, um so die Versorgung der Industrie mit Rohstoffen langfristig zu verbessern.“
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Warum ist hier nichts darüber zu lesen, welche Vorteile man den Menschen in rohstoffreichen Gebieten gewähren möchte, etwa auskömmliche Löhne, menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Verzicht auf die Gewährung finanzieller und sonstiger Wohltaten an die jeweiligen Potentaten solcher Länder, etc.?
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Geht es der Allianz bei der Rohstoff-Sicherung nur um die Maximierung eigener Profite unter Ausblendung von Lebensbedingungen und möglichen ökologischen Schäden?
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Fragen über Fragen … deren Beantwortung man vielleicht den politischen Mätressen überlassen möchte … wer weiß das schon?
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Nachdenkliche Grüße
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Ihr Oeconomicus

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CROSSPOST GEOLITICO