Prominente starten Kampagne gegen Euro-Frust

Prominente starten Kampagne gegen Euro-Frust

Die Euro-Krise lähmt den Kontinent, das Vertrauen in die EU schwindet. Ein Bündnis deutscher Stiftungen will der europakritischen Stimmung nun mit einer großen Kampagne entgegentreten – deutsche Prominente aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Showbusiness werben für mehr Europa.

Das Vertrauen vieler Deutscher in den Euro, die EU und ihre Institutionen hat in dieser Dauerkrise Schaden genommen. Der wachsenden europakritischen Stimmung im Volk will ein Bündnis von zehn großen deutschen Stiftungen  nun mit einer breit angelegten Kampagne entgegentreten, wie sie das Land noch nicht gesehen hat.

Zur Allianz deutscher Stiftungen gehören:

Allianz Kulturstiftung
Bertelsmann Stiftung
BMW Stiftung Herbert Quandt
Gemeinnützige Hertie-Stiftung
Robert Bosch Stiftung
Schering Stiftung
Schwarzkopf-Stiftung „Junges Europa“
Stiftung Genshagen
Stiftung Mercator
Stiftung Zukunft Berlin
Unter dem Motto „Ich will Europa“ werben Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport in Anzeigen und Videoclips für die Vorteile der europäischen Einigung, Schirmherr ist Bundespräsident Joachim Gauck.
die Kampagne
SpOn

Anmerkung

Ein Schelm, wer den Kampagnen-Start mit der am 12. September anstehenden Entscheidung des BVerfG zum ESM-Gesetz in Zusammenhang bringt. Rein zufällig wird diese Mega-Kampagne ausgerechnet von den Konzernen finanziert, welche mutmaßlich den Profiteuren der EUROholics-Politk zuzurechnen sind.
Ihr Oeconomicus
Nachtrag
Ein Kommentar von lostineurope

So wie die ganze Sache nun läuft, besteht sogar die Gefahr, dass sie zu einer „Kampagne für Merkel“ und ihre verfehlte Europapolitik wird. Wer den Slogan „Ich will Europa“ mit einem Merkel-Video verkauft, muss sich nicht wundern, wenn dies als „Ich will Merkel“ bzw. „Merkels Europa“ mißverstanden wird – und Abwehr hervorruft. Auf Twitter machen sich die Leute schon über die Kampagne lustig, auf YouTube entpuppen sich die aufwändig gedrehten Videos als Ladenhüter.

Was mich betrifft, so kann ich nur sagen, dass ich dieses Europa nicht will, denn es hat sich meilenweit von den europäischen Idealen entfernt. Auch ich will eine starke EU – aber keine, in der Wettbewerb wichtiger ist als Wohlstand, in der eine ganze Generation auf dem Altar der Austeritätspolitik geopfert wird, in der Solidarität und Demokratie Fremdworte sind. Nein, Merkels Europa will ich nicht, sorry…


Profiteure und Zahler der Griechenland-Krise

Profiteure und Zahler der Griechenland-Krise
Auschnitt aus der TV-Sendung Beckmann vom 8. März 2010. Gesprächspartner:
Ex-Bundesfinanzminister Theo Waigel, Dirk Müller, FDP-Europaparlamentarier Jorgo Chatzimarkakis und der Journalist Alexandros Stefanidis, Sängerin Vicky Leandros und „Lindenstraße“-Schauspieler Hermes Hodolides.
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Wem gehört die EU?

Wem gehört die EU?
(2006/7)

Einleitung

Die Frage, wem die EU gehört, kann und muss auf verschiedenen Ebenen beantwortet werden. Zunächst einmal, und das entspricht dem gegenwärtigen Stand des Eindringens in diese Problematik, geht es um die Frage der Vermögenskonzentrationen, seit der europäische Integrationsprozess so richtig in Gang gekommen ist. [1] Die Reichen sind immer reicher geworden und dafür gibt es eine Fülle von empirischen und statistischen Indizes, auch wenn sie bislang in keiner Weise zureichend systematisch erschlossen und analysiert worden sind und auch wenn hinsichtlich der Frage, was Eigentum – und sogar Geld – unter den heutigen Bedingungen ist, Klärung aussteht. [2]

Zweitens geht es um das klassentheoretische Problem, also um die Frage, ob sich in Europa eine (neue) herrschende Klasse auf der Grundlage dieser Akkumulationsprozesse herausbildet. Hier finden sich die unterschiedlichsten Erklärungsansätze und noch bei weitem kein Konsensus unter den kapitalismuskritischen Beobachtern – und vornehmlich in diesem Milieu wollen wir uns im Folgenden bewegen.

Drittens schließlich geht es um eine epochen- oder formationsspezifische Bestimmung dieses historisch einmaligen Akkumulationsprozesses. Wir werden versuchsweise (3.6.) von einer kapitalismusbasierten High-Tech-Refeudalisierung Europas sprechen, in deren Kern sich eine ‚transkapitalistische’ Konzentration von Geldmacht durch Privatisierung (wealth condensation) vollzieht.

Im Zentrum unseres Interesses steht, wie gesagt, die zweite Ebene, die klassentheoretische Frage, also die Frage nach dem ‚Wer’ bzw. nach dem ‚Wer wen’. Nach unserer Auffassung ist die Postulierung einer europäischen ‚herrschenden Klasse’ verfrüht bzw. auch nach anderthalb Jahrhunderten marxistischer und nicht-marxistischer Klassenanalyse noch den Gefahren der Vereinfachung und Mythologisierung ausgesetzt. Wir werden versuchen, die Akteure und Profiteure der kapitalismusbasierten High-Tech-Refeudalisierung Europas als ein komplexes Netzwerk teils kooperierender, teils konkurrierender Eliten darzustellen und dabei typisierende und analytische Momente miteinander verbinden. [3] Um dieses Netzwerk sozusagen vorurteilsfrei zu erkunden, verwenden wir einen neuen Begriff: Geldmachtapparat.

In diesem ‚Geldmachtapparat’ genannten Netzwerk beginnen sich verschiedene, per se höchst interessante Gruppen heimisch zu machen: teils in Gestalt eines über Generationen vererbten Reichtums, teils in Gestalt alten oder neuen europäischen Adels, teils in Gestalt eines mithilfe technischer, finanzpolitischer oder marketingmäßiger Innovationen zusammengerafften Neureichtums, teils in Gestalt eines durch korrupte Privatisierungspraktiken erzeugten Oligarchentums, teils in Gestalt von Mafia-Milliardären.

 


[1] Vgl J. Huffschmid, Wem gehört Europa? Bd. I/II, Heilbronn 1994; ‚Who will own Europe?’ Workshop der EU Kommission ECFIN (2003), http://ec.europa.eu/economy_finance/events/2003/events_workshop_0203_en.htm

[2] vgl. z.B. J. Rifkin, Das Verschwinden des Eigentums, Frankfurt/M. 2000

[3] Vgl. Mattei Dogan, ‘Is there a Ruling Class in France?’ Comparative Sociology, Vol.2, Issue 1, 2003

1. Strukturen des Reichtums

1.1. Superreichtum und Geldmachtapparat
1.2. Empirisch-statistische Impressionen zur Reichtumsentwicklung

1.3. Wirkungsmechanismen der Reichtumskonzentration
1.4. Reichtumsstrukturen sind global

2. Akteure der Geldmacht

2.1. Profiteure des Geldmachtapparats
2.2. Wissenseliten: ‚Informieren’, Verwalten und Wohlfühlen
2.3. Politische Eliten: das Geschäft der ‚gerechten‘ Verteilung
2.4. Wirtschaftseliten: private Kapitalverwertung mit allen Mitteln
2.5. Die Geldelite: Konstituierung eines neuen Souveräns

3. Aspekte europäischer Herrschaft

3.1. Power Structure Research
3.2. Agenturen des Geldmachtapparats
3.3. Der Brüsseler Hofstaat

3.4. Gesichter und Spielplätze des neuen Souveräns

3.5. Stiftungskultur

3.6. Kapitalismusbasierte High-Tech-Refeudalisierung?

Hans-Jürgen Krysmanski

Emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Münster
PDF

sicherheitshalber hier noch ein weiterer Link

Workshop: Wem gehört Europa? Strukturen des Reichtums und Akteure der Macht