Banken-Sektor in der Ukraine

The Banking Sector in Ukraine:
Past Developments and Future Challenges
Policy Paper Series [PP/02/2011]
by
Robert Kirchner, Ricardo Giucci, Cyrus de la Rubia, Vitaliy Kravchuk –
German Advisory Group
Institute for Economic Research and Policy Consulting
Berlin/Kiev, March 2011

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Bei meinen Recherchen zum ukrainischen Bankensystem ist mir diese höchst aufschlussreiche Analyse aufgefallen, auf die ich gerne hinweisen möchte:

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Auszug:

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Executive Summary
Ukraine’s banking sector has followed a “boom-and-bust” cycle over the last couple of years. Rapidly growing loans -often denominated in foreign currency (FX) and funded by cheap shortterm external borrowings- led to a build-up of macroeconomic and sector-specific vulnerabilities.
With the arrival of the global financial crisis in late 2008, the bubble burst and the sector was confronted with severe liquidity and solvency problems. This resulted in a credit crunch, which put additional stress on the real sector, which entered into a severe recession. Quick and determined policy action by the authorities, supported by international financial institutions, prevented a complete meltdown, and calmed the situation.

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The currently observable period of stabilisation in the banking sector allows us to conduct a thorough analysis and assessment of the overall situation. By doing so, we can derive some important lessons learnt to make the system more stable, without impeding the system’s important financial intermediation function for the real sector. The following policy recommendations summarise our position:

  1. Macroeconomic policy: Ukraine needs to improve its macroeconomic framework further, in order to achieve macroeconomic stability. A flexible exchange rate system and the gradual introduction of inflation targeting are key elements in this respect.
  2. Credit growth: In a situation where credit is still scarce, the authorities should refrain from using instruments that limit credit further. Thus, the current de-facto prohibition as well as the planned legislative ban on FX loans to unhedged borrowers should be reconsidered. We prefer the application of macro-prudential rules to control FX risks rather than outright bans.
  3. Consolidation: Market-driven consolidation may help to improve the efficiency of financial intermediation, but the current legislative framework for M&A is a serious impediment. The respective steps to create a positive legal environment need to be taken.
  4. Asset side: Tackling the high level of bad debt must become a major policy priority, as otherwise banks will be reluctant to provide new credit. It is encouraging that the NBU seems willing to push for changes in the legal framework for bad debt resolution.
  5. Liability side: We support current plans to cancel the right of depositors to withdraw time deposits any time, as this will mitigate liquidity risks and facilitate long-term lending.
  6. Relationship between asset and liability side: Given the current restricted amount of long-term funding in local currency, one way to facilitate the increase in long-term lending in local currency would be the introduction of FX hedging mechanisms. In the medium term, the development model must follow the principle “domestic deposits fund domestic loans”.
  7. Capital: An adequate capitalisation of the sector is a key element in the rehabilitation process. The fulfillment of recapitalisation plans by all actors is thus needed. For the state-recapitalised banks, a strategic decision on what to do is needed.
  8. Rights of lenders and borrowers: The protection of lenders’ rights is crucial for fostering sustainable lending. The authorities need to improve the legal and judicial environment.

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Table 3 [see PDF – page 43]
Top 17 bank’s balance sheet volumes and their market share (in %), per January 2011
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Table 4 [see PDF – page 44]
Overview of banks under administration/liquidation
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PDF – [46 Seiten]

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follow-up, Juli 2011

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Krisenbewältigung und aktuelle Herausforderungen im Bankensektor
Der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 ging ein mehrjähriges ungewöhnlich starkes Wachstum bei der Kreditvergabe voraus, das als Kreditblase zu bezeichnen ist.
Das Platzen dieser Blase manifestierte sich in einem “Run“ auf die Banken, der Abwertung der ukrainischen Hryvnia und einer wirtschaftlichen Depression. Die Regierung und die Nationalbank reagierten zunächst mit umstrittenen ad-hoc-Maßnahmen, später aber mit längerfristig ausgerichteten Regelungen, die – in enger Abstimmung mit IWF und Weltbank – zur Stabilisierung des Bankensektors beitrugen.
Der Handlungsbedarf bleibt dennoch sehr hoch, da die strukturellen Schwächen des Bankensektors zum größten Teil weiter fortbestehen.
Zu nennen sind unter anderem die problematische Wechselkurspolitik, der hohe Dollarisierungsgrad sowie regulatorische Hemmnisse für die erforderliche Konsolidierung im Sektor.
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Einschätzungen von Dr. Cyrus de la Rubia – Deutsche Beratergruppe

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historische Betrachtungen, April 2009

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Krisenbewältigung und aktuelle Herausforderungen im Bankensektor
Der ukrainische Bankensektor hat sich im Zeitraum 2005-2008 rasant entwickelt:
Der Anteil der aggregierten Bilanzsumme am BIP ist von 48% Ende 2005 auf fast 100% Ende 2008 gestiegen.
Aufgrund des starken Engagements ausländischer Banken haben vor allem Konsumenten- und Hypothekenkredite an Bedeutung gewonnen.
Allerdings wurde dieser Kreditboom größtenteils durch externe Verschuldung finanziert, wodurch erhebliche Risiken für das Bankensystem entstanden sind. Mit der Ankunft der Finanzkrise sind die aufgestauten Risiken deutlich in Erscheinung getreten und viele Banken leiden seither unter erheblichen Liquiditäts- und Solvenzproblemen.
Während die Banken im ausländischen Besitz idR von ihren Muttergesellschaften rekapitalisiert werden, wird in Kürze der ukrainische Staat mit Hilfe eines IWF-Kredites die angeschlagenen systemischen Banken im inländischen Besitz rekapitalisieren (müssen!)
Eine Rettung dieser Banken könnte erheblich zur Stabilisierung der ukrainischen Wirtschaft beitragen.
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Einschätzungen von Dr. Ricardo Giucci und Robert Kirchner – Deutsche Beratergruppe


Problembanken verlieren wohl demnächst ihre Rentnerkunden

Wie der Leiter des Pensionsfonds (PFU), Alexej Sarudnyj, mitteilte, sollen Verträge mit Banken aufgegelöst werden, welche die Auszahlung der Renten verzögern.
In den nächsten Tagen könnten neun Kreditinstitute, die seitens der Zentralbank unter Zwangsverwaltung stehen, ihre Rentner-Kunden verlieren.
Regionale Vertreter des Fonds betonen, dass in diesen Banken ein unbedeutender Teil der Rentner bedient werde und die täglichen Abhebelimits von 1.000 Hrywnja (ca. € 95) für die Rentner das Hauptproblem darstellten.
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Ukraine-Nachrichten


an ukrainischen Privatisierungsauktionen beteiligte Holdings

Industrial Union of Donbas (Industrialnij Sojuz Donbassa – ISD)
Die Industrial Union of Donbas (Industrialnij Sojuz Donbassa – ISD) wurde 1995 von regionalen Eliten in Donezk gegründet. In den folgenden Jahren gelang es ihr die Kontrolle über die Erdgasversorgung der Region Donezk zu übernehmen. Seit 1998 benutzte ISD die resultierenden Finanzströme, um sich in der Metallindustrie zu engagieren.
Sie erwarb Stahlproduzenten in der gesamten Ostukraine und begann auch sich in der Eisenerz- und Kohleproduktion zu engagieren. Im Rahmen einer umfassenden Investitionsstrategie übernahm ISD die Kontrolle über die gesamte Produktionskette der Stahlindustrie und stieg auch in den Maschinenbau ein. ISD erwarb zusätzlich Beteiligungen in der Lebensmittelindustrie, dem Transportwesen und der Gastronomie.
ISD wird nach außen durch ihren Leiter Sergei Taruta präsentiert. Die tatsächliche Eigentümerstruktur der Holding ist aber unklar. Als offi zielle Eigentümer fungieren fünf staatliche und private Strukturen, darunter z.B. die Akademie der Wissenschaften der Ukraine und die Donezker Industrie- und Handelskammer.

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Interpipe
Der Aufstieg der Holding Interpipe begann 1997. Sie erwarb wie die meisten Holdings Unternehmensbeteiligungen in den unterschiedlichsten Branchen.
Der Schwerpunkt des Engagements lag aber eindeutig in der Metallindustrie und insbesondere in der Röhrenproduktion.
Im Medienbereich wurden Beteiligungen an drei nationalen Fernsehsendern sowie einer Tageszeitung erworben.
Die Holding mit Sitz in Dnipropetrowsk wird von Viktor Pintschuk kontrolliert.
Pintschuk, der Schwiegersohn des ehemaligen Präsidenten Leonid Kutschma, war von 2000 bis 2004 auch offizieller Berater des Präsidenten.
Er hat enge Verbindungen zu Sergei Tihipko, der von 1997 bis 2001 in der Regierung für Wirtschaftsfragen zuständig war und anschließend bis 2004 die Leitung der Zentralbank übernahm.

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Privatbank
Die Privatbank wurde 1992 von Sergei Tihipko in Dnipropetrowsk gegründet.
Durch Finanzspekulationen und mit Unterstützung der Zentralbank konnte sie eine der erfolgreichsten Banken in der Ukraine werden.
Mit dem Wechsel von Tihipko in die Politik und seiner Allianz mit Interpipe wurde die Privatbank von Igor Kolomojskij übernommen.
Im Zuge der Privatisierungen wuchs die Holding der Bank zu einer der größten der Ukraine. Sie konzentrierte ihre Beteiligungen auf die Metallindustrie und die Erdölindustrie, erwarb aber auch Firmen in etlichen anderen Branchen wie der chemischen Industrie, der Lebensmittelindustrie und dem Baubereich.

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follow-up, 07.03.2014
Russland stellt ukrainische Bank unter Zwangsverwaltung
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DiePresse

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System Capital Management (SCM)
System Capital Management (SCM) fasst seit 2000 die Unternehmensbeteiligungen von Rinat Achmetow zusammen.
Achmetow übernahm 1995 die Handelsfirmen des Donezker Unternehmers Ahat Bragin, nachdem dieser einem Attentat zum Opfer gefallen war.
In den folgenden Jahren gelang Achmetow die Integration in die neue Elite der Region Donezk.
In enger Kooperation mit der Industrial Union of Donbas erwarb er bedeutende Firmen der Metallindustrie. Zusätzlich engagierte er sich in der Lebensmittelindustrie, der Gastronomie und dem Finanzsektor.
Ihm gehört auch der Fußballverein Schachter Donezk.
Bei den Parlamentswahlen im März 2006 erhielt Achmetow über die Liste der Partei der Regionen einen Abgeordnetensitz.

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Weitere Infos, insbesondere zum Bieterverfahren von Privatisierungsauktionen (2000-2004):
ukraine-analysen 08/06