Die heuchlerische Solidarität der Euro-Priesterschaft

zur Einstimmung:
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„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“
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File:Mahatma Gandhi Ghp.jpg

Mahatma Gandhi

CC – Urheber: Viratk

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Die heuchlerische Solidarität der Euro-Priesterschaft

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Liebe Freunde und Kritiker,
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vermutlich wird der nachfolgende Einordnungs-Versuch der aktuellen Entwicklungen in Griechenland aus der Perspektive eines überwiegend geschundenen Volkes von manchem Leser als Regelverstoss zu Dale Carnegie’s Bestseller „Wie man Freunde gewinnt“ bewertet.
Bitte nehmen Sie mir das nicht krumm  .. ich kann nicht anders!
.. und liebe Kritiker, falls doch .. beschweren Sie sich bei den Schnurgeln, die Sie nach Berlin und Straßburg abgeordnet haben!
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Seit dem sogenannten einseitigen Abbruch der Verhandlungen am 26. Juni und der darauf folgenden Ankündigung von MP Tsipras ein Referendum durchführen zu wollen, wurden wir von Statements aller Art überschüttet.
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Mit hochroten Köpfen wurde über Syriza, Tsipras und Varoufakis semantische Gülle ausgekippt und vielfältige Versuche unternommen, die Athener Truppe lächerlich zu machen und ganz im stillen, so war aus Brüsseler Diplomatenkreisen zu hören, hat man mit der Athener Opposition eine Blankovereinbarung getroffen, aus welcher hervorgehen soll, dass unter der Maßgabe der Zurückeroberung der Macht dieses menschenverachtende Gesindel weiteren, verschärfenden Reformen der Brüsseler Maulhelden zustimmen würde.
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Der EZB-Rat drehte den Hahn zwar nicht zu, sondern beließ die ELA-Hilfen bei € 90 Mrd., was prompt zu Bankenschließungen führte.
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Merkel duckte sich wie gewohnt erst mal weg. Nach der Kanzleramtsrunde mit allen Parteirepräsentanten war zu hören, dass sie ohne parlamentarische Rückendeckung dem griechischen MP quasi in letzter Minute noch ein aus ihrer Sicht so schmackhaftes Angebot unterbreitet habe, das Tsipras eigentlich nicht ablehnen konnte.
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Der von Tsipras persönlich enttäuschte Kommissions-Oberfluncker legte noch eine Schippe drauf und versprach Wachstumsimpulse mittels seiner hemdsärmlig gebastelten EU-Investionsoffensive.
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Das ewig gestrige Mantra „Scheitert der Euro..„, na ja, Sie wissen schon, wurde uns von allen Seiten zugeflötet, verbunden mit der Kanzletten-Vorgabe, Griechenland unbedingt in der Eurozone halten zu wollen.
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Selbstverständlich gab es seitens der Wahrheitsmedien allerorts Schützenhilfe, auch wenn der ZDF-Korrespondent Alexander von Sobeck anläßlich eines live-Berichts die auf dem Syntagma-Platz demonstrierende Masse „irrtümlich“ im Lager der EU-Reformgläubigen verortete, obgleich diese deutlich sichtbar mit OXI (Nein)-Plakaten posierten.
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In den zahlreichen mit vorwiegend Wichtigtuern und Ökonomieverstehern besetzten Talkrunden konnte zumindest Hans-Werner Sinn gegen „verschwantes“ Gedankengut und dem geschätzten Wirtschaftsweisen Peter Bofinger punkten. Letzterer wurde zwar nicht müde, für die desolate hellenische Volkswirtschaft neues Wachstum zu fordern, wollte dabei jedoch nicht konkretisieren, mit welchen Mitteln er sich ein solches Szenario vorstellt.
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Alles eben so wie immer !
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Und Tsipras ?
Er nervte offenbar die Eurogruppe mit zwei -oder waren es drei?- überflüssigen Schreiben mit unausgegorenen Vorschlägen, womit er jedoch bescheinigte, weitere Verhandlungen führen zu wollen.
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Last but not least überraschte der IWF am Donnerstag mit einer neuen hellenischen Schuldentragfähigkeits-Analyse und forderte mind. € 50 Mrd. Finanzhilfen und einen weiteren Schuldenschnitt! Wie danach von den IWF-Gläubigen (Schäuble: „Keine andere Institution hat eine solche Expertise) in Berlin zu hören war, mag man von solchen Vorschlägen (derzeit) nichts wissen. Bleibt die Frage, warum der IWF seine Analyse erst am vergangenen Donnerstag und nicht bereits eine Woche zuvor veröffentlichte.
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Und wie weiter ?
Die Türen bleiben offen, d.h. Gesprächsbereitschaft, falls notwendig, gerne auch humanitäre Hilfen, aber alles erst nach dem Referendum.
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Aufmerksame Beobachter dieses unwürdigen Schauspiels, welches selbst Homers Götter beweinen würden, könnten sich fragen, wie das alles so zusammenpasst ?
Mit dieser Fragestellung habe ich mich während der letzten Tage ganz intensiv beschäftigt.
Um es gleich vorwegzunehmen: ultimative Antworten vermag ich nicht zu liefern, jedoch einige Gedankenmodelle:
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Denkbare Auslöser von Tsipras, die  zum Abbruch der Verhandlungen und der Ankündigung des Referendums geführt haben könnten:
  1. Regieanweisung seitens interessierter Kreise mit Hegemonial-Anspruch?
  2. Der wohlschmeckende Varoufakis-Cocktail, bestehend aus weitergedachten Grundsubstanzen von John Maynard Keynes (Stichwort: surplus recycling mechanism – globale Regeln zum Ausgleich von Handelsungleichgewichten mittels einer Internationalen Clearing Union -ICU), hübsch garniert mit einer Karl-Marx-Kirsche.
    Es dürfte kaum verwundern, dass solches Gedankengut bei durchgegrünten und linken Protagonisten einer Europäischen Schulden- und Sozialunion, sehr geschätzt wird.
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    Die Rede ist von einem ‚modest proposal‚ welches Yannis Varoufakis zusammen mit Jamie Galbraith verfasste. Darin wird u.a. der Vorschlag diskutiert, künftig die Finanzierung von staatlichen Ausgabenprogrammen durch die Europäische Investitionsbank oder dem European Investment Fund durchzuführen, wobei die Refinanzierung durch Ausgabe von Anleihen erfolgen soll. Die EU-Kommission denkt bei ihrer Investitionsinitiative zur Finanzierung von Infrastrukturmaßnahmen an ebensolche Verbriefungen.
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    Nach dem Wunschzettel der Autoren sollen Versicherungskonzerne und institutionelle Anleger in solche ‚Assets‘ investieren. Was dabei geflissentlich übersehen wird, ist der Umstand, dass es sich dabei schlichtweg um Privatisierungsmaßnahmen handelt, deren Attraktivität vermutlich mit angemessener Mindestverzinsung zu sichern wäre.
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    Selbstverständlich ist es dabei unerheblich, dass am Ende des Tages der Steuerzahler die Zeche zahlen wird.
  3. Der Wunsch nach breiter Zustimmung der Bevölkerung für oder gegen weitere aufoktroyierte Sparauflagen, welche nach allen bereits zunichte gewordenen Zukunftsperspektiven der Menschen den ultimativen Schierlingsbecher bedeuten würde.
  4. Entgegen aller öffentlichen Versicherungen im Euro bleiben zu wollen, der heimliche Wunsch einen faktischen Austritt aus der Währungsunion zu erreichen und die Schuld dafür den Institutionen in die Schuhe zu schieben.
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Mögliche Gründe für die Haltung der Euro-Gruppe, der Euro-Finanzminister und der EU-Kommission:
  1. Die Referendum-Ansage muss wohl dieselbe Wirkung wie bei dem mit Weihwasser übergossenen Teufel ausgelöst haben.
    Demokratie ist eben nur schön, wenn damit der eigene Machtgewinn gesteigert wird!
  2. Bekanntermaßen wird ja immer behauptet, dass die Teilnahme am Eurosystem unumkehrbar sei. Diese Behauptungen sind jedoch nicht zwingend haltbar, allerdings wären bei einem angedachten regulären Euro-Austritt eines Mitgliedslandes extrem hohe rechtliche Hürden zu nehmen, was einen erheblichen Zeitaufwand bedeuten könnte.
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    Unsere Krisenkanzlerin hatte jüngst eine alte Volksweisheit bemüht: „Wo ein Wille ist, gibt es auch einen Weg“
    Diese Erkenntnis trifft unter der Maßgabe, dass sich wie im vorliegenden Fall ein Land in einem Hilfsprogramm des Euro-Rettungsschirms befindet und substantiell gegen Reformprogramme verstößt oder diese gar aufkündigt, ebenfalls zu.
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    Als Konsequenz bleibt der Eurozone unter Bezug auf die relevanten rechtlichen Voraussetzungen keine andere Möglichkeit, als die Hellenische Republik aus der Währungsunion auszuschließen, was von Tsipras und seiner zwischenzeitlich deutlich erkennbaren Zustimmung bei der Bevölkerung zumindest heimlich als Schenkelklopfer wahrgenommen werden könnte.
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    Meines Erachtens war genau dieser sehr wichtige Punkt der Auslöser für das unselige Verhalten der Europäischen Verhandlungspartner und die daraus resultierenden Sorgen, sich alsbald im Auge eines nicht vorhersehbaren Sturms zu befinden.
    Die einseitige Beendigung der Verhandlungen ließ vermutlich diesbezügliche Sorgen aufflammen.
  3. Kommen wir zu einem letzten Punkt:
    Nach eigenen Ansagen wollen die Euro-Alkis ja nur helfen (Hört! Hört!), sagen dabei aber nicht, wem sie helfen wollen (ist auch nicht mehr wichtig, wir haben bereits erlebt, wer too big to jail ist, oder ?).
    Gleichwohl nimmt man vielleicht kopfschüttelnd zur Kenntnis, dass sich genau jene Entdrückten darüber beklagt haben und vermutlich noch tun, dass sie als Überreaktion für ihr Verhalten Undank und Beschimpfungen ernten?
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Betrachtet man die unrühmlichen Rolle der EZB, dessen Präsident alles andere als eine weiße Weste hat und offenbar ein glühender Verehrer von Machiavelli’s Zyklen-Theorie zu sein scheint.
Man mag sich an die Londoner Investmentkonferenz in 2012 erinnern, wo Draghi den Euro unter anderem als “unumkehrbar” bezeichnete und bekräftigte, dass die Europäische Zentralbank im Rahmen ihres Mandats alles Erforderliche tun werde, um den Euro zu erhalten. “Und glauben Sie mir, das wird reichen”, fügte er hinzu.
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Was mir zusammen mit vielen anderen Beobachtern schon lange auf den Zeiger geht, ist die Tatsache, dass sich diese Figur ohne jegliche demokratische Legitimität zunehmend als politischer Taktgeber aufspielt und dabei -wie übrigens die meisten europäischen Politpuppets- völlig ausblendet, dass der Kaiser splitterfasernackt ist.
Dies ficht ihn offenbar genau so wenig an, wie die Politblender, die immer wieder aufs Neue den europäischen Völkern vorbeten, wie erfolgreich doch die verordnete Austeritäts- und Sparpolitik in Irland, Spanien und Portugal verlaufen sei.
Dem vermeintlich dummen Volk wird dabei vorsätzlich verschwiegen, dass
  1. Irland (neben Luxemburg) noch immer als ein beliebtes Steuerparadies für Konzerne wahrgenommen wird und besagter Musterschüler den leichten Rückgang der Arbeitslosenquote dem Umstand verdankt, dass seit 2012 mindestens 110,000 Iren ihrem Heimatland den Rücken gekehrt haben
  2. Spanien zwar im laufenden Jahr einen erfolgreichen Wachstumskurs anpeilt .. die Euro-Schnurgel feiern bereits ein voraussichtliches Wirtschaftswachstum von 3 % .. wobei unterschlagen wird, dass dieses Wachstum ebenfalls im laufenden Jahr mit einem Haushaltsdefizit von ca. 6 % erkauft wird. Da stellt sich doch die berechtigte Frage, warum Griechenland den erdrosselnden Reformpaketen folgen soll und man dort einen Haushaltsüberschuss von 1,5 % erwartet, während man in Spanien beide Augen plus ungezählte Hühneraugen zudrückt ?
  3. Portugal, angeblich auch einem guten Weg mit rückläufiger Arbeitslosigkeit … bei rund 95,000 Menschen, die bereits ausgewandert sind (vorwiegende Ziele Angola und Brasilien) eigentlich kein Wunder, oder ?
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Bleiben wir noch bei der EZB, die es nach dem überwältigenden Όχι-Votum in Griechenland morgen in der Hand haben wird, den ELA-Rahmen beizubehalten oder zumindest leicht nach oben anzupassen.
Meine Prognose:
Man wird sich nicht bewegen und dies mit den bisherigen grenzwertigen Entscheidungen begründen, oder auch nicht.
Damit zwingt man Griechenland (natürlich unbeabsichtigt) mit Coupons, Schuldscheinen oder sonstigen Parallelvarianten den GREXIT vorzubereiten.
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Wie nach dem Votum der Griechen zu hören war, will sich Frau Merkel morgen mit dem französischen Staatspräsidenten treffen, um weitere Schritte in Sachen Griechenland für den am Dienstag einberufenen Krisengipfel zu beraten.
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Sollte sie Griechenland weiter im Euro halten wollen, wird das Geld kosten … richtiges Geld!
Ihre eigene Fraktion wird vermutlich ebenso wie der Koalitionspartner not amused reagieren, ebenso wenig, wie deutsche oder gar europäische Steuerzahler, die ihre eigenen Felle davon schwimmen sehen!
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Abschließend noch einige Bemerkungen zu den vielfältigen Solidaritätsbekundungen für Griechenland und dem eher zynisch anmutenden tiefen Verständnis zur Lage der griechischen Bevölkerung:
Von allen Parteien im Deutschen Bundestag wurde diesbezüglich geheuchelt, dass sich die Balken biegen.
Von schwarz-rot war in diesem Zusammenhang wohl kaum etwas anderes zu erwarten. Mehr als erstaunlich jedoch mag man die fast deckungsgleichen, in Einzelfällen mit Krokodilstränen unterstützen Äußerungen der durchgegrünten und insbesondere den linken Menschenfreunden empfinden.
Wären solche Bekundungen wirklich ernst gemeint, so hätte man durchaus ungezählte LKWs mit Hilfsgütern aller Art auf den Weg bringen können. Die Damen und Herren Abgeordnete (wobei die solidaritätsbewußten EU-Parlamentarier nicht auszunehmen sind) hätten problemlos in die eigenen Taschen greifen können und mal völlig schmerzfrei € 5000 pro Person und steuerermäßigend in den Ring werfen können, um zumindest die dringlichsten Güter für unter unsäglichen Entbehrungen leidenden Griechen zu ermöglichen.
Ich bin mir sicher, dies hätte zu Image-Gewinnen der Abgeordneten und ihrer Parteien geführt und bei entsprechender öffentlichkeitswirksamer Berichterstattung viele Deutsche dazu animiert, sich einer solchen Aktion anzuschließen.

 

Mehr noch:
Unser so auf die Gesundheit der Menschen bedachtes Gesundheitsministerium hätte, was man übrigens noch immer tun kann, per Rundschreiben alle Klinken in Deutschland bitten/anweisen können, abgelaufene Medikamente, die tonnenweise von den Stationsschwestern entsorgt werden müssen, griechischen Ärzten kostenlos zur Verfügung zu stellen, sofern gewährleistet ist, dass deren Wirkung sich auch noch 4 Wochen nach dem Verfallsdatum entfaltet.
Vermutlich würde sich auch noch intaktes Fluggerät der Bundeswehr finden, um die Beförderung per Übungsflug nach Athen oder Thessaloniki sicherzustellen.
Fazit
Da all dies und vieles mehr ausgeblieben ist, bleibt der Vorwurf heuchlerischer Solidarität seitens der Euro-Priesterschaft.
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Zu guter Letzt:
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Gratulation an die Regierung Tsipras und das griechische Volk, die den europäischen Völkern einmal mehr gezeigt haben, dass Griechenland völlig zu Recht als Wiege der Demokratie gilt.
Das mehrheitliche Votum der griechischen Wähler zeigt deutlich, dass Gandhis im Eingangs-Zitat dargestellte Empfehlung auf Widerhall gestossen ist.
Wäre es nicht überaus wünschenswert, dass diese heutige Plesbizit-Lektion -gerne auch zum Verdruss mancher Volldemokraten- auf andere Länder überschwappt ?
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Ihr Oeconomicus

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korrespondierende Beiträge
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10.07.2015
Hellenische Impressionen
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06.07.2015
„Zusätzliche Argumente für Nein“
EU versuchte Veröffentlichung eines IWF-Berichts zu Griechenland zu verhindern
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22.06.2015
Nächster Akt der €/EU-Kernschmelze oder Weiterwursteln nach der ‘Methode Monnet’ ?
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24.02.2015
Fälligkeiten griechischer Schuldtitel in 2015
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30.09.2014
CatasTroika und die Drahtzieher der Krise
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16.02.2014
Troika agierte in Griechenland wie ein Schlachter
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17.04.2013
Erläuterungen zu dem Begriff “Schuldentragfähigkeit”
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04.08.2012
Emergency Liquidity Assistance (ELA) und die Rolle der EZB im griechischen Drama
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10.01.2012
Quo vadis € – Quo vadis Europa?
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01.11.2011
Frank Schirrmacher :
Demokratie ist Ramsch
Wer das Volk fragt, wird zur Bedrohung Europas.
Das ist die Botschaft der Märkte und seit vierundzwanzig Stunden auch der Politik. Wir erleben den Kurssturz des Republikanischen
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[…]
FAZ
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07.06.2011
Akropolis .. Adieu ?
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Ex-Premier Mário Soares fordert Euro-Austritt (follow-up s. Kommentare)

Portugals Ex-Premier fordert Euro-Austritt

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Jeder ist sich selbst der Nächste .. so in etwa könnte das Leitmotiv des portugiesischen Ex-Premier’s Mário Soares aussehen.
Im Interview mit dem Telegraph fordert er nach argentinischem Vorbild einen deutlichen Schuldenschnitt für sein Land und setzt sich konsequenterweise für den Euro-Austritt Portugal’s ein.
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Anscheinend schwindet die Zahl europäischer Euro-Glyzerin Jongleure, die weitere Menschen- bzw. Sozialopfer auf dem Merkel’schen Schulden-Altar zu opfern gewillt sind.
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Ich möchte fast wetten, dass wir in naher Zukunft ähnliche Töne führender Politiker aus der Euro-Zone hören werden und sich die Knopfleiste ernsthaft überlegen muß, Prof. Hankel’s Lösungsvorschlag zeitnah umzusetzen.
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Ihr Oeconomicus


Bertelsmann-Studie: Euro-Aus in Südeuropa könnte 17 Billionen kosten

Bertelsmann-Studie:
Euro-Aus in Südeuropa könnte 17 Billionen kosten

Ein Austritt von Griechenland und Portugal wäre verkraftbar. Doch wehe, wenn auch Spanien oder Italien die Euro-Zone verlassen. Eine neue Studie, die SPIEGEL ONLINE vorab vorliegt, sagt für diesen Fall massive Verluste vorher. Der mit Abstand größte Verlierer wäre Frankreich.
SpOnKommentare im Forum SpiegelFAZ — finanzen.netDIE ZEITSF Schweizer FernsehenHandelsblattCAPITAL
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Anmerkung
Quod esset demonstrandum!
DIE STUDIE – PDF [8 Seiten]
Dem dänischen Physiker und Nobelpreisträger Niels Bohr (1885-1962) wird das Zitat
„Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“
zugeschrieben und trifft den Kern dieser von PROGNOS erstellten Bertelsmann-Studie.
Kommen wir zu dem Versuch einer vorläufigen Bewertung des vor Schätzungen und Simulationen strotzenden ‚Policy Briefes‘[Anm.: Die Prognos AG verwendet nicht den Begriff ‚Studie‘]:
Bei der Konzeption der Ausstiegs-Szenarien hat man vier Entwicklungen und deren Konsequenzen nach einem VIEW-Modell der Prognos AG abgeschätzt.
Mir sind einige makroökonische Modelle bekannt, das erwähnte ‚VIEW-Modell‘ gehört nicht dazu. Auf der Webseite der Prognos AG konnte ich keine Definitionen dazu finden.
Ich darf aber wohl annehmen, dass es den Initiatoren dieser ‚Bertelsmann-Prognose‘ sowie der Wirtschaftsredaktion des Spiegel’s keine Mühe bereiten wird, Grundlagen und Aufbau, Parameter und deren Gewichtung, mathematische Gleichungen und die Unterschiede zu anderen gängigen makroökonomischen Modellen in allgemeinverständlicher Terminologie zu erläutern.
Daneben wäre es sehr hilfreich, einige historische Prognosen nach diesem Modell mit den Realitäten abgleichen zu können.
Den vier Simulationsrechnungen wurden nachfolgende Annahmen zugrunde gelegt:
Man geht davon aus, dass zunächst die Finanzhilfen für Griechenland eingestellt werden, so dass es dort zu einem Staatsbankrott kommt, in dessen Folge auch eine eigene griechische Währung eingeführt wird. Der Staatsbankrott führt zu einem massiven Schuldenschnitt. Man räumt allerdings ein, dass realistischerweise heute niemand vorhersagen kann, wie groß dieser ausfallen würde.
Vereinfachend nimmt man einen 60%igen Schuldenschnitt Griechenland’s an.
Nicht berücksichtigt wurde die Möglichkeit Griechenland’s nach Wiedererlangen der eigenen Währungs-Souveränität eine Gläubiger-Konferenz bei den zuständigen Institutionen (Club de Paris, London Club) einzuberufen, den Gläubigern bspw. ein 10-jähriges Moratorium abzutrotzen und danach 20% der aktuellen €-Verpflichtungen mit der neuen Drachme per rata temporis zurückzuführen.
Bei den Konsequenzen einer Wiedereinführung der Drachme wird auf dessen enormes Abwertungspotential hingewiesen, die daraus enstehenden signifikanten Export-Chancen des Landes finden hingegen keine Erwähnung. Allerdings beklagt man massive Ausfuhr-Rückgänge der großen Export-Nationen, deren Volumina schon heute deutlich geschrumpft sind.
Im Zusammenhang mit der o.a. Gläubiger-Konferenz erübrigt sich auch der Hinweis, dass Griechenland’s €-Verpflichtungen durch die deutliche Abwertung der Drachme signifikant ansteigen würden.
Besonders hübsch fand ich in diesem Zusammenhang den Hinweis:
„Daraus resultiert dann im Ergebnis ein weltweiter Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten.“
Könnte der Prognos AG entgangen sein, dass bereits heute weltweit deutliche Rezessions-Erscheinungen spürbar sind, die man mit negativen Wachstums-Tendenzen umschreibt?
Unter dem Titel „Konsequenzen der Ausstiegs-Szenarien“ werden von den getroffenen Annahmen ausgehend Konsequenzen der vier Szenarien für die weltwirtschaftliche Entwicklung im Zeitraum 2013 bis 2020 berechnet, wobei jeweils ein Vergleich zum Basis-Szenario des ‚Prognos Weltreport 2012‘ getroffen wird.
Besagter Welt Report liefert Daten und Prognosen zu nachfolgenden Größen:
  • Demografie
  • Entstehungsseite
  • Verwendungsrechnung
  • Makroökonomische Kennzahlen
weitere Details finden sich hier.
Die kumulierten Einbußen auf Basis der zahlreichen ‚Unbekannten‘ lassen sich auf Seite 5 des Papier’s in der Tabelle 2 ablesen.
Es erscheint mir müßig, die Relevanz dieser Zahlen weiter zu kommentieren.
Kommen wir zum sogenannten ‚Domino-Effekt‘ hier Ausstiegs-Szenario IV genannt, mit Griechenland, Portugal, Spanien und Italien:
Ausgehend von der Annahme, Griechenland habe die Drachme 2.0 eingeführt und erfolgreich die Gläubiger-Konferenzen absolviert und damit die Voraussetzung geschaffen, Zuwächse im Export und der Touristik (ggfls. auch im Bereich Ferien-Immobilien) zu generieren, könnte eine solche Entwicklung für die noch im Euro verbliebenen drei Staaten zu wirtschaftlichen Nachteilen bei ausgewählten Produkten eigener landwirtschaftlicher Erzeugnisse und in der Touristik führen.
Die Bevölkerungen dieser Euro-Länder würden erkennen, dass sich die zur Zeit dramatische Lage der Hellenen bei der Daseinsfürsorge (also ohne Importe) entspannen könnte.
Möglicherweise könnte sogar vereinzelt beim stabilen deutschen Mittelstand Interessen entstehen, in Griechenland einen Produktions-Standort zu eröffnen.
Zu diesem Thema sei ein kürzlich geführtes Gespräch mit der Geschäftsleitung eines bekannten deutschen mittelständischen Markenartiklers aus der Nahrungsmittel-Branche erwähnt.
Bei besagtem Unternehmen sind die Exporte nach Griechenland seit 2009 um 90% eingebrochen, wobei die Umsatzverluste auf anderen Märkten weitestgehend wettgemacht werden konnten.
Würde Griechenland die Euro-Zone verlassen und die Wiedereinführung der Drachme eine Abwertung von mind. 50% zum Rest-Euro verzeichnen, wäre das Unternehmen sofort bereit dort einen Produktions-Standort zu eröffnen.
Die dort hergestellten Markenartikel könnten sowohl in Griechenland verkauft werden, als auch in andere Märkte, die bislang nicht aus Deutschland bedient werden, gegen ‚harte Devisen‘ exportiert werden.
Ich bin mir fast sicher, dass ein solches Vorgehen keine Einzelentscheidung bleiben dürfte, auch wenn dies von Herrn Keitel (BDI) heftigst bestritten wird.
Dies könnte natürlich Begehrlichkeiten auslösen und Portugal, Spanien und ggfls. Italien auf Sicht zwingen, ebenfalls der Euro-Zone zu entsagen.
Da es sich bei diesen Ländern um höchst unterschiedliche Volkswirtschaften mit unterschiedlichsten Krisen-Ursachen handelt, sind die weiteren Entwicklungen auch nicht vergleichbar.
Portugal’s Stärken (einschl. der Azoren und Madeira) sind weitestgehend bei Dienstleistungen, Agrarwirtschaft und Touristik zu verorten. Im industriellen Bereich zählt das Land zu den weltweit führenden Nationen in der Wolframproduktion.
Eine baldige Rückkehr zum Escudo könnte einen Staatsbankrott ggfls. in Verbindung mit einem nicht näher zu quantifizierenden Schuldenschnitt zu Lasten der Gläubiger (und nicht der Steuerzahler) verhindern.
Die Folgen für Bevölkerung, Staat und ausländische Gläubiger (in der Hauptsache spanische, französische und deutsche Geldgeber) sind gesondert zu analysieren.
In Spanien sieht die Lage hauptsächlich aufgrund desolater Immobilien-Finanzierungen der Banken und dem quasi-Zusammenbruch der Bauwirtschaft völlig anders aus. Allerdings ist die Lage nicht völlig hoffnungslos und mit den richtigen Maßnahmen auch unter Aufgabe mancher Glaubensbekenntnisse (Stichwort: systemische Banken etc.) beherrschbar.
Besonders spannend finde ich die im öffentlichen Diskurs kaum beachtete Tatsache, dass Spanien’s wichtigster Ausfuhr-Handelspartner mit 17,9% aller Exporte nicht Deutschland (10,1% Ausfuhr-Anteil in 2011), sondern Frankreich ist.
Eine Rückkehr zur Peseta könnte sowohl die spanischen Deviseneinnahmen (aufgewerteter Rest-Euro oder Franc) stärken, als auch der kränkelnden französischen Wirtschaft sogenannte Währungs-Windfall’s bescheren.
Über eine Rückkehr zur Peseta dürfte sich sicher Herr Winterkorn (VW) freuen, da die Produktionskosten (bemessen in €) für die SEAT Fahrzeuge deutlich geringer ausfallen und somit die Export-Erlöse steigern könnten.
Soweit erstmal einige Gedanken zu Spanien.
In Italien sieht die Welt ganz anders aus:
Die expliziten Staatssschulden Italiens sind mit ca. 1.900 Mrd. € ähnlich hoch wie in Deutschlland (2.100 Mrd. €), allerdings ist die Wirtschaftskraft des Landes um ein Drittel geringer als die Deutschlands. Die privaten italienischen Vermögenswerte werden hingegen deutlich höher als in Deutschland eingeschätzt.
Gleichwohl gibt es zahlreiche Stimmen, die Italien ohne permanente direkte und indirekte Kredithilfen der EZB eine alsbaldige Zahlungsunfähigkeit bescheinigen.
Gerade deshalb müßte es der politische Führung des Landes ein Anliegen sein, sich von den Euro-Fesseln schnellstens zu befreien um mit der Rückkehr zur abzuwertenden Lira ihrer Export-Wirtschaft das Bad in Spumante zu ermöglichen.
Das Land hätte also durchaus die Chance mit der Rückkehr zur Lira und notwendigen Struktur- und Verteilungsveränderungen das Tal der Tränen zu verlassen.
Diese Kurzbetrachtungen lassen sich natürlich an anderer Stelle in vielerlei Hinsicht sowohl aus Sicht dieser Länder, als auch vom Blickwinkel deutscher und EU-Interessen ergänzen und vertiefen, insbesondere auch hinsichtlich potentieller Aufwertungs-Effekte.
Die im Prognos-Papier erwähnten ‚wirtschaftspolitischen Konsequenzen‘, insbesondere drohende Staatsbankrotte der vier Club-Med-Staaten, sofern deren vielfältiger Widerstand gegen notwendige Reformen nicht aufgegeben wird, erscheint in der dargebotenen Weise nicht valide zu sein.
Dies bezieht sich auch auf die erwähnten Schlussfolgerungen, die Staatsbankrotte dieser Länder würden weltweite Rezessionen auch in aussereuropäischen Volkswirtschaften auslösen.
Solche Gefahren sind, wie bereits in vielfältiger Weise an anderen Stellen ausgeführt auch heute schon erkennbar.
Die Ursachen liegen u.a. in der exorbitanten Staatsverschuldung der USA, in deren Folge ein dramatischer Niedergang existenzieller Grundbedürfnisse weiter Teile der Bevölkerung nicht mehr gegeben ist. Als Folge sind auf lange Zeit die in den letzten Jahrzehnten gefeierten Konsum-Orgien zugunsten exportierter Werkbänke in den asiatischen Raum nicht mehr denkbar.
Die Spardiktate europäischer EUROholics bewirken letztlich eine ebensolche massive Schwächung der Inlandskonjunktur in den Euro-Ländern. Die Zahl erwerbsloser oder von Transferleistungen abhängiger Menschen in Deutschland setzt sich weiter fort. Nach optimistischen Schätzungen sind alleine in Deutschland mindestens 12 Mio Menschen nicht mehr in der Lage, für die Volkswirtschaft notwendige Konsumausgaben zu tätigen. Diese Entwicklung wird sich im Hinblick auf eine fast unausweichliche Altersarmut noch deutlich verstärken.
Es dürfte nicht allzu schwer sein, die katastrophalen Folgen von massiven Einkommens- und Rentenkürzungen der Menschen in den Club-Med-Staaten zu erahnen.
Diese Prozesse müssen im Interesse der Menschen gestoppt werden!
Mit Kürzungsmaßnahmen, Rettungspaketen, dramatischer Geldmengenausweitung und Sozialisierung von Verlusten der Finanzindustrie wird dies allerdings nicht möglich sein.
Das Friedensprojekt EURO durch die „muddling-through“-Politik (zu deutsch: durchwursteln) nach ‚Gutsherren-Art‘ ist endgültig gescheitert und den Verantwortlichen fehlt der Mut, dies einzugestehen.
Es steht zu befürchten, dass die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten in schmerzhafter Weise diese Einsichten erzwingen werden.
Ich hoffe, für den Leser konnte mit diesen Gedanken zumindest ansatzweise sichtbar gemacht werden, dass der Aufmacher der Spiegel-Redaktion im Konzert mit den Ökonomie-Verstehern des Hauses Bertelsmann in der dargestellten Weise nicht wirklich das vermittelte Bedrohungspotential rechtfertigen kann.
Vielen Dank für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit.
Ihre Kommentare, Anregungen und Kritikpunkte sind selbstverständlich herzlich willkommen.

Ihr Oeconomicus


Deutschland soll zahlen oder austreten

Deutschland soll zahlen oder austreten:
Soros fordert radikalen Schnitt
Der milliardenschwere Finanzinvestor Soros spart bekanntlich nicht mit Kritik an dem Euro-Krisenmanagement der Deutschen. Dabei scheut er auch nicht vor drastischen Lösungsvorschlägen zurück. Wenn Deutschland den Krisenländern nicht helfen wolle, bleibe nur der Euro-Austritt, erneuert er seine Forderung. Damit würden sich alle Probleme in Luft auflösen.
Bereits im September hatte Soros mit deutlichen Worten an Deutschland appelliert, seiner Führungsrolle gerecht zu werden. „Deutschland muss entscheiden, ob es wohlwollender Hegemon werden will oder den Euro verlassen möchte“, hatte der 82-jährige Multi-Milliardär angemahnt.
N-TV
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Dazu ein Interview mit Heiner Flassbeck

«Die Euroländer müssen sich trennen»

«Die Euroländer müssen sich trennen»
Für Heiner Flassbeck ist der Euro nicht mehr zu retten. Aus Sorge um die politische Integration empfiehlt der UNO-Ökonom den Ausstieg aus der Währungsunion.
Interview mit tagesanzeiger.ch

Griechenland braucht noch jahrelang Hilfe

Griechenland braucht noch jahrelang Hilfe

Die schwierige Lage in Griechenland ist schon Teil des Bundestagswahlkampfs: SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück mahnt zur Nachsicht gegenüber Athen. Die „Troika“ setzt indes ihre Kontrollen fort.
Athen werde sich in den kommenden sieben bis acht Jahren nicht selbst Geld leihen können.
„So lange werden wir helfen müssen“,
sagte Steinbrück.
Er forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, den Deutschen „endlich die Wahrheit zu sagen“. Ein Euro-Austritt der Griechen müsse verhindert werden.
„Die politischen und ökonomischen Erschütterungen wären verheerend“, sagte der frühere deutsche Finanzminister.

N24SpOn

Anmerkung
Wie alle EUROholics vermeidet der vermeintliche Finanzexperte und designierte Herausforderer der Kanzlerin, die behaupteten ‚politischen und ökonomischen Erschütterungen‘ ganz konkret zu benennen.

Ihr Oeconomicus


Berlusconi empfiehlt Berlin den Euro-Austritt

Berlusconi empfiehlt Berlin den Euro-Austritt

Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi hat zum verbalen Rundumschlag gegen den Euro ausgeholt. Ein Problem der Eurozone sei der „Hegemonialstaat“ Deutschland, die Währung sei „Selbstmord“.
N24Welt-online
Anmerkung
Mit dem Thema Euro-Austritt Deutschland’s und den daraus resultierenden Aufwertungseffekten habe ich mich in meinem Aufsatz „Semantische Abenteuer-WELTen“ ausführlicher beschäftigt.

Ihr Oeconomicus