Die moralischen Grenzen der Märkte

Die moralischen Grenzen der Märkte

Es gibt heute kaum etwas, was man nicht für Geld kaufen kann.

Wenn Sie in Santa Barbara (Kalifornien) zu einer Haftstrafe verurteilt werden und Ihnen die Standardunterkunft nicht zusagt, können Sie für etwa 90 Dollar pro Nacht ein Upgrade für Ihre Gefängniszelle erwerben.

Wenn Sie etwa gegen die tragische Tatsache tun wollen, dass jedes Jahr tausende von Babys geboren werden, deren Mütter drogenabhängig sind, können Sie an eine Organisation spenden, die das Problem mit Marktmechanismen bekämpft: einer Barzahlung von etwa 300 Dollar für jede drogenabhängige Frau, die bereit ist, sich sterilisieren zu lassen.
Oder falls sie einer Anhörung im US-Kongress beiwohnen möchten, aber nicht stundenlang anstehen wollen, können Sie die Dienste eines Unternehmens in Anspruch nehmen, das dies für Sie übernimmt. Dieses heuert Obdachlose und andere Bedürftige an, um an Ihrer Stelle Schlange zu stehen – wenn’s sein muss, über Nacht. Unmittelbar vor der Anhörung können die zahlenden Kunden dann ihren Platz in der Schlange einnehmen und so einen Sitz in der ersten Reihe des Anhörungssaals beanspruchen.
Ist etwas falsch daran, derartige Dinge zu kaufen oder zu verkaufen? Manche sagen nein; die Leute sollten ihr Geld für alles ausgeben können, was jemand anderer verkaufen möchte. Andere sind der Ansicht, dass es bestimmte Dinge gibt, die nicht käuflich sein sollten. Aber warum? Was genau ist unrecht daran, Upgrades für Gefängniszellen an jene zu verkaufen, die sie sich leisten können, oder Bargeld für Sterilisationen anzubieten, oder Leute anzuheuern, die für Sie Schlange stehen?
Um Fragen wie diese zu beantworten, müssen wir uns eine übergeordnete Frage stellen: Was ist die Rolle von Geld und Märkte in guten Gesellschaften?
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Prof. Michael J. SandelPROJECT SYNDICATE

Immanuel Kant – Sapere aude!

Immanuel Kant


Bildquelle, Bildrechte und Lizenzgenehmigung: dies ist eine originalgetreue fotografische Reproduktion eines zweidimensionalen Kunstwerks.
Das Kunstwerk an sich ist aus dem folgenden Grund gemeinfrei:

Immanuel Kant (* 22. April 1724 in Königsberg; † 12. Februar 1804 ebenda) war ein deutscher Philosoph der Aufklärung. Er zählt zu den bedeutendsten Vertretern der abendländischen Philosophie. Sein Werk „Kritik der reinen Vernunft“ kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie.

Nicht nur in der Erkenntnistheorie, sondern auch in der Ethik mit dem Grundlagenwerk Kritik der praktischen Vernunft und in der Ästhetik mit der Kritik der Urteilskraft sowie bedeutenden Schriften zur Religions-, Rechts- und Geschichtsphilosophie schuf Kant eine neue, umfassende Perspektive in der Philosophie, welche die Diskussion bis ins 21. Jahrhundert maßgeblich beeinflusst.

Immanuel Kant – Was ist Aufklärung?

Sapere aude ist lateinisch und bedeutet (in der bekannten Interpretation Kants): „Habe Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen!“
Wörtlich bedeutet das Sprichwort etwa: „Wage es, vernünftig zu sein!“

Immanuel Kant – Der Kategorische Imperativ

Wie ist der Weltfrieden am besten zu erreichen?
Diese Frage beschäftigt Philosophen, Politiker und spirituelle Führer schon seit vielen Jahrhunderten. Die einen sind der Meinung, dass nur dann Friede herrscht, wenn der Beste, gleichzeitg der Militärstärkste ist. Die Anderen sind der Meinung, dass erst das Streben nach militärischer Stärke den Frieden behindert.

Unser demokratisches System basiert auf der Lehre Immanuel Kant’s, der seinerseits den Begriff der Freiheit so definierte, dass jeder Mensch tun und lassen könne, was er will, solange er niemand anderen schadet. Die heutige politische Landschaft jedoch, verkehrte dieses Prinzip um und machte daraus, dass jeder tun könne, was er will, solange er nicht gegen Gesetze verstößt.

Damit wird die Mündigkeit dem Bürger entzogen und die Gesetzestafel wird höher gehalten als die Moral, denn nur Gesetze, die demokratisch verabschiedet worden, verwirklichen das Recht. Alle anderen Gesetze sind Ausübung von Herrschaft und das genaue Gegenteil von dem, was ursprünglich als Demokratie gedacht war. Ein System, welches sich zwar demokratisch nennt, ist dennoch keines, wenn es sich nicht an die eigenen Regeln hält, so wie wir es zunehmend in den westlichen Demokratien erleben.

herzlichst

Ihr Oeconomicus