Notenbanker im Beichtstuhl

Notenbanker im Beichtstuhl

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Aufsatz von Markus Gaertner/Vancouver
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Brisante Geständnisse werden gerne wohl verpackt – oder in der Ferne gemacht, weit vom Schuss, damit es nicht zu viele hören. Charles Evans weiß das.
Der Präsident der Chicago-Fed hielt heute beim “Asian Financial Forum” in Hong Kong eine Rede über “Monetary Policy at the Zero Lower Bound.”
Gemeint ist damit Geldpolitik in den ewigen Niederungen unweit der Null-Linie.
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In dieser Rede macht Evans ein weitreichendes Eingeständnis:
Die US-Konsumenten sind ausgepowert, sowohl durch Schulden als auch durch die beginnende Pensionierung der Baby Boomer. Sie fallen als Zugmaschine der Weltkonjunktur aus:
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“As a result, no matter how our fiscal problems are resolved, the U.S. consumer is no longer in a position to be the engine of world growth. Funding the future requirements of retired workers likely will require increases in personal saving or government taxation at some point in the not-too-distant future.”
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Wurden in Washington nicht gerade die Steuersätze für besser verdienende Amerikaner ab 450.000 Dollar Jahreseinkommen angehoben ?
Ja. Aber das meint der Mann nicht. Evans spricht vom Mittelstand, auf den wohl noch einiges zukommen wird:
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“Furthermore, over the near term, many U.S. households will continue to be challenged by a debt overhang and large losses of wealth that were incurred during the financial crisis. Together, these factors point to lower rates of personal consumption in the United States.”
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Aber was folgt daraus ? Dass die Administration noch einmal kräftig die Konjunktur anschiebt ? Weit gefehlt, das meint Evans nicht:
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“The United States must consolidate its public sector finances; but it must do so gradually if we are to avoid further economic turmoil or another downturn.”
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Aha. Er spricht vom Sparen. Von einer sanften Austerität zwar, aber von weniger Ausgaben als Einnahmen. Im Klartext: Auch die Fiskalpolitik hat als möglicher Treibriemen der US-Konjunktur erstmal abgedankt. Haben wir uns ja auch schon gedacht.
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Bleiben noch die Exporte. Die sollen sich laut Obama bis 2015 verdoppeln, verglichen mit dem Stand zum Amtsantritt Anfang 2009. Doch das haut auch nicht hin. In den vergangenen zwei Jahren haben die US-Exporte in absoluten Zahlen nur um 10% zugelegt, wie die GRAFIK hier im Blogeintrag zeigt.
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Wieder Fehlanzeige, also. – Was aber empfiehlt Herr Evans ?
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Langfristige Politik ! Und das von einer Elite in Washington, die auf ihrem ganz eigenen Kalender jeweils nur bis zur nächsten Midterm-Wahl in zwei Jahren schielt. Laut Evans wäre folgendes Rezept gefragt, um die Gleisspur für die US-Wirtschaft zu erweitern und künftig mit einer größeren Lokomotive fahren zu können:
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“In the United States, we can improve our educational system, leading to a more productive work force. In the European periphery, economic liberalization, particularly of labor markets, can produce a more efficient allocation of resources and increased potential. And in all countries, smart regulation, efficient tax codes and support for free international trade can increase productive capacities.”
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Aha: Smarte Regulierung, bessere Ausbildung und ein besseres Steuersystem.
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Und das in einem politischen Umfeld, das sich nicht einmal unter extremem Druck auf einen Sparkompromiss einigen kann ?
Einem Umfeld, das lieber darüber nachdenkt ob man die Lehrer bewaffnet, anstatt zu fragen, wie man den Unterricht verbessern und die inhaltlichen Standards höher setzen kann, auch außerhalb der Elite-Schulen ?
Und in einem Umfeld, in dem der Kongress beim Feilschen um höhere Steuern für 2% der Amerikaner eine Zerreißprobe erlebt ?
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In diesem Kongress soll ein neues Steuerregime ausgehandelt werden ?
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Lieber Herr Evans:
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Sie wissen ganz genau, was Sie da verlangen, und worauf Ihre Forderungen hinauslaufen: Mehr pumpen durch die Währungshüter und mehr Null-Zins-Politik. – Daher der Titel dieses vielsagenden Vortrags. Und daher auch der Schwenk zu den Grenzen, die Amerikas Sparern und Fiskalpolitikern auferlegt sind.
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Quod Erad Demonstrandum: Die Fed hat sich wieder einmal selbst bewiesen. – Und wenn sie nicht aufgelöst worden ist, dann pumpt sie auch noch 2018. Aber sie wird auch im zweiten Jahrzehnt ihrer Tsunami-Kampagne in der Geldpolitik weiter bestreiten, dass es irgendwelche Parallelen zu Japan gibt.
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Besten Dank werter Markus und herzliche Grüße nach Vancouver!

Ihr Oeconomicus

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weitere Berichte und Kommentare zu Evans Rede in Hong Kong
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Fed likely to start raising rates by 2015, says Charles Evans
THE Federal Reserve board could wind down asset purchases under its quantitative easing program if the US economy creates about 200,000 jobs a month for several months, Chicago Fed President Charles Evans told a forum in Hong Kong Monday.
Michael S. Arnold – Dow Jones Newswires
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U.S. economy to grow 2.5 pct this year
The U.S. economy is expected to grow by 2.5 percent in 2013, improving to 3.5 percent growth in 2014, top Fed official Charles Evans said on Monday.
Evans also forecast the U.S. unemployment rate would be 7.4 percent this year, easing to about 7 percent in 2014.
Reuters
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Anmerkung
Ich bin gespannt, ob sich Evans Blick in die Kristallkugel als zuverlässig herausstellen wird, oder man ihm eher die Konsultation eines Augenarztes empfehlen sollte!