Spiel mit dem Feuer

Spiel mit dem Feuer

Euro-Rettung: Hinter Inflationsgefahr und Flucht aus der Währung lauert die Dauerkrise
„Wenn die Leute täglich in der Tagesschau sehen könnten, wie durch die Niedrigzinsen ihr Erspartes an Wert verliert, wären sie entsetzt“, warnt der frühere Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer.
Der Verbraucherpreisindex bilde die tatsächlichen Verluste nicht ab. Kommen zur Null-Zins-Politik noch drei Prozent Inflation dazu, verliere eine private Altersrente innerhalb von 20 Jahren mehr als die Hälfte ihrer Kaufkraft, so Mayer im Spiegel.
Hinter Inflationsgefahr und Flucht aus der Währung lauert die Dauerkrise, auch für den Norden des Euro-Raums. Europas Spitzenpolitiker retten den Euro, indem sie die unantastbarsten Werte des alten Kontinents: Recht, Vertragstreue, stabiles Geld zur Chef-Sache erklären, zur Knetmasse ihrer Politik.
Sie verheißen Europa eine große Zukunft, indem sie den Bürgern die Ihre nehmen – denn wie sollen diese zukünftig für ihre Familien sorgen, wenn ihren Einkommen und Vermögen die reale Substanz entzogen wird?
Die Politiker erwarten von ihren Wählern, daß sie aufhören, ihren Verstand zu gebrauchen. Sie sollen ihnen glauben, daß Mario Draghis frisch gepreßte Euro-Billionen keine Wirkung auf die Kaufkraft ihrer Einkommen und Vermögen haben werden, weder jetzt noch später – und das bei einer Wirtschaftsleistung der Euro-Zone, die dank der mit dieser „Hilfe durch Inflation“ verbunden Spar-Auflagen die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone unter die Null-Linie drücken.
Ist es schon Wahnsinn, so zeigt er wenigstens Methode – jetzt kommt zur großen Euro-Lüge noch die kleine: daß diese Inflation niemals im Supermarkt stattfinden werde. Sie verbillige „nur“ das neue Schuldenmachen der alten Schuldensünder von Griechenland bis Spanien und garantiere Höhenflüge (oder Blasen?) an den Aktien-Börsen. Wer’s glaubt wird nicht selig, sondern verliert seine Ersparnisse. Die Euro-Inflation zeigt sich schon jetzt in der Verteuerung neuer Vermögensanlagen.
Wer jetzt erst aus dem Euro flüchtet, der zahlt drauf
Wer jetzt kauft, um seine Zukunft zu sichern – Gold, Immobilien, Aktien, starke Fremdwährungen – kauft teurer ein als noch vor kurzem. Der Gegenwert seiner Euro-Ersparnisse nimmt dadurch nicht zu, sondern ab. Freuen darüber kann sich nur, wer seine Flucht aus der sich entwertenden Euro-Währung schon seit langem hinter sich hat. Doch da die Euro-Schwäche weiter gehen wird (weil das Wunder ihres Endes „von selbst“ leider ausbleiben wird) kann sich die Flucht besorgter Bürger aus ihrer verkorksten Währung nur verstärken. Was derzeit noch den offenen Ausbruch der von Europäischer Zentralbank (EZB) und ihren Rettungssatteliten (EFSF, ESM) unverhüllt finanzierten Preisinflation hinausschiebt sind, anders als in der Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre, brachliegende Produktionsreserven. Es ist die von Tag zu Tag anschwellende Fluchtwelle aus der Titanic-Währung Euro: Die Passagiere retten sich in die Boote, solange diese noch an Bord und flott zu machen sind.
Wenn sich Europa eines nicht leisten kann, dann ist das zusätzlich zu seinem Verlust an Humankapital (schrumpfende Bevölkerung) auch ein ständiger Aderlaß an Geld- und Sachkapital. Auch wirtschaftliches „Know-How“ geht dem Euro-Raum verloren, wenn ihn zusammen mit dem Geld- auch das Firmenkapital flüchtet. Europas Spitzenpolitiker kreieren, ganz gegen ihre Intention, Europas neuen Nationalismus. Nur: Er gilt nicht, wie der alte, dem Vaterland, sondern der Sicherung bürgerlichen Überlebens, der eigenen privaten und familiären Zukunft. Man sollte jeden dieser Europa-„Visionäre“ zur Offenlegung seiner privaten Vermögensverhältnisse verpflichten: wie und wo er seine Ersparnisse anlegt. Man will als Wähler wissen, ob, wer Europas Zukunft predigt, auch selber an diese glaubt.
Europa ist nur zu retten, wenn es die Rettung des Euro über noch mehr neues Geld und noch höhere Steuern aufgibt. Es könnte zur Rettung des Ertrinkenden werden, der seine Retter mit in die Tiefe reißt. Angela Merkel, ihr Finanzminister und ihr Herausforderer Peer Steinbrück – sie alle sollten wissen, daß es Alternativen zur Fortsetzung von Europas monetärer Integration gibt: Solche, die weder die Vermögen der Bürger noch gewachsene Demokratien gefährden. Helmut Schmidt hat seiner Zunft einmal den Rat gegeben, rechtzeitig zum Psychiater zu gehen, bevor sie realitätsblind werden. Denn wenn sie die Währung ruinieren, sind auch ihre Pensionen dahin.
Wilhelm Hankel – Königswinter, 08.11.2012
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Herzlichen Dank, lieber Professor Hankel für diese fulminante Bestandsaufnahme.

Ihr Oeconomicus


Quo vadis Finanzmärkte?

„Viele Argumente sprechen gegen Aktien“
Der Dax hält sich hartnäckig bei mehr als 7.000 Punkten – trotz Eurokrise. Vieles wird davon abhängen, ob der Index diese Marke in den kommenden Wochen verteidigen kann. Charttechniker sind skeptisch.
Uwe Zimmer von der Meridio Vermögensverwaltung AG:
„Viele Argumente sprachen und sprechen auch jetzt gegen ein Investment in Aktien“, sagt Zimmer. Neben der konjunkturellen Abkühlung der Weltwirtschaft, einschließlich im Boomland China, sorgt sich der Vermögensverwalter über immer vorsichtigere Äußerungen aus immer mehr Unternehmenszentralen.
[…]
Mit Blick auf die nächsten Monate bleibt er seiner vorsichtigen Devise treu – auch auf die Gefahr hin, damit noch einmal schiefzuliegen. „Zugegeben, wenn es neue politische Aktionen gibt und die Notenbanken die Märkte mit noch mehr Geld fluten, dann hat der Dax gute Chancen, auch noch über 7.500 in Richtung 8.000 Punkte zu steigen“, sagt Zimmer mit Blick auf das Jahresende.
Doch er warnt Anleger davor, sich von den steigenden Kursen blenden zu lassen. „Die Rückschlagsgefahren steigen immer weiter, je mehr sich die Börsen von ihren fundamentalen und charttechnischen Daten lösen.“ Der Experte hält es für „marktgesünder“ und wahrscheinlicher, dass der Dax nach seinem „charttechnisch mustergültigen Abprall“ an der 7.500er-Marke nun bis auf 7.000 Punkte zurückfällt.
Handelsblatt
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bisherige Argumentations-Linien
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Handelsblatt Kapitalmarkt-Umfrage vom 29.12.2011
Analysten-Prognosen für 2012 (Jahresendstand)
Auszug
Société Générale
Dax: 5.500; Bundesanleihen (10-j.) Rendite: 2,1%; Euro/Dollar: 1,30 $
follow-up: 09.10.2012, 09:52h
Börse Frankfurt: Der Dax zeigt sich nur kurz erholt
Die Stimmung an den Märkten ist angespannt. Weltweit kühlt sich die Konjunktur ab. Das haben deutschen Anleger zum Wochenauftakt bereits zu spüren bekommen. Am Dienstag zeigt sich der Dax zunächst etwas erholt.
Handelsblatt
follow-up: 09.10.2012, 10:16h
Bei Bankaktien geht noch was [ ??? ]
Die Berichtssaison für das dritte Quartal beginnt. Große Sprünge dürften die meisten Aktien nicht mehr machen – bis auf eine Ausnahme. Analysten sehen besonders großes Potenzial bei Unternehmen, deren Kurse am weitesten von ihren Höchststanden entfernt sind, den Banken.
Morgan Stanley Empfehlungen – Banken
Auszug:
Commerzbank AG
Mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,39 sind die Papiere der Commerzbank weiter deutlich unterbewertet. Der große Bestand an südeuropäischen Staatsanleihen macht die Bank aber weiter zu einem unsicheren Wackelkandidaten.
[…]
Wo steht der S&P500 am Ende des Jahres?
Auszug:
Goldman Sachs – 1.250 Punkte
Quellen: Handelsblatt
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Anmerkung
An dieser Stelle sei nochmals auf den PODCAST vom 16.07.2011 mit Felix Zulauf hingewiesen, in welchem er u.a. auf die ständig wachsenden negativen Vermögenspositionen der Notenbanken, das wachsende Mißtrauen in die Maßnahmen der politischen Führung der westlichen Welt, und last but not least auf die denkbare Entwicklung der Märkte eingeht.

Ihr Oeconomicus

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follow-up, 09.10.2012, 14:23h
AKTIEN USA: Vorsicht vor der Berichtssaison
Wie war das dritte Quartal? – Das ist die bange Frage, die sich die Anleger in Amerika am Dienstag stellen. Denn nach Börsenschluss beginnt die Berichtssaison, zu der die Unternehmen ihre Quartalszahlen vorlegen. Alcoa wird dann als erste Rechenschaft ablegen, am Markt geht man von einem Gewinn von einem Cent je Aktie aus. Die Aktie des Metallgiganten gewinnt vorbörslich 0,6 Prozent. In jedem Fall dürften die Teilnehmer vor den Zahlen zurückhaltend agieren. Das signalisieren auch die Futures: Der S&P-Futures legt minimal zu, der Nasdaq-Futures gibt minimal nach.
GodmodeTrader

Insider bringen ihr Geld in Sicherheit

Insider bringen ihr Geld in Sicherheit

Top-Managern ist der Höhenflug des Dax suspekt. Viele Insider trennen sich massiv von Aktien ihrer Unternehmen. Möglicherweise ein Zeichen dafür, dass die Kurse bald deutlich sinken werden. Auch Banker warnen.
Handelsblatt – 27.08.2012, 17:13 – Kommentare