Pensionsfonds als Mülldeponien, Sparbücher als Steuer-Beute: IWF-Papier skizziert drohendes Massaker am Volksvermögen

Der IWF zündete in den letzten Tagen des vergangenen Jahres eine Bombe, die im allgemeinen Weihnachts-Trubel und wegen der Silvester-Böller kaum zu hören war.
Das Arbeitspapier von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff (ja, die beiden mit dem spektakulären Rechenfehler) sagt weiten Teilen der westlichen Welt Staatspleiten, Sondersteuern auf Ersparnisse sowie höhere Inflation vorher. Anders sei der Schuldenberg der reichen Länder nicht mehr abzutragen. Die Schulden hätten den höchsten Stand in 200 Jahren erreicht.

Im Klartext:
Den Ländern Europas und Nordamerikas steht eine Serie von Schuldenschnitten im Stil der 30er Jahre bevor, dazu jede Menge Grausamkeiten aus dem Werkzeug-Kasten des IWF, wie sie bislang mit Vorliebe Schwellenländern in Asien und Lateinamerika zur Abwehr von Finanzkrisen verabreicht worden sind. Den Rest des Beitrags lesen »


Geordnete Staatspleiten seit 1776 eine Baustelle

Geordnete Staatspleiten seit 1776 eine Baustelle

Das Tabu ist gebrochen: Eine Staatspleite Griechenlands wird seit dem Vorstoß des deutschen Vizekanzlers Philipp Rösler (FDP) offen diskutiert – mit dem Zusatz, die Insolvenz solle „geordnet“ erfolgen. Das suggeriert eine systematische Abwicklung wie bei Unternehmen, die zahlungsunfähig sind.
Genau daran hakt es aber: Es gibt kein Insolvenzrecht für Staaten. Dabei kann sich niemand darauf berufen, dass das Thema neu wäre:
Adam Smith, der Vater der Nationalökonomie, hat 1776 festgestellt, dass es wichtig wäre, Regeln zu haben, wenn ein Staat seine Schulden nicht mehr begleichen kann.
Doch bei der Gründung der Eurozone war dieser Ernstfall schlicht nicht vorgesehen.
Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Dabei kommen Staatspleiten viel häufiger vor, als man denkt – und zwar meist begleitend zu Währungs- und Finanzkrisen, wie die Ökonomen Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff nachgewiesen haben. Gerade Griechenland sei von 1800 bis lange nach dem Zweiten Weltkrieg „beinahe ständig im Zustand des default (des Zahlungsausfalls)“ gewesen, schreiben die Autoren.
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Wiener Zeitung

Wird beim nächsten Mal alles anders?

Wird beim nächsten Mal alles anders?

Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff behaupten in ihrem ausgezeichneten, gleichnamigen Buch über Schuldenkrisen, dass die gefährlichsten Worte in allen Sprachen lauten: „Dieses Mal ist alles anders.“
Die vielleicht zweitgefährlichsten Worte sind: „Beim nächsten Mal wird alles anders.“

Diese Worte werden häufig ausgesprochen, wenn Politiker und Zentralbanken ein in Schwierigkeiten geratenes Segment der Wirtschaft retten wollen.

„Ja“, kann man sie fast sagen hören, „wir wissen, dass die Marktdisziplin durch Bankenrettungen untergraben wird.
Aber man kann nicht erwarten, dass wir tatenlos zusehen, während das System zusammenbricht und Millionen von unschuldigen Menschen darunter leiden müssen.
Wir müssen mit den Karten spielen, die wir ausgeteilt bekommen. Aber beim nächsten Mal wird alles anders.“

Sie benutzen dann jedes Instrument, das ihnen zur Verfügung steht, um wirtschaftliche Verluste unter ihrer Aufsicht zu vermeiden.
alles wird anders!

Zeit-Fragen Kommentar
Bei jeder Wirtschaftkrise wurde dem Volk vorgegaukelt, dass es gar keinen Grund zur Beunruhigung gebe und man nur die Finanzexperten machen lassen solle. In diesem Zusammenhang haben die beiden Autoren ihre Überlegungen zu Wirtschafts- und Finanzkrisen in verschiedenen Jahrhunderten unter den Titel gestellt: «Dieses Mal ist alles anders.» Die Parole ist auch jetzt zu hören und wird erst noch ergänzt durch das Schlagwort: «There is no alternative.» Das Volk – der Souverän in der Demokratie – darf alles, nur nicht nachdenken.
Die Verfasser Carmen M. Reinhart und Kenneth S. Rogoff sammelten alle ihnen zugänglichen Daten in 66 Ländern und über 800 Jahre, die zu Regierungs- und Bankenkrisen und in der Folge zu anhaltendem und deutlichem Rückgang der Wirtschaftsleistung eines Landes geführt haben.
Auf der Grundlage der profunden wissenschaftlichen Auswertung des Datenmaterials überzeugen sie den Leser von der Möglichkeit, Krisen vorherzusehen und auch rechtzeitig zu verhindern. Sie unterbauen ihre These mit Beispielen bis hinein in die Gegenwart. Regierungen und Banken jedoch, so bemerken sie, wiederholen vor einer neuen Krise stets: Dieses Mal sei alles anders. Besonders ausführlich wird dies am Beispiel der gegenwärtigen (und zweiten) Weltwirtschaftskrise gezeigt.
Um Krisen künftig zu vermeiden, schlagen sie vor, eine internationale zentrale Behörde zu schaffen, die relevante Daten über das Kreditverhalten aller Banken und Regierungen dieser Welt einfordert und auswertet. Diese Behörde soll diesen zudem die Massnahmen vorschreiben, die eine vorhersehbare Krise schon im Keim ersticken würden. Diese Behörde, so meinen wir, untergräbt die Souveränität der Staaten der Welt, so wie der ESM die der Staaten Europas untergräbt. Auch werden die Banken erfahrungsgemäss ihre Geheimdaten nicht freigeben.
Der Hauptberater der Verfasser ist Vincent Reinhart (ein Verwandter von Carmen M. Reinhart?). Er war etwa 25 Jahre bei der FED tätig. Die Verfasser argumentieren aus einer systemimmanenten Sicht, sie beschreiben die Symptome sehr gewissenhaft und sorgfältig und schlagen eine Lösung zur Symptombehandlung vor. Sie erwähnen dabei jedoch mit keinem Wort die eigentliche Ursache der Krankheit in unserem Wirtschaftssystem: Unser heutiges Geld nämlich trägt Zinsen, die von der FED in deren eigenem Interesse vorgegeben werden (sie wurde 1913 von den reichsten Familien der USA gegründet und beeinflusst heute die Zentralbanken weltweit).
Zinsen und Zinseszinsen vermehren weltweit das Vermögen der Reichsten mit ex­ponentieller Geschwindigkeit auf Kosten der wertschöpfenden Bürger. Die Schulden der Bürger und deren Regierungen dagegen vermehren sich gemeinsam mathematisch exakt spiegelbildlich. Ohne auf die Ursache der Krankheit einzugehen, werden ausführlich und aufwendig deren Symptome beschrieben und bewertet. Das allein kann, so meinen wir, zu keiner grundsätzlichen Behebung des Problems führen.
Weiterhin meinen wir, dass ein Zentral­institut, das Regierungen und Banken weltweit zügeln kann, ein gefährliches Instrument ist, weil mit diesem die Hochfinanz gestärkt und die Mitgestaltung der Bürger eingeschränkt wird.
Zeit-Fragen

US Rezession voraus?

US Rezession voraus?
John P. Hussman von Hussman Funds kommt in seiner Analyse zu der Einschätzung, dass die amerikanische Volkswirtschaft auf eine schmerzhafte Rezession zusteuert. Er bezieht sich dabei u.a. auf seine jahrelange Erfahrung mit dem beobachten der Märkte und Frühindikatoren und findet sich durch die Thesen der Ökonomen Kenneth Rogoff (Harvard) and Carmen Reinhart (University of Maryland), nachzulesen in deren Buch „This Time Is Different“, bestätigt.
Bereits im Nov. 2009 hat sich McKinsey in einer Trendanalyse „Wie die Welt nach der Krise aussieht“ mit diesen Szenario auseinandergesetzt und auf 10 wichtige Trends, die es zu beachten gilt, hingewiesen.
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Kenneth Rogoff: „Eine neue Rezession ist wahrscheinlich“
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Armenspeisung in New York: Der Kampf gegen den Hunger – Video-Spot [3:49 Min]
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Von Arbeitslosen und Obdachlosen in den USA – youtube [5:02 Min]
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US-Rezession: Von der Wall Street auf die Straße
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Meine Empfehlung: Hope for the best, but be prepared for the worst!

Ihr Oeconomicus