Staatsschulden – System ausser Kontrolle

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Staatsschulden – System ausser Kontrolle
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Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Griechenland nach den Parlamentswahlen:
Was ist eigentlich Staatsverschuldung? Warum steigt sie in den letzten Jahren in vielen Ländern exponentiell an? Der Film gibt leicht verständliche Einblicke in komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge und erzählt auf unterhaltsame Weise die Geschichte der Staatsanleihe vom Spätmittelalter bis heute.
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Der Dokumentarfilm versteht sich nicht als Plädoyer für oder gegen Staatsanleihen, sondern will lediglich die komplexe Funktionsweise der Wirtschaftsmaschinerie veranschaulichen. Er zeigt spannende Momente, wie eine hitzige Debatte über die Sparpolitik im EU-Parlament.
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Experten wie Bernard Maris, Thomas Piketty, Karine Berger und David Graeber bringen dem Zuschauer das internationale Finanzwesen auf unterhaltsame und leicht verständliche Weise nahe.
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Arte
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Die Doku ist per 27.09.2021 noch bei dailymotion aktiv

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Nachfolgend die arte Longversion der Doku

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Die Experten: Woher kommen die Schulden
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Anmerkung:
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Der Themenkomplex ist allemal eine vertiefende Diskussion wert.
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Als Einstieg ist diese Doku ganz informativ, wenn auch teilweise zu gerafft und stellenweise ein wenig unsauber argumentiert. Hier und da wäre es der Korrektheit geschuldet gewesen, die Hintergründe genauer zu beleuchten, z.B. bei Bretton Woods und dem Beispiel der amerikanischen Häuslebauer (Antidiskriminierungsbestreben, American Dream).
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Allerdings müssten dann Sachverhalte thematisiert werden, die sowohl in Frankreich als in Deutschland tabu sind, da es sich um heilige Kühe handelt. Diesem Umstand dürften die fehlenden und etwas nebulös dargestellten Sachverhalte geschuldet sein.
Aber machen wir uns nichts vor, hätte man abgesehen vom Zeitaufwand die Tiefen wirklich ausgeleuchtet, wäre dies nach meiner Ansicht für die überwiegende Mehrheit der Zuschauer und selbst für zuschauende Fachleute einer Überforderung gleichgekommen.
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Insgesamt betrachtet empfand ich alleine die Mehrfachnennung der seit mindestens 380 Jahren währenden Geldschöpfung (BoE) aus dem Nichts für mutig und anerkennenswert. Ich hätte mir an der Stelle jedoch auch einen Hinweis auf Zarlenga’s Werk „Der Mythos vom Geld – die Geschichte der Macht“ gewünscht.
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Was mir nicht ganz so gut gefiel, waren die häufigen Einblendungen von David Graeber, der als Ethnologe an der anthropologischen Fakultät der London School of Economics unterrichtet.
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Flassbeck’s Argumentation war wie meist bravourös, auch wenn man ihm vorhalten muss, dass es bei der Entwicklung von Lösungsansätzen wohl keinen Königsweg gibt.
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Das von Arte vollmundig angekündigte Versprechen, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen wurde nach meinem Dafürhalten nicht erfüllt. Da reicht es auch nicht, Piketty mit dem Vorschlag, Reiche zur Kasse zu bitten bei gleichzeitiger Verhinderung von Steuerflucht (vulgo: Kapitalverkehrskontrollen), punkten zu lassen.
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Aber wie bereits angedeutet, zur wirklichen Vertiefung des Gesamtkomplexes bedarf es selbst für ein bereits kenntnisreiches Publikum weit mehr als eine Doku, was diesen Beitrag jedoch keinesfalls schmälern soll.
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Ihr Oeconomicus
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korrespondierende Beiträge
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10.07.2012
Deutschland’s implizite Staats-Schulden

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07.08.2012
The Collapse of Complex Societies
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02.04.2013
Die Volkswirtschaft ist eine Non-Profit Organisation
17.04.2013
Erläuterungen zu dem Begriff “Schuldentragfähigkeit”
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04.12.2013
Die Staatsschulden versperren den Blick auf die Zerstörung der Vermögen
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21.12.2013
Der große Crash – Margin Call
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31.12.2013
von bail-in-Gefahren, toxischen Risiken, “Zündschnur-Verlängerungs-Kaninchen” und Vabanque-Spielern
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25.09.2014
Huch, die Angst vor dem ‘hike’ geht um !
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12.11.2014
Wenn wissenschaftlich fundierter Sachverstand auf volkswirtschaftliches Vakuum trifft

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05.02.2019
Für das globale Schuldenproblem gibt es nur eine Lösung

Die Denkfehler der Schulden-Bremser und deren fatale Folgen

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Die Denkfehler der Schulden-Bremser und deren fatale Folgen
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Es war still geworden um die „Eurokrise“.
So still, dass man glauben konnte: Krise war gestern. Und nun?
Kaum ist die Europawahl vorbei, ist sie wieder da. Offensichtlich stärker als je zuvor. Es wird zu wenig – viel zu wenig – investiert in Europa. Die ohnehin lahme Wirtschaft droht noch weiter einzubrechen.
Das muss sich ändern! Aber wie?

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ARD – plusminus
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Anmerkung:
’schwäbische‘ Weisheiten der Bundeskanzlerin:
„Man hätte einfach nur die schwäbische Hausfrau fragen sollen. Sie hätte uns eine Lebensweisheit gesagt: Man kann nicht auf Dauer über seine Verhältnisse leben.“
(Bundesparteitag, 2008 in Stuttgart)
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Die schwäbische Hausfrau als Kardinalfehler deutschen Denkens
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Der Staat ist keine schwäbische Hausfrau
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Fazit:
Für Politik und Währungsunion ergibt sich frei nach „Hotel California“ dieselbe Einschätzung:
This could be heaven or this could be hell!‘
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Weitere Lernkurven-Angebote zum Thema finden sich in den Kommentaren zu diesem Beitrag.
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Ihr Oeconomicus

HB-Interview mit Hans-Olaf Henkel und dessen kenntnisfreien ökonomischen Traktate

„Der Euro hat verheerende Nebenwirkungen“

Hans-Olaf Henkel mischt jetzt bei der AfD mit und will mit ihr ins Europaparament.
Im Interview gibt er den Ton an – mit harten Attacken auf Euro-Befürworter, Sympathiebekundungen für Euro-Kritiker wie Thilo Sarrazin …  und unhaltbaren ökonomischen Traktaten.
[…]
Handelsblatt

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Anmerkung
In wohltuender Weise hat Heiner Flassbeck die kenntnisfreien ökonomischen Traktate von Hans-Olaf Henkel in aller Deutlichkeit in den Orkus gekickt!

Titel seiner Bewertungen:
„Hans-Olaf Henkel verstärkt die AfD – auch mit seinem Unwissen“

Dieser messerscharfen Analyse ist aus meiner Sicht nur eines hinzuzufügen:
„Lieber Heiner Flassbeck, you made my day!“

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Btw, im HB-Interview wurde Henkel (absichtlich?) nicht zu seiner Haltung zum Freihandelsabkommen befragt.
Aus meiner Sicht auch nicht notwendig, da er sich bereits am 26. September 2013 in einem Interview mit dem Schweizer Moneycab festgelegt hat:
Auszug:

„Welche Einschätzung haben Sie zur geplanten Freihandelszone mit den USA?

Ich hatte mich schon in den 1990er-Jahren für die «TAFTA» (Trans-Atlantic-Free-Trade-Agreement) eingesetzt und begrüsse es sehr, dass dieses Projekt unter einem neuen Namen wieder aufgesetzt wird. Es hat jetzt auch eine strategische Komponente, die wir damals noch nicht so gesehen haben, denn es würde ein starkes Gegengewicht gegen ein zunehmend dominantes China entstehen. Eine solche Allianz der Regionen, die sich zu Marktwirtschaft, Demokratie und Menschenrechten bekennen, kann einmal von grossem Wert für Europa sein, zumal auch Russland zunehmend autoritär regiert wird. Die eigentlich grosse Frage ist, ob Frankreich an der privilegierten Stellung der Landwirtschaft festhält oder nicht.“

Wie sich Henkel ggfls. aus seiner eigenen Mausefalle wieder herauslavieren möchte, dürfte zunächst sein Geheimnis bleiben.
Jedenfalls erhebt sich in diesem Zusammenhang die Frage, ob er (quasi als TAFTA-Fuchs im EU-Hühnerstall) als Kandidat für das EU-Parlament tatsächlich eine gute Besetzung sein kann?

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Ihr Oeconomicus


Präzisierungen zum Basel-III-Regelwerk

Offenbar beteiligt sich die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) nun nicht mehr verdeckt an der “Produktion von Nebelkerzen”, sondern scheint sich beim Basel-III-Regelwerk auf die Seite der Lobby-Armeen der Finanzwirtschaft geschlagen zu haben.

Dass diese Sichtweise selbst von unseren Qualitätsmedien dem einfachen Volk verkauft wird, könnte ein Hinweis darauf sein, wie sicher sich die selbstgefällige Zockerbande hinsichtlich der Umsetzung fühlen muss.
Obgleich Markus Frühauf in dem zitierten FAZ-Aufsatz versucht hat, den Finger in die Wunde zu legen, entbehrt seine Kritik einer schonungslosen Offenlegung von “fair-value-Bewertungen” nach den IAS/IFRS-Standards, als auch eines noch deutlicheren Hinweises darauf, dass die Leverage-Ratio keinesfalls als klar definierte Größe zu betrachten ist.
Der Knackpunkt hierbei ist u.a. eine mögliche Konvertierung des Bilanzstandards von IAS/IFRS zu US-GAAP, wie bereits bei Credit Suisse und UBS geschehen.
Bezogen auf die Bilanz der Deutschen Bank könnte ein solcher Wechsel einen Unterschied von geschätzten € 750 Mrd. ausmachen, womit die Aussagekraft von Vergleichen der Leverage-Ratio zwischen international tätigen Großbanken hinreichend deutlich wird.

Es ist zu befürchten, dass Bankenaufsicht und -Stresstest nunmehr zur Farce werden (vgl. mit meinen kritischen Erläuterungen vom 9. Jan. 2014).

Bereits in 2006, also vor Einführung der Eigenkapitalvorschriften für Banken (Basel II) kam zu den verabschiedeten Auflagen (auch unter dem Begriff 3-Säulen-Modell -Mindestkapitalanforderungen, Bankenaufsichtlicher Überwachungsprozess, Erweiterte Offenlegung- bekannt) erhebliche Kritik auf, welche sich leider mit Ausbruch der Finanzkrise weitgehend bestätigte.

So äusserte sich damals Prof. Dr. Jürgen Singer (Institut für Handel und Banken (IHB), Universität Leipzig)
Auszug:

„Die deutschen Kreditinstitute beschäftigen sich seit mehreren Jahren intensiv mit Basel II und der institutsinternen Umsetzung. Nicht nur Teams aus verschiedenen Abteilungen befassten sich in lang dauernden Gremiensitzungen mit Basel II, in großem Umfang wurden externe Dienstleister (Beratungsunternehmen oder Software-Häuser) in die Umsetzung oder in die Entwicklung eines eigenen Ansatzes eingeschaltet. Basel II lässt sich salopp formuliert als hoch lukrative ABM der Beratungsbranche bezeichnen.

Das Basel-II-Konzept verfolgt lobenswerte Zielsetzungen:

Das Adressenausfallrisiko soll genauer berücksichtigt werden, die Risikoprämie soll mehr als zuvor nach der Situation des Kreditnehmers berechnet werden, Quersubventionen sollen abgebaut werden, ein ruinöser Wettbewerb wie in der Vergangenheit erscheint vermeidbar, Bestandsrisiken sind zu vermindern. Letztlich sinkt auch die Wahrscheinlichkeit von Systemrisiken, wie sie beispielsweise durch die Finanzierung der japanischen Bubble Economy entstanden sind.

Ob diese angestrebte, risikoärmere Welt realisiert werden kann, ist aber zweifelhaft. Leider geben manche Indizien aus den Kreditabteilungen zu denken:

  • Risikoprämien werden nicht in der erforderlichen Höhe eingefordert, da ansonsten Kreditgeschäfte verloren gehen, so die bereits vor Jahren geäußerte Befürchtung von Priewasser;
  • Die Kreditstandards werden gesenkt, um eine bessere Wettbewerbsfähigkeit zu erlangen;
  • Sicherheiten werden hoch eingestuft, um unter die Bagatellgrenze des §18 KWG zu fallen;
  • Immobilien werden hoch bewertet, um eine niedrige Eigenkapitalbindung durch die Einstufung als Realkredit zu erreichen und
  • Mitarbeiter kennen inzwischen die Ansatzpunkte der Ratingverfahren, um eine bessere Ratingeinstufung zu erhalten und damit die Rechtfertigung für das erforderliche Kreditvotum zu erreichen. Um ihre Zeitvorgaben zu erfüllen, werden die Ermessensspielräume ausgenutzt, denn ansonsten sind Bonus, Arbeitsplatz oder Karriereplanung gefährdet.

Die Ursachen für diese Entwicklung liegen in dem nachvollziehbaren Bestreben, Volumen zu erhalten und Erträge zu generieren.
Manche Institute, die sich vor einigen Jahren aus dem Firmenkreditgeschäft „verabschiedet“ hatten, kommen heute auf diesen Markt zurück und akquirieren über den Preis sowie über die Anforderungen an die Bonität.
Der steigende Wettbewerb erzwingt dann das Abgehen von dem Basel-II-Konzept, will man nicht Kunden und Volumen an Wettbewerber verlieren.

Ob in den USA Basel II eingeführt wird, ist ohnehin fraglich. Erste Anzeichen für das Aufschieben sind bereits erkennbar, da große Institute inzwischen Einwände geltend machen und negative Folgen für ihre Wettbewerbsfähigkeit befürchten. Sollte in absehbarer Zeit die US-Konjunktur absinken, wofür die Indizien Immobilienblase, ausufernde Konsumentenverschuldung sowie Haushalts- und Handelsbilanzdefizit sprechen, dann dürften manche US-Banken in Schwierigkeiten kommen.

Basel II würde, sollte es eingeführt und stringent umgesetzt werden, zu einem neuerlichen Credit Crunch beziehungsweise Credit Squeezing wie bereits Anfang der neunziger Jahre führen.
Um die Konjunktur zu stützen wird vermutlich das Regulierungswerk Basel II in dieser Situation bis auf weiteres verschoben werden. Weitere Problempotenziale sind in dem ausufernden Derivategeschäft oder in der Hedgefonds- beziehungsweise Private Equity-Manie zu vermuten.

Wenn europäische Banken dann die ungleiche Wettbewerbssituation beklagen, dürfte auch in Europa Basel II ausgesetzt oder der vorgesehene Einführungstermin gestrichen werden. Die Jubelarien über Basel II erinnern fatal an die Euphorie und das Hosiannah bei der Einführung von Basel I.
Die hochgesteckten Erwartungen über 
Basel I erfüllten sich nur teilweise, weshalb dann Basel II angedacht worden ist.

Wenn der Präsident der BaFin inzwischen über Basel III und IV laut philosophiert, so gibt dies Anlass zu Befürchtungen:

Müssen sich die deutschen Kreditinstitute dauerhaft vor allem mit Basel-Konzepten herumquälen?
Gibt es dann Basel unendlich? – Basel V, VI, VII, VIII, IX…..!“

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Wie wir gerade leidvoll erfahren müssen, haben sich die damaligen Befürchtungen von Prof. Singer mehr als bestätigt!
Eigentlich sollte an dieser Stelle erneut die leider rhetorische Frage erhoben werden, wann wir die Spielcasinos der Zocker endgültig schließen, uns deren Lobby-Armeen entledigen und die Polit-Aufseher in den Wellness-Oasen der GULAG-Hotelgruppe unterbringen?

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Auf die Mittäterschaft der Statistikbehörden beim Abrauchen von Propaganda-Nebel soll an der Stelle nicht separat eingegangen werden, diesen Job hat dankenswerterweise bereits Heiner Flassbeck in seinem aktuellen Kommentar übernommen …

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Ihr Oeconomicus

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Link-Empfehlungen

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Basel II

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Capital Requirements Directive („Richtlinie über Eigenkapitalanforderungen“)

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Basel III-Publikationen des Basel Committee on Banking Supervision

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Lobby-Erfolg für Banken – Aufseher weichen Regeln auf

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Leverage Ratio ist alles andere als simpel

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Dokumenten-Sammlung zu Basel III

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Bilanzfälschung legalisiert – wie Banken tricksen

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Zahl der säumigen Schuldner steigt an (u.a. mit Bewertungen von Prof. Wilhelm Hankel)

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Wem gehört die Welt? Machtkampf um Ressourcen

Wem gehört die Welt?
Machtkampf um Ressourcen
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Noch in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts waren sich Medien und breite Bevölkerung in der industrialisierten Gesellschaft einig, dass Öl eine nie versiegende Energiequelle darstellen würde. Heute weiß man nicht bloß um die überschaubare Endlichkeit dieses Rohstoffs, sondern beginnt sich darüber klar zu werden, dass fast alle vom Menschen genutzten Ressourcen nur in sehr begrenzter Menge zur Verfügung stehen.
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In diesem Zusammenhang spielt der Zugang zu Ressourcen eine immer bedeutendere Rolle. Vorausschauend sichern sich wirtschaftlich starke Nationen — allen voran die aufstrebende Weltmacht China — bereits jetzt die Rohstoffe des daran reichen Afrikas. Es ist absehbar, dass gerade auch im Zusammenspiel mit der Klimaerwärmung, die absolut lebensnotwendigen Vorräte an Trinkwasser in manchen Regionen der Welt knapp werden.
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Wie aber geht man auf internationaler Ebene mit dieser Herausforderung um?
Und welche Macht besitzen rohstoffreiche Nationen vor diesem Hintergrund?
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Vortrag von Prof. Heiner Flassbeck
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