Bismarck in Pittsburgh: IWF-Sonderziehungsrechte verhindern den Zerfall der Weltwirtschaft

B.I.S.M.A.R.C.K. in Pittsburgh
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IWF-Sonderziehungsrechte verhindern den Zerfall der Weltwirtschaft
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Die Buchstaben B.I.S.M.A.R.C.K. standen voriges Wochenende nicht für den überragenden Staatsmann, wohl aber dessen Botschaft. Ein indischer Ökonom hatte empfohlen, sie an die Wände des Pittsburgher G20-Gipfels zu schreiben. Doch anders als einst die Schriftzeichen an Belsazars Palastmauer in Babylon sollten sie nicht den Untergang eines Weltreichs ankündigen (diesmal des westlichen Finanzimperiums), sondern den Weg zu seiner Rettung aufzeigen.
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Die Buchstaben stehen für die Wirtschaftsnationen Brasilien, Indien, Südafrika, Mexiko, (Saudi)-Arabien, Rußland, China, und (Süd-)Korea.
Bismarcks Weisheit besteht darin, zu wissen, wann früher eingesetzte Machtmittel ausgereizt sind und versagen.
Dann müssen auch die stolzesten Sieger von gestern in die Rolle des „ehrlichen Maklers“ schlüpfen.
Dies ist der Auftrag an die alten G8: USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan plus Neuling Russland. Sie müssen ihre Macht mit den restlichen zwölf teilen, wobei dem Doppel-Mitglied Russland eine Schlüsselrolle zufallen könnte.
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Ein Welt-Finanzgipfel (es ist der zweite seit Ausbruch der Finanzkrise), der sich damit begnügt, die Moral von Bankmanagern zu rügen, deren Bezüge zu beschneiden und das Eigenkapital der Bankrotteure aufzustocken, verfehlt diesen Auftrag; er ist seine Spesen nicht wert.
Für diese in Pittsburgh behandelten Fragen sind besser die nationalen Aufsichtsorgane, Gerichte und Staatsanwälte zuständig. Sie müssen nur handeln.
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In dieser größten Finanzkrise seit 80 Jahren geht es um weit mehr.
Das Fehlverhalten der Finanzmogule, welche die Risiken ihrer eigenen, fragwürdigen Innovationen (Finanzprodukte und Geldbeschaffungstechniken) gröblich unterschätzt haben, gefährdet die Zukunft des Weltwährungs- und Weltwirtschaftssystems.
Kann es so „global“ bleiben wie bisher?
Oder wird es sich auflösen und zerfallen wie nach dem „Schwarzen Freitag“ von 1929, dem zwei Jahre später der Zusammenbruch des Goldstandards (September 1931) folgte? Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gab es nur noch eine Schrumpf-Weltwirtschaft unter staatlicher Kontrolle – ohne freien Finanz- und Kapitalverkehr.
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Wilhelm Hankel – Junge Freiheit

Sonderziehungsrechte, Medizin für kranke Währungen

Sonderziehungsrechte, Medizin für kranke Währungen
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Vor unseren Augen hat sich die internationale Geldordnung – so scheint es – in eine Unordnung verwandelt. Seit zweieinhalb Jahren jagt eine Krise die andere. Zwar verspürt der Bürger von alledem – gottlob – kaum etwas. Sein Wohlstand blieb bislang von den Stürmen im Zahlungsverkehr unberührt. Auch der Welthandel hat sich in den Jahren der Krisen stärker ausgeweitet als je in der Geschichte. Damit – so könnte man meinen – hafte den monetären Krisen etwas Unwirkliches an.

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Sie finden in den Sälen der Devisenbörsen statt, toben sich in den Telephonleitungen der Auslandsgelddisponenten aus und werden in den Beratungszimmern der Währungsexperten, wenn auch nur auf Zeit, gelöst.
Was geht vor? Was steht dahinter?
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Wilhelm Hankel – Die Zeit