Antikörper nach SARS-CoV-2-Infektion: neue Erkenntnisse über Sensitivität u. Nachweisdauer von Antikörpertests

Antikörper nach SARS-CoV-2-Infektion: neue Erkenntnisse über Sensitivität u. Nachweisdauer von Antikörpertests

 

Das Paul-Ehrlich-Institut hat in Zusammenarbeit mit der Universität Frankfurt am Main die Langzeit-Antikörperreaktion nach SARS-CoV-2-Infektion bei 828 Personen mit verschiedenen COVID-19-Schweregraden untersucht. Gemessen wurden bindende Antikörper gegen unterschiedliche SARS-CoV-2-Zielantigene, neutralisierende Antikörper und die Stärke der Antikörperbindung (Antikörperavidität). Sensitivität, Kinetik und Dauer des Antikörpernachweises waren abhängig von detektierter Antikörperklasse, Testdesign, Zielantigen des Anti-SARS-CoV-2-Antikörpertests sowie von Antikörperavidität und COVID-19-Schweregrad. Über die Ergebnisse berichtet das Journal of Clinical Virology, Onlineausgabe vom 4.12.2021.

Durch Nachweis virusspezifischer Antikörper mittels Antikörpertests kann eine akute oder frühere SARS-CoV-2-Infektion diagnostiziert werden, wobei akute Infektionen bekanntlich symptomfrei oder mit Krankheitszeichen (COVID-19) verlaufen können. Antikörpertests auf SARS-CoV-2 können Personen identifizieren, die einige Zeit zuvor mit SARS-CoV-2 infiziert waren und so dazu beitragen, das Ausmaß der SARS-CoV-2-Infektionen in der Bevölkerung zu erkennen und die Dunkelziffer nicht erkannter Infektionen abzuschätzen.

Die Interpretation von SARS-CoV-2-Antikörpertestergebnissen ist jedoch schwierig, da zum einen die Testergebnisse von Person zu Person sehr unterschiedlich ausfallen können. Zudem variieren die SARS-CoV-2-Antikörpertestergebnisse auch methodisch stark. Unklar ist bisher außerdem, wie lange nach einer Infektion spezifische Antikörper noch nachweisbar sind. Daher erfordert der Einsatz von Antikörpertests gegen SARS-CoV-2 ein eingehendes Verständnis der Variabilitäten der Testsensitivität sowie der Zeitabhängigkeit und Dauer des Antikörpernachweises. Dies war der Gegenstand der vorliegenden Untersuchung.

Das In-vitro-Diagnostika(IVD)-Prüflabor des Paul-Ehrlich-Instituts unter Leitung von Dr. Heinrich Scheiblauer hat in Kooperation mit dem Universitätsklinikum Frankfurt am Main die Antikörperreaktionen über einen Zeitraum von mehr als 430 Tagen nach SARS-CoV-2-Infektion bestimmt. Dabei wurden 828 Proben von 390 Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichen COVID-19-Schweregraden in zwölf verschiedenen Tests untersucht. Erfasst und gemessen wurden verschiedene Antikörperklassen (Gesamtantikörper, IgGIgA, IgM), unterschiedliche SARS-CoV-2-Zielantigene (Rezeptorbindungs-domäne (RBD), Spike- (S) und Nukleoprotein (N)), neutralisierende Antikörper und die Bindungsstärke von Antikörpern an Antigen (Antikörperavidität). Die Testspezifität wurde an 676 präpandemischen Proben bestimmt.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Sensitivität und Nachweisdauer von Anti-SARS-CoV-2-Antikörpertests ein bestimmtes Muster zeigen. Dieses war abhängig vom Testdesign, dem Zielantigen der Tests, der Antikörperbindungsstärke und dem Schweregrad von COVID-19 im betrachteten Zeitraum. Ein charakteristisches Merkmal bei den meisten Patientinnen und Patienten war eine mit der Zeit zunehmende Antikörperbindungsstärke (Antikörperavidität) für die immunogenen SARS-CoV-2-Antigene RBD und Spikeprotein. Die Avidität ist ein Korrelat (Maß) für die Antikörperreifung und die Bildung eines Immungedächtnisses. Gesamtantikörpertests, die aufgrund ihres Testdesigns eine höhere Antikörperbindungsstärke messen können, und die auf RBD oder Spikeprotein basieren, zeigten daher mit zunehmender Antikörperavidität eine hohe Sensitivität und lange Nachweiszeit. Antikörper konnten dabei über mehr als 430 Tage nach der Infektion nachgewiesen werden, ohne dass ein Endpunkt absehbar war. Surrogat-Virusneutralisierungstests zur Bestimmung neutralisierender Antikörper, die die Bindung von RBD (das auch in den bisher zugelassenen Impfstoffen verwendet wird) an die ACE2-Rezeptoren inhibieren, zeigten ebenfalls eine lange Nachweisdauer neutralisierender Antikörpern über 430 Tage.

Im Vergleich dazu zeigten RBD– oder Spike-basierte Antikörpertests, die jeweils nur die Antikörperklassen IgGIgA und IgM nachweisen, eine geringere Ausgangssensitivität und im Laufe der Zeit abnehmende Antikörpertiter, obwohl IgG– und IgA-Tests bis 430 Tage eine relativ hohe Sensitivität (Testpositivität) beibehielten.

Nukleoprotein-basierte Tests zeigten demgegenüber bereits nach 120 Tagen einen Abfall der Antikörperspiegel, was bei den N-basierten IgG– und IgM-Tests auch zu einem Verlust der Sensitivität führte. Es zeigte sich, dass dies mit einer entsprechenden Abnahme der Avidität für das nicht immunogene Nukleoprotein zusammenhing.

Die Spezifität der Antikörpertests war dabei mit Ausnahme von IgA-Antikörpertests (96 %) für alle Tests mit >99 % hoch und es gab keine Kreuzreaktivität mit endemischen humanen Coronaviren.

Diese Daten können einen Beitrag dazu leisten, die Antikörpertests gezielter einzusetzen und SARS-CoV-2-Antikörperbefunde in der täglichen diagnostischen Arbeit richtig zu interpretieren. Darüber hinaus können sie helfen, die Dauer eines möglichen Immunschutzes gegen SARS-CoV-2 zu bestimmen.

Originalpublikation

Scheiblauer H, Nübling CM, Wolf T, Khodamoradi Y, Bellinghausen C, Sonntagbauer M, Esser-Nobis K, Filomena A, Mahler V, Maier TJ, Stephan C (2022): Antibody response to SARS-CoV-2 for more than one year − kinetics and persistence of detection are predominantly determined by avidity progression and test design.
J Clin Virol 146: 105052.

 

Quelle: Pressemitteilung 03/2002 Paul-Ehrlich-Institut


Erst Booster-Shot, dann Omicron. Daten aus Dänemark zeigen: Impfung erhöht Risiko einer Infektion

Erst Booster-Shot, dann Omicron.

Daten aus Dänemark zeigen: Impfung erhöht Risiko einer Infektion

 

Dänemark, Südafrika und das Vereinigte Königreich teilen eine Gemeinsamkeit:

Sie sind, wenn es darum geht, Daten zu SARS-CoV-2 zu sammeln und bereitzustellen, Ländern wie Deutschland oder Frankreich um Lichtjahre voraus. In Dänemark hat das Statens Serum Institut, das dem Dänischen Gesundheitsministerium unterstellt ist, am 17. Dezember 2021 den bislang umfangreichsten Bericht über die Verbreitung von Omikron vorgelegt.

Der Bericht findet sich hier.

Die vollständige Analyse einschließlich entsprechender Belege findet sich bei sciencefiles

 

korrespondierend:

Wie gefährlich ist Omicron? Wie gefährlich wollen Sie es haben? Die Wahrheit ist erschreckend: Wissenschaftler bauen Epidemie-Modelle – massgeschneidert nach Bedarf

Fraser Nelson, Herausgeber der britischen Zeitschrift Spectator, hat eine brisante Twitter-Kommunikation zwischen ihm und Professor Graham Medley, Chef Modellierung der britischen Scientific Advisory Group for Emergencies (Sage) publiziert. Sage ist quasi die wissenschaftlichen Task Force der Regierung.

Medleys Institut hat jüngst eine Studie zu Omikron publiziert, die auf pessimistische Szenarien zugunsten von Shutdown-Massnahmen hinausliefen.

Dann machte JP Morgan einen Gegencheck, mit dem Befund: Da steckt ja durchgehend die Annahme dahinter, dass Omikron gleich tödlich sei wie die Delta-Variante. Aber Daten aus Südafrika zeigten doch, dass Omikron milder sei.

Korrigiert um diese Milderung führe dies zur Prognose: Spital-Auslastung bleibt weit unter Stand 2021, Überlastung nicht in Sicht. Das spreche gegen den Lockdown-Alarmismus, der sich aus den offiziellen Berechnungen ohne Tödlichkeits-Korrektur ergebe.

Warum fehlte denn das Szenario «milderes Omikron» in den offiziellen Studien?

full report by Beat Gygi, Die Weltwoche


EMA: Tocilizumab bei schwerem COVID-19 zugelassen

EMA: Tocilizumab bei schwerem COVID-19 zugelassen

Der Interleukin-6-Antagonist Tocilizumab, der seit 2009 zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassen ist, darf jetzt in Europa auch offiziell zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt wer­den. Der Hersteller erhielt gestern eine Zulassung, nachdem sich die WHO bereits im Juli für den Einsatz von Interleukin-6-Antagonisten ausgesprochen hatte.

Bei schweren Erkrankungen mit COVID-19 kann es zu einer Überaktivierung des angeborenen Immun­systems kommen mit einer vermehrten Bildung von Interleukin 6, was auch als Zytokinsturm bezeichnet wird. Eine Reihe von randomisierten Studien hat gezeigt, dass in dieser Situation die Behandlung mit einem Interleukin-6-Antagonisten die Überlebenschancen verbessert. Tocilizumab erreicht dies durch die Blockade des Rezeptors an den Zielzellen des Immunsystems.

Die positive Bewertung des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) der europäischen Arzneimittel­agentur EMA gründet sich auf den Ergebnissen der RECOVERY-Studie. Dort waren 4.116 Erwachsene, die mit schwerem COVID-19 im Krankenhaus mit Sauerstoff behandelt wurden oder bereits mechanisch beatmet werden mussten, auf eine Infusion mit Tocilizumab in einer Dosis von 400 mg bis 800 mg (je nach Gewicht) oder eine Standardbehandlung randomisiert worden. Endpunkt war die 28-Tage-Sterblichkeit.

Nach den Anfang Mai im Lancet (2021; DOI: 10.1016/S0140-6736(21)00676-0) publizierten Ergebnissen starben 621 von 2.022 (31 %) der mit Tocilizumab behandelten Patienten gegenüber 729 von 2.094 Pa­tienten (35 %) unter einer alleinigen Standardbehandlung. Die Rate Ratio von 0,85 zeigte mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,76 bis 0,94 einen signifikanten Überlebensvorteil durch die Behandlung mit Tocilizumab an.

Darüber hinaus konnten 1.150 von 2.022 Patienten (57 %), die mit Tocilizumab behandelt wurden, das Krankenhaus innerhalb von 28 Tagen verlassen, verglichen mit 1.044 von 2.094 Patienten (50 %) in der Vergleichsgruppe. Auch hier war die Rate Ratio von 1,22 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,12 bis 1,33 signifikant.

Pressemitteilung Deutsches Ärzteblatt

 


Fundstück: Prognose bei Myokarditis

Fundstück: Prognose bei Myokarditis

Statement von PD Dr. Heiko Mahrholdt / Stuttgart

Eine Untersuchung des Herzens mittels Magnetresonanztomografie (MRT) gibt Aufschluss darüber, welche individuellen Risiken eine Herzmuskelentzündung für den Patienten birgt. Das wurde nun in einer Langzeitstudie von einem Forschungsteam unter der Leitung des Stuttgarter Robert-Bosch-Krankenhauses (RBK) nachgewiesen. Die Studie wurde auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie in Mannheim vorgestellt und wird anschließend in der Ausgabe von 17. April des Fachmagazins „Journal of the American College of Cardiology” veröffentlicht.

In vielen Fällen ist eine Herzmuskelentzündung die Folge einer vermeintlich banalen Erkältung. Wird der geschwächte Körper zu früh wieder belastet, kann dies sprichwörtlich aufs Herz schlagen. Die Herzmuskelentzündung ist bei jungen, sonst herzgesunden Menschen oder Leistungssportlern die häufigste Ursache für den plötzlichen Herztod. Bei bis zu neun Prozent der durchgeführten Obduktionen wird die Erkrankung nachgewiesen. Bislang konnten die Mediziner nicht abschätzen, wie eine Herzmuskelentzündung beim individuellen Patienten verlaufen wird. Die neue Langzeitstudie, die Wissenschaftler des RBK gemeinsam mit Kollegen vom Elisabeth-Krankenhaus Essen und der Universität Tübingen durchgeführt haben, setzt hier an: Das Team konnte nachweisen, dass Patienten, bei denen mittels einer Herz-MRT-Untersuchung eine entzündliche Narbenbildung im Herzmuskel nachgewiesen wurde, vermehrt einen schweren Verlauf der Erkrankung aufwiesen.

Patienten profitieren

In der Studie wurden über einen Zeitraum von fast fünf Jahren 222 Patienten begleitet, bei denen mittels Biopsie die Herzmuskelentzündung nachgewiesen wurde. „Das macht unsere Studie bislang einzigartig. Frühere Studien untersuchten die Teilnehmer nicht so lange, auch der Nachweis der Myokarditis durch eine Biopsie wurde bislang nur selten im Rahmen von Studien erbracht. Von den 222 Teilnehmern konnten 203 über den gesamten Zeitraum untersucht werden. Davon wiesen 108 eine entzündliche Narbenbildung des Herzmuskels auf. Bei nahezu 20 Prozent der Studienteilnehmer führte die Herzmuskelentzündung innerhalb von fünf Jahren zum Tod, darunter verstarb etwa die Hälfte an plötzlichem Herztod. Die Zahlen verdeutlichen, dass eine Herzmuskelentzündung eine ernstzunehmende Krankheit ist und keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden sollte. Die gute Nachricht für betroffene Patienten ist jedoch, dass durch eine Untersuchung des Herzens mittels MRT das Risiko für einen schweren Verlauf wesentlich besser abgeschätzt werden kann als früher. Die entzündliche Narbenbildung ist dafür ein sehr wichtiges Anzeichen. Hier liegt der große Nutzen für den Patienten, da wir gefährdete Patienten in Zukunft besser erkennen und intensiver behandeln und überwachen können, um so fatalen Verläufe seltener zu machen.

Die Studie wird in der Ausgabe von 17. April 2012 des Fachmagazins „Journal of the American College of Cardiology” veröffentlicht und ist unter folgendem Link als „online first“ für Abonnenten einsehbar: DOI:10.1016/j.jacc.201201.007

Kontakt:
PD Dr. Heiko Mahrholdt
Robert-Bosch-Krankenhaus
Auerbachstr. 110
70376 Stuttgart
Tel.: 0711 8101-5408
Fax: 0711 8101-3798
E-Mail: heiko.mahrholdt@rbk.de

Quelle: Pressemitteilung vom 12. April 2012


THE LANCET: Stigmatisierung von Ungeimpften ist nicht gerechtfertigt

THE LANCET: stigmatising the unvaccinated is not justified
In the USA and Germany, high-level officials have used the term pandemic of the unvaccinated, suggesting that people who have been vaccinated are not relevant in the epidemiology of COVID-19. Officials’ use of this phrase might have encouraged one scientist to claim that “the unvaccinated threaten the vaccinated for COVID-19”.
 But this view is far too simple.
[…]
Source: The Lancet 20.11.2021

 

Stigmatisierung von Ungeimpften ist nicht gerechtfertigt
In den USA und Deutschland haben hochrangige Beamte den Begriff Pandemie der Ungeimpften verwendet, was darauf hindeutet, dass Personen, die geimpft wurden, für die Epidemiologie von COVID-19 nicht relevant sind. Die Verwendung dieses Satzes durch Beamte könnte einen Wissenschaftler zu der Behauptung ermutigt haben, dass „die Ungeimpften die gegen COVID-19 geimpften bedrohen“.
 Aber diese Ansicht ist viel zu einfach.
Original-Link s.o.

Neuer Ansatz zur Abschätzung des Risikos einer Exposition gegenüber COVID-19 in verschiedenen Innenräumen

New approach to estimate the risks of exposure to COVID-19 under different indoor settings

Two MIT professors have proposed a new approach to estimating the risks of exposure to Covid-19 under different indoor settings.

The guideline they developed suggests a limit for exposure time, based on the number of people, the size of the space, the kinds of activity, whether masks are worn, and the ventilation and filtration rates. Their model offers a detailed, physics-based guideline for policymakers, businesses, schools, and individuals trying to gauge their own risks.

The guideline, appearing this week in the journal PNAS, was developed by Martin .Z. Bazant, professor of chemical engineering and applied mathematics, and John W. M. Bush, professor of applied mathematics. They stress that one key feature of their model, which has received less attention in existing public-health policies, is providing a specific limit for the amount of time a person spends in a given setting.

Their analysis is based on the fact that in enclosed spaces, tiny airborne pathogen-bearing droplets emitted by people as they talk, cough, sneeze, sing, or eat will tend to float in the air for long periods and to be well-mixed throughout the space by air currents.

There is now overwhelming evidence, they say, that such airborne transmission plays a major role in the spread of Covid-19. Bush says the study was initially motivated early last year by their concern that many decisions about policies were being guided primarily by the „6-foot rule,“ which doesn’t adequately address airborne transmission in indoor spaces.

Using a strictly quantitative approach based on the best available data, the model produces an estimate of how long, on average, it would take for one person to become infected with the SARS-CoV-2 virus if an infected person entered the space, based on the key set of variables defining a given indoor situation.

Rather than a simple yes or no answer about whether a given setting or activity is safe, it provides a guide as to just how long a person could safely expect to engage in that activity, whether it be a few minutes in a store, an hour in a restaurant, or several hours a day in an office or classroom, for example.

Textauszug in deutscher Sprache:

Zwei MIT-Professoren haben einen neuen Ansatz zur Abschätzung des Risikos einer Exposition gegenüber Covid-19 in verschiedenen Innenräumen vorgeschlagen.

Die von ihnen entwickelte Richtlinie schlägt eine Begrenzung der Expositionszeit vor, die auf der Anzahl der Personen, der Größe des Raums, der Art der Aktivität, dem Tragen von Masken sowie den Belüftungs- und Filtrationsraten basiert. Ihr Modell bietet eine detaillierte, auf Physik basierende Richtlinie für politische Entscheidungsträger, Unternehmen, Schulen und Einzelpersonen, die versuchen, ihre eigenen Risiken einzuschätzen.

Die Richtlinie, die diese Woche in der Zeitschrift PNAS erscheint , wurde von Martin .Z entwickelt. Bazant, Professor für Chemieingenieurwesen und angewandte Mathematik, und John WM Bush, Professor für angewandte Mathematik. Sie betonen, dass ein Schlüsselmerkmal ihres Modells, das in bestehenden Gesundheitspolitiken weniger Beachtung gefunden hat, darin besteht, eine bestimmte Grenze für die Zeit festzulegen, die eine Person in einem bestimmten Umfeld verbringt.

Ihre Analyse basiert auf der Tatsache, dass in geschlossenen Räumen winzige Tröpfchen mit Krankheitserregern in der Luft, die von Menschen beim Sprechen, Husten, Niesen, Singen oder Essen abgegeben werden, dazu neigen, lange Zeit in der Luft zu schweben und sich durchgehend gut zu vermischen der Raum durch Luftströmungen.

Es gibt jetzt überwältigende Beweise dafür, dass eine solche Übertragung in der Luft eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Covid-19 spielt. Laut Bush war die Studie ursprünglich Anfang letzten Jahres von ihrer Besorgnis motiviert, dass viele politische Entscheidungen in erster Linie von der „6-Fuß-Regel“ geleitet wurden, die die Übertragung in der Luft in Innenräumen nicht angemessen berücksichtigt.

Unter Verwendung eines streng quantitativen Ansatzes basierend auf den besten verfügbaren Daten erstellt das Modell eine Schätzung, wie lange es durchschnittlich dauern würde, bis sich eine Person mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert, wenn eine infizierte Person den Raum betritt auf dem Schlüsselsatz von Variablen, die eine bestimmte Innensituation definieren.

Anstelle einer einfachen Ja- oder Nein-Antwort darüber, ob eine bestimmte Einstellung oder Aktivität sicher ist, bietet sie eine Anleitung, wie lange eine Person sicher damit rechnen kann, an dieser Aktivität teilzunehmen, ob es sich um ein paar Minuten in einem Geschäft oder eine Stunde handelt Zum Beispiel in einem Restaurant oder mehrere Stunden am Tag in einem Büro oder Klassenzimmer.

[…]

news-medical

corresponding – korrespondierend:

Aerosol transmission of SARS-CoV-2? Evidence, prevention and control –

(Aerosolübertragung von SARS-CoV-2? Evidenz, Prävention und Kontrolle)

Source/Quelle: sciencedirect

Hintergründe und Erkenntnisse aus der Aerosolforschung

Aerosol-Forscher Dr. Gerhard Scheuch’s massive Kritik an Ausgangssperren

Quelle zur Diskussionsrunde bei Markus Lanz

dazu:

COVID-19-Ausbreitung von Aerosolen im Raum | TU Berlin | Prof. Dr. Martin Kriegel


Preprint einer Studie zur Charakterisierung von Long COVID in einer internationalen Kohorte

Vorbemerkung:

Dieser Beitrag bezieht sich auf das am 27.12.2020 veröffentlichte Preprint einer -wie ich finde- spannende Studie und eignet sich nicht für „Überschriftenleser“ sondern insbesondere für Interessierte mit (fundierter) medizinischer Vorbildung und selbstverständlich auch für interessierte Leser/innen, die sich für Zusammenhänge interessieren, die von unseren „geschätzten“ Wahrheitsmedien vielfach negiert werden.

Preprint einer Studie zur Charakterisierung von Long COVID in einer internationalen Kohorte

Abstrakt

Zielsetzung Charakterisierung des Symptomprofils und des Zeitverlaufs bei Patienten mit langem COVID sowie der Auswirkungen auf das tägliche Leben, die Arbeit und die Rückkehr zur Ausgangsgesundheit.

Design International webbasierte Umfrage zu vermuteten und bestätigten COVID-19-Fällen mit einer Krankheit, die länger als 28 Tage andauert und vor Juni 2020 beginnt.

Festlegen der Verteilung von Umfragen über Online-COVID-19-Selbsthilfegruppen und soziale Medien

Teilnehmer 3.762 Befragte aus 56 Ländern haben an der Umfrage teilgenommen . 1166 (33,7%) waren 40-49 Jahre alt, 937 (27,1%) waren 50-59 Jahre alt und 905 (26,1%) waren 30-39 Jahre alt. 2961 (78,9%) waren Frauen, 718 (19,1%) waren Männer und 63 (1,7%) waren nicht binär. 8,4% gaben an, ins Krankenhaus eingeliefert worden zu sein. 27% gaben an, eine im Labor bestätigte Diagnose von COVID-19 erhalten zu haben. 96% berichteten über Symptome nach 90 Tagen.

Ergebnisse Die Prävalenz von 205 Symptomen in 10 Organsystemen wurde in dieser Kohorte geschätzt, wobei 66 Symptome über einen Zeitraum von sieben Monaten verfolgt wurden. Bei den Befragten traten Symptome in durchschnittlich 9,08 Organsystemen (95% -Konfidenzintervall 9,04 bis 9,13) auf. Die häufigsten Symptome, die nach dem 6. Monat gemeldet wurden, waren: Müdigkeit (77,7%, 74,9% bis 80,3%), Unwohlsein nach Belastung (72,2%, 69,3% bis 75,0%) und kognitive Dysfunktion(55,4%, 52,4% bis 58,8%). Diese drei Symptome waren auch die drei am häufigsten berichteten insgesamt. Bei denjenigen, die sich in weniger als 90 Tagen erholten, erreichte die durchschnittliche Anzahl der Symptome in Woche 2 ihren Höhepunkt (11,4, 9,4 bis 13,6), und bei denjenigen, die sich in 90 Tagen nicht erholten, erreichte die durchschnittliche Anzahl der Symptome ihren Höhepunkt in Monat 2 (17,2, 16,5 bis 17,8). Bei Befragten mit Symptomen über 6 Monate traten im Monat 7 durchschnittlich 13,8 (12,7 bis 14,9) Symptome auf. 85,9% (84,8% bis 87,0%) erlitten Rückfälle, wobei körperliche Betätigung, körperliche oder geistige Aktivität und Stress die Hauptauslöser waren. 86,7% (85,6% bis 92,5%) der nicht wiederhergestellten Befragten waren zum Zeitpunkt der Umfrage müde, verglichen mit 44,7% (38,5% bis 50,5%) der wiederhergestellten Befragten. 45,2% (42,9% bis 47,2%) gaben an, im Vergleich zur Vorerkrankung einen reduzierten Arbeitsplan zu benötigen, und 22,3% (20,5% bis 24).

Schlussfolgerungen Patienten mit langem COVID berichten von einer verlängerten Multisystembeteiligung und einer signifikanten Behinderung. Die meisten waren 6 Monate lang nicht zu früheren Arbeitsniveaus zurückgekehrt. Viele Patienten sind nach 7 Monaten nicht genesen und leiden weiterhin unter einer signifikanten Symptombelastung.

[…]

medRxiv (The preprint server for for Health Science

english version:

Characterizing Long COVID in an International Cohort: 7 Months of Symptoms and Their Impact

Abstract

Objective To characterize the symptom profile and time course in patients with Long COVID, along with the impact on daily life, work, and return to baseline health.

Design International web-based survey of suspected and confirmed COVID-19 cases with illness lasting over 28 days and onset prior to June 2020.

Setting Survey distribution via online COVID-19 support groups and social media

Participants 3,762 respondents from 56 countries completed the survey. 1166 (33.7%) were 40-49 years old, 937 (27.1%) were 50-59 years old, and 905 (26.1%) were 30-39 years old. 2961 (78.9%) were women, 718 (19.1%) were men, and 63 (1.7%) were nonbinary. 8.4% reported being hospitalized. 27% reported receiving a laboratory-confirmed diagnosis of COVID-19. 96% reported symptoms beyond 90 days.

Results Prevalence of 205 symptoms in 10 organ systems was estimated in this cohort, with 66 symptoms traced over seven months. Respondents experienced symptoms in an average of 9.08 (95% confidence interval 9.04 to 9.13) organ systems. The most frequent symptoms reported after month 6 were: fatigue (77.7%, 74.9% to 80.3%), post-exertional malaise (72.2%, 69.3% to 75.0%), and cognitive dysfunction (55.4%, 52.4% to 58.8%). These three symptoms were also the three most commonly reported overall. In those who recovered in less than 90 days, the average number of symptoms peaked at week 2 (11.4, 9.4 to 13.6), and in those who did not recover in 90 days, the average number of symptoms peaked at month 2 (17.2, 16.5 to 17.8). Respondents with symptoms over 6 months experienced an average of 13.8 (12.7 to 14.9) symptoms in month 7. 85.9% (84.8% to 87.0%) experienced relapses, with exercise, physical or mental activity, and stress as the main triggers. 86.7% (85.6% to 92.5%) of unrecovered respondents were experiencing fatigue at the time of survey, compared to 44.7% (38.5% to 50.5%) of recovered respondents. 45.2% (42.9% to 47.2%) reported requiring a reduced work schedule compared to pre-illness and 22.3% (20.5% to 24.3%) were not working at the time of survey due to their health conditions.

Conclusions Patients with Long COVID report prolonged multisystem involvement and significant disability. Most had not returned to previous levels of work by 6 months. Many patients are not recovered by 7 months, and continue to experience significant symptom burden.

[…]

Source: medRxic