Der Kampf um die Windräder

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Der Kampf um die Windräder
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Die Windkraft ist eines der emotionalsten Streitthemen unserer Zeit:
politisch forciert, finanziell hochsubventioniert, getragen von weitreichenden ökonomischen und ökologischen Erwartungen – und zugleich mit großen Ängsten besetzt.
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Für die einen bedeutet Windkraft saubere Energie, die Atomkraft und Kohle ersetzen und unser Klima retten soll, für die anderen steht sie für die rücksichtslose Zerstörung von Naturlandschaften und für Profite Einzelner auf Kosten der Allgemeinheit.
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Fast 26.000 Windräder stehen schon in Deutschland.
Während immer mehr Windkraftanlagen gebaut werden und die Branche boomt, explodieren die Kosten für die Bürger:
Rund acht Milliarden Euro an Subventionen müssen sie dieses Jahr über die EEG-Umlage allein für die Windkraft zahlen.
Dabei macht der Strom aus Windkraft immer noch einen nur geringen Bruchteil im Energiemix Deutschlands aus.
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Auch deshalb beginnt bei den Bürgern die Stimmung zu kippen.
Zunehmend formiert sich Widerstand gegen den Hauruck-Ausbau. Anwohner klagen über die Zerstörung der Landschaft, über Gefahren für die Tierwelt, über Licht- und Lärmbelästigung.
Trotzdem wird weiter ausgebaut, teilweise bis dicht an die Wohnbebauung oder sogar mitten in Naturparks. Denn nicht nur die Windkraftindustrie, auch andere wollen von den Subventionen profitieren.
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Recherchen von „Report Mainz“ zeigen auf, dass Lokalpolitiker Flächen für Windräder ausweisen, um sich eine goldene Nase zu verdienen.
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Eine gut recherchierte Doku, die, die abgesehen von einem kleineren SWR-odysso-Beitrag aus 2009 1 leider um Jahre zu spät kommt und bei manchem Zuschauer reflexartig die Hand zur Faust werden lässt und zugleich für jedermann sichtbar aufzeigt, wie mittels ebenso ideologisch verbrämter, wie substanzloser Politik mafiös anmutende Abzocker-Stukturen geschaffen wurden.
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Allerdings hätte man sich auch substantielle Aussagen zum Ressourcenbedarf pro Windkraftanlage gewünscht.
Die dort eingebauten Synchrongeneratoren, welche mit Permanentmagneten ausgestattet sind 2, zeichnen sich durch eine hohe magnetische Energiedichte (Flussdichte/Feldstärke) aus, welche durch den Einsatz von seltene Erden-Legierungen erreicht werden.
Der Hauptanteil dieser Legierungen ist entweder Neodym oder Samarium, in kleinen Mengen wird auch Dysprosium und Praseodym benötigt. Aber dies ist eine andere Baustelle, die es wert ist, separat beleuchtet zu werden.
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Ihr Oeconomicus
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1 „Irrweg Windenergie“ – Beitrag des SWR, Sendung odysso vom 19. November 2009
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2 Untersuchung zu Seltenen Erden:Permanentmagnete im industriellen Einsatz in Baden-Württemberg (Seite 13 uff)

voRWEg gehen mittels erneuter Streichung von Arbeitsplätzen

voRWEg gehen mittels erneuter Streichung von Arbeitsplätzen
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Die Stromerzeugung wird immer unprofitabler. Das bekommen vor allem die großen Stromkonzerne zu spüren. RWE reagiert nun mit weiteren Stellenstreichungen. Bis 2020 sollen rund 2300 Arbeitsplätze wegfallen, wobei das Rheinische Revier besonders betroffen ist.
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N-TV
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#EndeGelaende – Aktivisten blockieren RWE Braunkohle-Tagebaugelände in Garzweiler

#EndeGelaende – Aktivisten blockieren RWE Braunkohle-Tagebaugelände in Garzweiler
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Vorbemerkung:
Der Tagebau Garzweiler gehört zum Rheinischen Braunkohlerevier. Das Abbaugebiet erstreckt sich zwischen Bedburg, Erkelenz und Mönchengladbach.
In der Lagerstätte Garzweiler II liegen in bis zu 210 Metern Tiefe insgesamt 1,3 Milliarden Tonnen Braunkohle. Rund 40 Millionen Tonnen will RWE dort noch bis zum Jahr 2045 jährlich fördern.
Umweltschützer kritisieren dies, weil für den Abbau ganze Dörfer weichen müssen und Landschaften zerstört werden.
Zudem ist Braunkohle der klimaschädlichste Energieträger.
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Wikipedia
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Proteste, Demonstrationen, Gewaltszenen zwischen Aktivisten und Polizeikräften und juristische Auseinandersetzungen gab und gibt es seit 1998 immer wieder.
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Zu der bisher größten Aktion zivilen Ungehorsams kam es am Samstag als mehrere hundert Umweltaktivisten in das Tagebau-Gelände eindrangen. Die Demonstranten durchbrachen Polizeibarrieren und besetzten die Ketten mehrerer Großraum-Bagger. Die Betreiber von RWE stoppten daraufhin den Betrieb. In einer schon fast an Selbstjustiz erinnernden Aktion unterstützte der private Werkschutz die Polizeikräfte bei der Einkesselung der friedlich agierenden Aktivisten.
Weitere Details s. #EndeGelaende-Pressemitteilung.
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Offenbar kam es auch zu Angriffen auf Aktivisten durch RWE-Mitarbeiter ..
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… und den Versuch der Polizei, journalistische Berichterstattung zu verhindern.
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Die Vorwürfe zum Polizeieinsatz sollen nun vom nordrhein-westfälischen Innenministerium geprüft werden. Ein Sprecher des Ministeriums kündigte an, dass man der Kritik sorgfältig nachgehen wolle und dem Innenausschuss des Parlaments ausführlich Bericht erstatten werde.
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Quellen:
EXPRESStazWAZWDR
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Wieso kleine Bäckereien keine Überlebenschance haben

Wieso kleine Bäckereien keine Überlebenschance haben
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Die Energiewende bringt immer mehr Handwerksbäcker in wirtschaftliche Notlagen. Kleine und mittelständische Bäckereien müssen, um die Energiewende mitzufinanzieren, den vollen Satz der EEG-Umlage zahlen. Mehrere Großbäckereien hingegen, die auch für Discounter produzieren, können eine verringerte EEG-Umlage in Anspruch nehmen, wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bestätigt.
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Auf der Liste der EEG-Umlage reduzierten Unternehmen steht auch die Firma Bonback GmbH. Diese produziert derzeit ausschließlich für Lidl.
Der Präsident des Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks, Peter Becker, sieht darin eine „Wettbewerbsverzerrung, die nicht hinzunehmen“ sei.

„Wenn es nur der Tropfen auf den heißen Stein ist, oder der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Das ist eine Belastung, die wir nicht akzeptieren können“,

so Becker im Interview mit dem ARD-Politikmagazin. Auch der Grünen Bundestagsabgeordnete Markus Tressel kritisiert die Bundesregierung:

„Wir brauchen hier faire Wettbewerbsbedingungen für alle – für den Großen, wie den Kleinen. Und deshalb muss die Bundesregierung jetzt in die Hufe kommen. Die muss ihre Haltung überdenken. EEG-Umlage für alle. Keine Befreiungen mehr.“

Die Ungleichbehandlung bei der EEG-Umlage verschärft die schwierige Ausgangslage der Handwerksbäcker. Seit 1980 mussten mehr als 17.000 Bäckereien im Bundesgebiet dicht machen.
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Anmerkung
Der Video-Beitrag endet mit dem Fazit:
„Und wir, die Verbraucher sind ja auch nicht ganz schuldlos an diesem Dilemma. Immer häufiger sagen die Verbraucher ‚unser täglich Brot gib uns heute und vergib uns, dass wir den Verlockungen der günstigen Preise erliegen‘.
Ob diese Einstellung auch daran liegen könnte, dass es in Täuschland mindestens 12 Mio Menschen gibt, die von Transferleistungen leben müssen und daneben vielen die Altersarmut droht ?
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Ihr Oeconomicus
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Endlagerung hochradioaktiver Abfälle – Ein Blick in die Zukunft

Endlagerung hochradioaktiver Abfälle – Ein Blick in die Zukunft
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Mehrere hundert Meter unter der Erdoberfläche:
Ein Endlager für hochradioaktive Abfälle soll entstehen. Mit bewährter Technik wird ein modernes Bergwerk erstellt.
Die Teilschnittmaschine bahnt die Wege, im Bergwerk auch „Stollen“ genannt.
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Doch wie sicher ist ein solches Endlager in Salz, Ton oder Granit über einen Zeitraum von einer Million Jahre gegen Naturgewalten wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Meteoriten und Eiszeiten?
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Video-Clip des Bundesamtes für Strahlenschutz:
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vertiefende Informationen
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Wirtsgestein
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Als Wirtsgestein wird die geologische Gesteinsumgebung bezeichnet, in der radioaktive Abfälle unterirdisch endgelagert werden. Derzeit werden international drei Arten von Wirtsgesteinen untersucht: Salz, Ton bzw. Tongestein und Granit.
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In Deutschland sind Salzstein und Ton als mögliche Wirtsgesteinsformationen in der Diskussion, wobei die Erforschung von Steinsalz bislang am weitesten fortgeschritten ist. Ein Grund dafür ist die langjährige Erfahrung im Salzabbau. In anderen Ländern kommen aus geologischen Gründen nicht alle drei Wirtsgesteine für ein Endlager in Betracht. In Skandinavien existiert beispielsweise ausschließlich die Möglichkeit, radioaktive Abfälle in Granit zu lagern.
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Funktion und Eigenschaften des Wirtsgesteins
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Dem Wirtsgestein kommt in einem Endlager für radioaktive Abfälle in tiefen geologischen Gesteinsschichten eine wichtige Rolle zu. Neben den technischen Barrieren (z.B. den Abfallbehältern) soll das Gestein als eine natürliche Barriere fungieren und die radioaktiven Stoffe von der Umwelt isolieren. Ein sicherer Einschluss radioaktiver Abfälle wird jedoch erst durch eine Kombination natürlicher und technischer Barrieren ermöglicht.
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Die Wirtsgesteine unterscheiden sich in ihren Eigenschaften. Sie isolieren die radioaktiven Stoffe deshalb auf unterschiedliche Art und Weise von der Umwelt. Salz ist unter natürlichen Bedingungen beispielsweise undurchlässig gegenüber radioaktiven Stoffen und weist eine hohe Wärmeleitfähigkeit und Hitzebeständigkeit auf. Die Reaktion des Wirtsgesteins auf Hitze ist von großer Bedeutung, weil hochradioaktive Abfälle eine starke Abwärme entwickeln. Eine besondere Eigenschaft des Salzes ist sein kriechendes Verformungsverhalten. Es sorgt dafür, dass im Salz lagernde Abfallgebinde mit der Zeit vollständig eingeschlossen werden. Nachteilig ist die Wasserlöslichkeit des Salzes, die bei einem eventuellen Süßwasserzufluss die Stabilität des Endlagers gefährden könnte. Ton zeichnet sich durch eine geringe Durchlässigkeit gegenüber Flüssigkeiten und Gasen sowie eine Reihe weiterer günstiger Eigenschaften aus, reagiert aber im Vergleich zu Salz sensibler auf Temperaturen über 100°C. Granit verfügt wie Salz über hohe Hitzebeständigkeit und große Festigkeit, neigt aber zu dem für Granitkomplexe typischen Klüftungsverhalten.
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Quelle:
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mbH
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Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), hat sich in einem Vortrag für die Anhörung in der 6. Sitzung der Kommission „Lagerung hoch radioaktiver Abfälle“ am 05.12.2014 speziell mit Wirtsgesteinen und geowissenschaftliche Kriterien in internationalen Endlagerkonzepten beschäftigt.
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Auszug:
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Eigenschaften der Wirtsgesteine
In den internationalen Forschungsprojekten werden insbesondere die sicherheitsrelevanten Eigenschaften der Wirtsgesteine Steinsalz, Ton/Tonstein und Kristallin untersucht (BGR 2007).
Diese sind:
  • ƒƒ Temperaturleitfähigkeit
  • ƒƒ Hydraulische Durchlässigkeit
  • ƒƒ Festigkeit
  • ƒƒ Verformungsverhalten
  •  Hohlraumstabilität
  •  In-situ Spannungen
  •  Löslichkeit gegenüber Wasser
  •  Rückhaltevermögen gegenüber Radionukliden und Schadstoffen
  • ƒƒ Temperaturbelastbarkeit
Dabei hat jedes Wirtsgestein günstige und ungünstige Eigenschaften.
Steinsalz und Tonstein tragen als geologische Barriere die Hauptlast des langzeitsicheren Einschlusses der Radionuklide.
Ein Endlager im Kristallin erfordert ein anderes Endlagerkonzept, in dem technische und geotechnische Barrieren die langzeitliche Isolation der Abfälle übernehmen (z. B. Endlagerbehälter, siehe z. B. Hammer 2008, Jobmann et al. 2008).
Die geologische Barriere nimmt im Vergleich zu Steinsalz und Tonstein in den Endlagerkonzepten für kristalline Gesteine eine untergeordnete Stellung ein.
Ein ideales Wirtsgestein gibt es nicht. Die Endlagerkonzepte müssen an die Wirtsgesteine angepasst werden.“
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Zusammenhänge zwischen Wirtsgesteinen und Fracking-Technologie
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Geowissenschaftlern und Jedem, der mit gesundem Menschenverstand den heißdiskutierten Themenkomplex ‚Fracking-Technologie‘ zum unkonventionellen Abbau von in Gesteinsformationen eingekapselten Gas- und Öl-Ressourcen verfolgt, sollte klar sein, dass wir diese Erkenntnisse um die Eigenschaften von Wirtsgesteinen bei der Abschätzung ökologischer Wechselwirkungen sowohl bei der Hochdruck-Einleitung von Frac-Flüssigkeit als auch bei dessen Flowback und bei der Aufbereitung von Lagerstättenwasser beschäftigen müssen.
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In diesem Zusammenhang sei auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Oliver Krischer, Nicole Maisch, Dorothea Steiner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN an die Bundesregierung (Drucksache 17/9232 – 17. Wahlperiode) zur Entsorgung von giftigem Lagerstättenwasser bei der Förderung von Erdgas und Erdöl hingewiesen, die von der Bundesregierung am 03.05.2012 (Drucksache 17/9516) beantwortet wurde.
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Auszug:
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Vorbemerkung der Fragesteller
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Erdgas und Erdöl werden in Deutschland aus mehreren Tausend Meter tief liegenden Gesteinsschichten gefördert. Dabei handelt es sich vor allem um Sandstein und Carbongestein.
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Derzeit erwägen mehrere Erdgasunternehmen in Deutschland, die Förderung auf Schiefergestein und Kohleflöze, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, auszuweiten. Auch in Baden- Württemberg, Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben sich die Unternehmen bereits Aufsuchungslizenzen gesichert.
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Unabhängig davon, aus welcher Art Tiefengestein das Erdgas gefördert wird, gelangt dabei sogenanntes Lagerstättenwasser mit an die Oberfläche, welches anschließend entsorgt werden muss. Dieses Lagerstättenwasser hat verschiedene für die Entsorgung bedenkliche Eigenschaften:
Je nach Muttergestein verfügt das Lagerstättenwasser über einen sehr hohen Salzgehalt. Weiter ist es häufig mit Schwermetallen und radioaktiven Stoffen belastet. Wurde bei der Bohrung die Hydraulic Fracturing genannte Methode zur Stimulation angewendet, vermischt sich das Lagerstättenwasser zusätzlich mit sogenannten Frack-Fluiden, bei welchen es sich u. a. um Biozide und teils toxische und karzinogene Chemikalien handelt. Das Gemisch aus Lagerstättenwasser und zurückströmenden Frack-Fluiden bilden den sogenannten Flowback. Die Menge des Flowbacks unterscheidet sich je nach Muttergestein zum Teil erheblich. Auch die Anteile von Lagerstättenwasser und Frack-Fluiden sind stets unterschiedlich.
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Grundsätzlich ist die Entsorgung des Flowbacks problematisch. Zunächst muss das Abwasser über teils große Entfernungen transportiert werden. Dies geschieht in Niedersachsen zum Teil durch Leitungen, von denen, aufgrund von Leckagen, erst kürzlich einige außer Betrieb genommen werden mussten.
Die aufgetretenen Leckagen führten zu einer Kontamination von Boden und Grundwasser mit krebserregendem Benzol und dem Umweltgift Quecksilber.
Der Transport per Lkw ist auch nicht ohne Risiko. Beim Befüllen und Entladen kam es schon mehrfach zu Unfällen. Zum Transport sind teils mehrere Lkw pro Tag notwendig. In der bisherigen Praxis wurden die Abwässer in sogenannten Disposalbohrungen entsorgt.
Der Flowback wird dabei nach einer weitgehend ungeklärten Reinigungsprozedur wieder unterirdisch verpresst. Über die Langzeit- auswirkungen dieser Verpressung ist jedoch wenig bekannt.
Die Verpressung steht darüber hinaus im Verdacht, seismische Erschütterungen auszulösen. Weiter ergeben sich angesichts der giftigen und teils radioaktiven Substanzen im Flowback erhebliche Sicherheitsrisiken.
Eine mögliche und großflächige Ausweitung der Erdgasförderung aus unkonventionellen Lagerstätten, lassen diese ungelöste Entsorgungsproblematik umso dringender erscheinen.“
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Die Fragen und Antworten im Detail:
Quelle:
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – Drucksache 17/9516 – PDF [12 Seiten]
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einige häufig wiederkehrende Begrifflichkeiten aus dem Themenbereich Fracking
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Fracking-Flüssigkeit
Gemisch aus Wasser und Chemikalien, welches unter hohem Druck in ein Bohrloch gepresst wird, um Gesteinsformationen unter Tage aufzubrechen, um Wegbarkeiten zu schaffen. Üblicherweise versetzt mit Stützmitteln, um durch Fracking erzeugte Risse auf Dauer offenzuhalten. Meist wird da nur von Sand gesprochen. Die Flüssigkeit braucht eine fallabhängige Viskosität, um Stützmittel effektiv transportieren zu können.
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Additive
Bezeichnet die chemischen Zusätze in der Fracking-Flüssigkeit.
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Flowback
Nur der ins Bohrloch hineingepumpte Teil der der bei Gasförderung zutage kommenden Flüssigkeitsgesamtmenge. In der Realität kommt nicht nur genau das hoch, was hineingepumpt wurde, sondern ein entstehendes Gemisch aus Fracking-Flüssigkeit, Lagerstättenwasser und Weiterem. Über die Begriffsdefinition von Flowback wird die Existenz von Lagerstättenwasser als Förderbeiprodukt offenbar gerne verschwiegen.
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natürliche Radioaktivität
Natürlich vorkommende radioaktive Substanzen (normally occurring radioactive substances – N.O.R.M.) können im Lagerstättenwasser (z.B. Radium 226 und Radium 228) und im Erdgas (Radon) auftreten. Die natürliche Radioaktivität wird in den §§ 98 folgende der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) geregelt. Die radioaktiven Rückstände der Erdöl- und Erdgasindustrie in Form von Schlämmen und Ablagerungen sind in Deutschland entsprechend der Vorgaben der StrlSchV behördlich zu überwachen. Wie das genau geschieht ist unklar. Das gesamte Konzept, den Transport radioaktiver Nuklide durch Menschenhand in der Kategorie „natürliche Strahlung“ als Normalität darzustellen und sich dadurch der Verantwortung entziehen zu können ist schon mehr als grenzwertig. Denn es stellt einen Unterschied dar, ob radioaktive Nuklide wie Uran im festen Untergrund gebunden sind, oder durch Fracking ggf. mobilisiert und freigesetzt werden. Diverse „Fachleute“ blenden diesen qualitativen Unterschied ohne jedwede Rücksicht aus.
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Lagerstättenwasser
Lagerstättenwasser ist in der jeweiligen Formation frei zirkulierendes Wasser und Porenhaftwasser, das über geologische Zeiten hinweg keinen Kontakt mit der Atmosphäre hatte. Bei Schiefergaslagerstätten handelt es sich vorwiegend um Porenhaftwasser. Hohe Drücke und Temperaturen der tiefen Lagerstätten führen dazu, dass diese Lagerstättenwässer hochmineralisiert und möglicherweise radioaktiv sind. Das Lagerstättenwasser ist daher als wassergefährdender Stoff zu betrachten und dementsprechend zu behandeln.
Das sog. Lagerstättenwasser wird gerne verschwiegen, wobei es sich dabei um gefährliche gelöste Stoffe handelt, die einfach wieder in „leere“, in ausgediente Erdgaslagerstätten verpresst werden.
Das Lagerstättenwasser kommt neben Flowback bei Gasförderung an die Oberfläche. Die darin mitgespülten ggf. radioaktiven Feststoffe und darin gelösten radioaktiven Gase wie z.B. Radon zählen laut Definition der Industrie offenbar nicht zum Lagerstättenwasser, sondern werden gerne verschwiegen.
Auch gerne verschwiegen wird der Hinweis, dass Existenz von Radon ein Indikator für das Vorliegen von Radium und Uran ist.
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Radium
Der Radiumgehalt eines Gesteines ist proportional zu dessen Urangehalt, da in der Natur Radiumisotope beim Zerfall von Uran (U) und Thorium (Th) gebildet werden.
Radium 226 ist ein Produkt der Uran 238 – Zerfallsreihe und mit einer Halbwertszeit von 1601 Jahren das langlebigste Radiumisotop.
Radium 228 ist Produkt der Thorium 232 – Zerfallsreihe mit einer Halbwertszeit von 5.75 Jahren.
Wer von Radium beim Fracking spricht, der verschweigt oft die natürlich auch vorhandene Quelle: Uran.
Radium ist Mutternuklid des Gases Radon 222.
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Radon
Radon 222 ist ein Gas mit einer Halbwertszeit von unter 4 Tagen. Es zerfällt zu Feststoffen, die z.B. an Staub anhaften und auch eingeatmet werden und zu Lungenkrebs führen können.
Wo Radon ist, da existiert Radium, das Mutternuklid, welches Radon konstant „nachproduziert“.
Frisch gefördertes Erdgas wird in Tanks auch zwischengelagert, um die Radioaktivität des mitgeförderten Radons abklingen zu lassen. In bestimmten Regionen via Fracking gefördertes Gas scheint so hoch mit Radon belastet zu sein, daß der zu frühe Einsatz am heimischen Herd zu einer statistischen Erhöhung der Krebsrate führen kann.
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Stützmittel, „proppant“
Sand oder z.B. druckfestes Keramikgranulat mit Körnung von teilweise einigen dutzend Millimetern. Die Stützmittel sollen nach Frack Wegbarkeiten für Gas offenhalten. Zum Transport der Stützmittel muss das Frackingfluid je nach Einsatzgebiet bestimmte Viskositäts-Anforderungen erfüllen, da die Stützmittel sonst nicht an den Zeilort gedrückt werden können, sondern absacken.
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Seismik
Die Erkundung von Untergrundbeschaffenheit durch Vermessung von seismische Wellen hervorgerufen durch Vibration oder Sprengung.
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Quelle:
Arbeitskreis Fracking
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Hydraulic Fracturing
Hydraulic Fracturing oder kurz Fracking ist eine Methode zur Erzeugung, Weitung und Stabilisierung von Rissen im Gestein einer Lagerstätte im tiefen Untergrund, mit dem Ziel, die Permeabilität (Durchlässigkeit) der Lagerstättengesteine zu erhöhen. Dadurch können darin befindliche Gase oder Flüssigkeiten leichter und beständiger zur Bohrung fließen und gewonnen werden.
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Beim Fracking wird durch eine Bohrung, unter hohem Druck von typischerweise mehreren hundert Bar eine Flüssigkeit („Fracfluid“) in den geologischen Horizont, aus dem gefördert werden soll, gepresst. Als Fracfluid dient Wasser, das zumeist mit chemischen Zusätzen und Stützmitteln, wie z. B. Quarzsand, versetzt ist. Üblicherweise werden zunächst im Zielhorizont mehrere abgelenkte Bohrungen (Laterale) mittels Richtbohren angelegt, wobei der Bohrkopf schichtparallel geführt wird. Dadurch ist die zur Verfügung stehende Bohrlochlänge in der Lagerstätte wesentlich größer, was generell die Ausbeute der Förderung erhöht. Zum Einsatz kommen beim Hochvolumen-Hydrofracking große Flüssigkeitsmengen mit mehr als 1000 m³ pro Frackphase bzw. insgesamt mehr als 10.000 m³ pro Bohrloch.
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Seit Ende der 1940er Jahre wird Fracking vor allem bei der Erdöl- und Erdgasförderung sowie bei der Erschließung tiefer Grundwasserleiter für die Wassergewinnung und der Verbesserung des Wärmetransportes bei der tiefen Geothermie eingesetzt. In den letztgenannten Anwendungsfällen werden keine Stützmittel oder chemischen Zusätze benötigt.
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Während in den ersten Jahrzehnten Fracking vor allem in der Spätphase der Förderung aus einer konventionellen Erdöl- oder Erdgaslagerstätte angewendet wurde, wird seit Anfang der 1990er Jahre und insbesondere in den USA ab etwa dem Jahr 2000 verstärkt sogenanntes unkonventionelles Erdöl und Erdgas (u.a. „Schiefergas“) mittels Fracking gefördert, was einen Boom zur Folge hatte. Dies hat den dortigen Energiemarkt erheblich verändert und sorgte für ein aktuelles Erdgas-Überangebot mit Preisverfall auf dem US-Markt, so dass die Rentabilität des Verfahrens bereits in Frage gestellt wurde. Die US-Regierung unterstützt daher seit etwa 2013 Bestrebungen zum verstärkten Export von Flüssigerdgas nach Europa und Japan, unter anderem mit beschleunigten Genehmigungsverfahren.
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Während einige Stimmen diese geostrategische Komponente durch die Veränderung der internationalen Abhängigkeiten betonen, führen die Umweltrisiken und mögliche Gesundheitsgefahren des „Fracking-Booms“ vor allem in Europa zu einer kontrovers geführten und noch andauernden fachlichen, politischen und gesellschaftlichen Debatte. Einige Länder und Regionen haben Erdgas-Fracking auf ihrem Gebiet gesetzlich verboten.
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Wikipedia
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Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas insbesondere aus Schiefergaslagerstätten
Teil 2 – Grundwassermonitoringkonzept, Frackingchemikalienkataster, Entsorgung von Flowback, Forschungsstand zur Emissions- und Klimabilanz, induzierte Seismizität, Naturhaushalt, Landschaftsbild und biologische Vielfalt
Im Auftrag des Umweltbundesamtes
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Quelle:
Umweltbundesamt – PDF [629 Seiten]
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Fracking mal aus anderer Sicht – Panorama vom 04.09.2014
Durch die Ukraine-Krise werden die Fracking-Risiken bei Panorama verharmlost. Die letzten Sekunden sind die WIRKLICHE Wahrheit über diese Reportage.
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korrespondierende Archiv-Beiträge

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vorläufige Bewertung
Zugegeben, es mag für viele LeserINNen schon eine Zumutung sein, sich durch all diese Informationen durchzuarbeiten.
Wer jedoch jenseits von so häufig vorzufindenden eindimensionalen Behauptungen bei entsprechenden Debatten durch profunde Kenntnisse unterlegte eigene Standpunkte vertreten möchte und die Zukunft unserer Kinder und Enkel pro-aktiv mitgestalten will, sollte sich -oft im Gegensatz mit unseren gewählten Volksvertretern- mit diesem Themenkomplex gründlich auseinandersetzen.
In einem weiteren Beitrag wird auf die aktuellen Fracking-Gesetzesinitiativen einzugehen sein.
Viel Freude bei der Erschließung neuer Horizonte.
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Ihr Oeconomicus
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Die EU-Politik zur Sicherung der Gasversorgung

Die EU-Politik zur Sicherung der Gasversorgung
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Einschätzungen und Bewertungen von Oliver Geden und Jonas Grätz (September 2014)
Dr. Oliver Geden ist Wissenschaftler bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und war im Sommer 2014 Visiting Fellow am Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich. Er ist unter anderem Ko-Autor von «Die Energie- und Klimapolitik der Europäischen Union» (2008).
Dr. Jonas Grätz ist Senior Researcher im Team «Globale Sicherheit» am Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich und Autor von «Russland als globaler Wirtschaftsakteur» (2013).

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Die Spannungen mit Russland rücken die Gasversorgungssicherheit Europas wieder in den Fokus. In der EU wurden Erfolge bisher vor allem im Infrastrukturausbau zwischen Mitgliedstaaten erzielt und nicht bei der Diversifikation der Lieferanten.
Eine Eskalation der Ukraine-Krise könnte weitere Integrationsschritte beschleunigen.
Die Schweiz hingegen kann ihre Versorgungssicherheit grossenteils durch engere Zusammenarbeit mit den Nachbarstaaten verbessern.

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Der russisch-ukrainische Gasstreit zum Jahreswechsel 2005/06, der einen kurzen Lieferstopp Russlands zur Folge hatte, hat das Thema Gasversorgungssicherheit auf der politischen wie medialen Agenda der EU salonfähig gemacht.
Seither wurde die Versorgungssicherheitspolitik im Erdgasbereich teilweise europäisiert. Die Versorgungssicherheit ist generell am stärksten, wenn die Gasproduktion und die Lieferwege den eigenen Regeln unterworfen sind. Erdgasförderung im eigenen Land ist dementsprechend von Vorteil.
Ist sie nicht vorhanden oder nicht ausreichend, gilt es, intern in Redundanzen zu investieren, um politische Erpressbarkeit und Versorgungsengpässe durch technische Schwachstellen zu reduzieren. Interne Redundanzen können geschaffen werden durch
Investition in Speicherkapazitäten, sowie in den Ausbau des Transportnetzes und dessen Regulierung.
Externe Redundanzen, wie neue Pipelines und Terminals zum Import von Erdgas und verflüssigtem Erdgas (LNG), können die Durchhaltefähigkeit bei einem Lieferunterbruch nochmals deutlich erhöhen und politische Abhängigkeiten verringern.

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In der öffentlichen Aufmerksamkeit steht vor allem die Schaffung externer Redundanzen.
Die Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Ansatzes in der Energieaussenpolitik war dementsprechend eine Priorität der 2007 erstmals entwickelten EU-Energiestrategie.
Als konkretes Handlungsfeld wesentlich wichtiger war aber die Schaffung interner Redundanzen.
Dies zeigt sich auch daran, dass EU und Efta insgesamt zwar noch über die Hälfte ihres Verbrauchs selbst decken, Mitgliedstaaten in Ostmittel- und Südosteuropa sich aber oft zu 60 – 100 Prozent aus Russland beliefern lassen und im Falle einer Unterbrechung nicht alternativ versorgt werden konnten. Schritte im Innern wie der Bau neuer Verbindungen zwischen Mitgliedstaaten und die Aufrüstung bestehender Verdichterstationen mit Vorrichtungen zur Umkehr der Gasflussrichtung (Reverse Flow) sorgten für Verbesserungen.

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Bisher hat die Krise in der Ukraine nicht zu neuen substanziellen Integrationsschritten geführt. Das wird sich am Europäischen
Rat im Oktober 2014, der nächsten Möglichkeit für die 28 Staats- und Regierungs-Chefs über die strategische Ausrichtung der
Energie- und Klimapolitik zu entscheiden, kaum ändern. Auch in den kommenden Jahren dürfte die interne Dimension das zentrale Handlungsfeld der EU-Versorgungssicherheitspolitik bleiben.
Allerdings könnte eine weitere Eskalation der Ukraine-Krise zu einem kohärenteren Vorgehen in der Energieaussenpolitik beitragen. In jedem Fall wirkt sich die fehlende Fähigkeit zur Schaffung externer Redundanzen zunehmend auf die Ausgestaltung des Binnenmarkts aus, da externe Versorger wie Gazprom weiterhin zentral bleiben und ihren Einfluss geltend machen.
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CSS-ETHZ – PDF (4 Seiten)

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korrespondierende Beiträge und Informationen zu LNG-Terminals in Europa
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09.12.2014
Urlaubsinsel Krk soll Europas Gashafen werden
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Die Gasleitung South Stream ist tot. Es lebe das neue Gas- Projekt in Kroatien! Die EU will mit einem Terminal für Flüssiggas an der nördlichen Adria unabhängiger von Russland werden. Wie geht das?
Das Projekt geht zurück auf die 1980er- Jahre, doch erst die Ukraine- Krise hat es zu einem Lieblingsplan der EU und der USA gemacht: Auf der nordkroatischen Adriainsel Krk soll im Eiltempo ein Terminal für Flüssiggas entstehen.
[…]
Die kroatischen Medien bejubeln ihr Land schon als „neues Norwegen“. Denn neben diesem Projekt soll bald auch aus der Adria Öl gefördert werden. Nachdem auch die EU das Projekt im Mai auf ihre Prioritätenliste gesetzt hat, kann jetzt alles schnell gehen.
Die Europäische Union zahlt mit fünf Millionen Euro die Hälfte der Vorplanungen. Studien zur Machbarkeit und Umweltverträglichkeit sind positiv abgeschlossen, heißt es aus der staatlichen Gesellschaft LNG- Hrvatska (Kroatien).
[…]
Anfang des nächsten Jahres können interessierte Firmen aus der ganzen Welt anmelden, ob sie in welchem Umfang an der Nutzung des neuen Terminals interessiert sind. Dann folgt die Sicherung der Finanzierung. Der Energieknoten auf Krk soll 630 Millionen Euro kosten, der Neu- und Ausbau von Pipelines bis zu 750 Millionen.
Wirtschaftsminister Ivan Vrdoljak erwartet, dass die EU die Hälfte und sein Land ein Viertel der Kosten übernimmt. Sein Argument: Kroatien braucht das Projekt nicht, die EU aber schon. Das letzte Viertel der Investition soll von internationalen Banken oder strategischen Finanzpartnern gesichert werden.
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Krone.at
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31.07.2014
Monitoring-Bericht nach § 51 EnWG zur Versorgungssicherheit bei Erdgas
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A. Einleitung
B. Rechtliche Grundlagen der Versorgungssicherheit
1. Nationale Vorgaben 
2. EU-Vorgaben
C. Internationale und nationale Gasmärkte
1. Weltweite Nachfrageentwicklung und Reserven- und Ressourcensituation
2. Angebots- und Nachfrageentwicklung in Europa
3. Erdgasversorgung in Deutschland
3.1 Nachfrageentwicklung
3.2 Gasangebot
3.2.1 Erdgasgewinnung im Inland 
3.2.2 Erdgasimporte 
3.3 Instrumente zur Sicherung der Gasversorgung
3.3.1 Diversifikation der Bezugsquellen
3.3.2 Diversifikation der Importinfrastruktur
3.3.3 Inlandsförderung
3.3.4 Langfristige Gasimportverträge
3.3.5 Speicher und inländische Netzinfrastruktur
3.3.6 Inländische Infrastrukturinvestitionen
3.3.7 Energieaußenpolitik 
4. Technische Sicherheit
4.1 Qualität der Netze
4.2 Analyse von Netzstörungen
4.3 Versorgungsunterbrechungen
D. Zusammenfassung
Anlage: Abkürzungsverzeichnis

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Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) – PDF (21 Seiten)
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02.05.2014
Flüssigerdgas als Beitrag zur Diversifizierung von Erdgasbezugsquellen
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Kleine Anfrage der Abgeordneten Oliver Krischer, Dr. Julia Verlinden, Annalena Baerbock, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 18/1145 – und Antwort der Bundesregierung

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Vorbemerkung der Fragesteller
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Erdgas, welches durch hohen Druck bei niedriger Temperatur auf einen Bruchteil seines Volumens komprimiert und damit verflüssigt wird, wird als Flüssigerdgas (Liquified Natural Gas – LNG) bezeichnet.
In seiner verflüssigten Form kann es damit unabhängig von Pipelines mit Tankschiffen über große Entfernungen transportiert werden. Der Markt für LNG ist dabei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen. Mittlerweile entfällt über ein Viertel der weltweiten Erdgastransporte auf Flüssigerdgas. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht in ihren Prognosen sogar davon aus, dass der weltweite LNG-Anteil bis zum Jahr 2035 bis zu 50 Prozent des grenzüberschreitenden Gashandels ausmachen wird.

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Aufgrund des weltweiten Handels mit Schiffen anstelle von Pipelines kann LNG einen Beitrag zur Diversifizierung der Bezugsquellen und damit zur Vermeidung einseitiger Abhängigkeiten leisten.

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Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Spannungen durch die Krim-Krise ist eine Diversifizierung des Erdgasbezugs im Zusammenspiel mit einer ambitionierten Effizienzstrategie und der möglichst weitgehenden Substitution von Erdgas im Wärmemarkt durch erneuerbare Energien von besonderer Bedeutung.

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Der Energiekonzern E.ON Energie Deutschland GmbH verfügte bereits über eine Genehmigung zum Bau eines LNG-Terminals in Wilhelmshaven und auch der Konzern RWE AG wollte in Wilhelmshaven einen LNG-Terminal bauen.
Doch beide Unternehmen zogen sich von ihren Projekten aufgrund fehlender Rahmenbedingungen zurück und beteiligten sich an LNG-Terminals im Ausland (Handelsblatt vom 5. August 2008 „Flüssiggas: Eon will ohne deutsches Terminal expandieren“ sowie NWZonline vom 10. August 2011 „Aus für weiteres Flüssig-Erdgas-Projekt“).

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1.Welche konkreten Schritte hat die Bundesregierung seit dem Jahr 2005 bezüglich der Diversifizierung von Erdgasbezugsquellen unternommen?
2.Welche Rolle hat LNG diesbezüglich gespielt, und wie hat die Bundesregierung die Bereitstellung einer entsprechenden Infrastruktur mit welchen Maßnahmen begleitet bzw. politisch flankiert?

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Die Fragen 1 und 2 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung hat Bestrebungen der Gasversorgungsunternehmen, die Transportwege und Lieferquellen zu diversifizieren, politisch flankiert, beispielsweise im Rahmen politischer Gespräche bei Auslandsreisen. Dies bezog sich z. B. auf die Nord-Stream-Pipeline und zuletzt auch auf die Transadriatische Pipeline, die ab dem Jahr 2019 erstmals den kaspischen Raum mit der Europäischen Union (EU) verbindet.
LNG (Liquified Natural Gas) kann in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung der Bezugsquellen leisten. Die Bundesregierung hat die Gasversorgungsunternehmen beim Erwerb von LNG-Mengen und von Regasifizierungskapazitäten im benachbarten Ausland politisch unterstützt und wird dies auch in Zukunft tun.

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3.Sind der Bundesregierung konkrete Planungen für LNG-Terminals in Deutschland bekannt, und falls ja, welche?

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Der Bundesregierung sind derzeit keine konkreten Planungen für LNG-Terminals in Deutschland bekannt.

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4.Wie lange würde nach Schätzung der Bundesregierung die Realisierung eines LNG-Terminals dauern, das genehmigt ist, und wie lange bei einem Terminal, das noch genehmigt werden muss?

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Die Realisierung eines Terminals hängt vom Einzelfall ab. Für die Bauzeit kann man eine grobe Größenordnung von drei Jahren angeben, wie etwa beim LNG-Terminal in Rotterdam.

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5.Welche Informationen liegen der Bundesregierung über den bereits in den 1970er-Jahren geplanten Bau eines LNG-Terminals und einen möglichen Bau in den kommenden Jahren in Wilhelmshaven vor?

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Ein LNG-Terminal in Wilhelmshaven war bereits in den 70er-Jahren geplant worden. Aus dieser Zeit verfügt die Deutsche Flüssiggasterminalgesellschaft (DFTG) über einen immissionsschutzrechtlichen Vorbescheid, mehrere hierauf aufbauende Teilerrichtungsgenehmigungen für den Bau der landseitigen Anlagen und einen Planfeststellungsbeschluss für die seeseitigen Anlagen.
Nach Kenntnis der Bundesregierung hat die E.ON Energie Deutschland GmbH gemeinsam mit den übrigen Unternehmen der Deutschen Flüssiggasterminalgesellschaft (DFTG) im Jahr 2007 im Rahmen eines sog. Open-Season-Verfahrens Regasifizierungskapazitäten ausgeschrieben. Die Buchungszusagen von Interessenten waren zu gering, um den Terminal wirtschaftlich zu betreiben. Derzeit gibt es keine Planungen von Unternehmen für den Bau eines LNG-Terminals in Wilhelmshaven.

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6.Welche Gespräche mit welchem Inhalt wurden zwischen der Bundesregierung und der RWE Vertrieb AG vor dem verkündeten Planungsstopp Mitte des Jahres 2011 über Probleme bei der Verwirklichung dieses Projekts geführt?

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Bei den Gesprächen mit der RWE AG, in denen es um die alternative Technologie einer Regasifizierung noch auf dem Schiff ging, wurden z. B. Änderungsmöglichkeiten der Gasnetzzugangsverordnung erörtert, insbesondere die Anbindung an ein Gashochdruckleitungssystem und die dafür bestehenden Rahmenbedingungen betreffend.

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7.Teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass ein LNG-Terminal und eine damit verbundene Diversifizierung der Erdgasbezugsquellen Versorgungsengpässe in Deutschland unwahrscheinlicher macht (bitte begründen), und wenn nein, warum nicht?

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Ein LNG-Terminal würde als zusätzliche Importinfrastruktur zu einer höheren Versorgungssicherheit beitragen.

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8.Hat die Bundesregierung Erkenntnisse über den betriebswirtschaftlichen Amortisationszeitraum von LNG-Terminals, und wenn ja, welche?

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Der betriebswirtschaftliche Amortisationszeitraum hängt u. a. stark von der Auslastung der Regasifizierungskapazitäten ab.

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9.Welche Anzahl von LNG-Terminals sind nach Kenntnis der Bundesregierung in der Europäischen Union (EU) in Betrieb, in Bau oder in Planung (bitte einzeln nach Anlage und Land aufschlüsseln)?

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Antwort: siehe Tabelle im PDF-Dokument

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10.Aus welchen Ländern stammt nach Kenntnis der Bundesregierung das bisher am Markt verfügbare Flüssigerdgas in Europa (bitte in absoluten Zahlen und Ländern aufschlüsseln), und wie werden sich die Anteile nach Einschätzung der Bundesregierung in Zukunft entwickeln?

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Flüssigerdgasimporte nach Europa in Milliarden Kubikmetern, Stand 2012 (siehe Tabelle im PDF-Dokument

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11.Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Importpreise für Pipeline-Gas und LNG-Gas – nach EU-Staaten aufgeschlüsselt – zwischen den Jahren 2009 und 2013 entwickelt?

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Preise für Pipeline-Gas
(gewichtete Durchschnittspreise in Euro/MBtu, soweit nicht anders angegeben. Preise für weitere Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind nicht bekannt, und Daten für das Jahr 2013 noch nicht verfügbar – siehe auch Tabelle im PDF-Dokument
Preise für LNG-Importe
(gewichtete Durchschnittspreise in Euro/MBtu, soweit nicht anders angegeben. Preise für weitere Mitgliedstaaten der Europäischen Union sind nicht bekannt und Daten für das Jahr 2013 noch nicht verfügbar – siehe auch Tabelle im PDF-Dokument

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12.Wie stark ist nach Informationen der Bundesregierung die Auslastung des LNG-Terminals im polnischen Świnoujście (Swinemünde), und wurde von diesem Terminal auch schon Erdgas nach Deutschland importiert?
Falls ja, in welcher Höhe?

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Der LNG-Terminal in Swinemünde wird voraussichtlich erst Ende des Jahres 2014 fertiggestellt und dann in Betrieb gehen.

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13.Wie beurteilt die Bundesregierung die Importpotentiale für den deutschen Erdgasmarkt durch den LNG-Terminal Świnoujście (Swinemünde)?

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Die Kapazitäten des Terminals in Swinemünde sind mit 5 Milliarden Kubikmetern jährlich relativ gering. Ob Mengen von Swinemünde nach Deutschland geliefert werden, entscheidet der Markt.

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14.Wie stark ist nach Informationen der Bundesregierung die Auslastung des LNG-Terminals im belgischen Zeebrugge, und wurde von diesem Terminal auch schon Erdgas nach Deutschland importiert?
Falls ja, in welcher Höhe?
15.Wie beurteilt die Bundesregierung die Importpotenziale für den deutschen Erdgasmarkt durch den LNG-Terminal Zeebrugge?
16.Wie stark ist nach Informationen der Bundesregierung die Auslastung des LNG-Terminals im niederländischen Rotterdam, und wurde von diesem Terminal auch schon Erdgas nach Deutschland importiert?
Falls ja, in welcher Höhe?
17.Wie beurteilt die Bundesregierung die Importpotentiale für den deutschen Erdgasmarkt durch den LNG-Terminal Rotterdam?

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Die Fragen 14 bis 17 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet.
Zur Auslastung einzelner Terminals liegen keine Zahlen vor. Nach Branchenangaben (Gas Infrastructure Europe) werden die Regasifizierungskapazitäten der LNG-Terminals in Europa derzeit nur zu ca. 20 Prozent genutzt.
Derzeit werden weder von Zeebrügge noch von Rotterdam LNG-Mengen nach Deutschland geliefert. Beide LNG-Terminals sind gut mit dem deutschen Markt verbunden, sodass eine Belieferung möglich wäre.

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18.Von welchen anderen LNG-Terminals bezieht Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung Flüssigerdgas (bitte nach Standort und Menge aufschlüsseln)?

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Derzeit bezieht Deutschland kein Flüssigerdgas.

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Quelle: Deutscher Bundestag – PDF (8 Seiten)
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28 Jahre danach: Supergau in Tschernobyl – 26. April 1986

File:Chornobyl radiation map.jpg
Public Domain

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Täglich werden wir mit Meldungen zum Ukraine-Konflikt, drohendem Bürgerkrieg im Osten des Landes, der Rückkehr zum Kalten Krieg, Sanktionsdrohungen ggü Russland, etc. und insbesondere von Hilfsangeboten der EU, des IMF usw. für ein abgewirtschaftetes Land überflutet.

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Man spricht davon, das geschundene mittels Reformen, Kreditprogrammen, internationalen Investoren, usw. wirtschaftlich stabilisieren zu wollen, sogenannte Experten fabulieren dabei von zweistelligen Milliardenbeträgen um das Land wieder ‚flott‘ zu machen.

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Offenbar versucht man auf diese Weise, sowohl bei der ukrainischen Bevölkerung als auch den künftigen Zahlern solcher Hilfsleistungen den Eindruck zu erwecken, die Probleme des Landes seien mit überschaubaren Budgets in den Griff zu bekommen.

Dabei werden einige harte Fakten und Risiken vorsätzlich ausgeblendet!

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Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang an die Zeit der Wiedervereinigung in Deutschland und deren Folgekosten.
Die ehemalige DDR umfasste ein Gebiet von 108.179 km² mit 16,675 Mio Einwohnern. Hinsichtlich der Energieversorgung war das Land nicht mit Atomkraftwerken gesegnet.
Um den aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlich Stand zu erreichen, waren in den ersten 20 Jahren nach der Wiedervereinigung mind.  € 1 Billion notwendig, um bspw. Infrastrukturmaßnahmen, sozialpolitische Gegebenheiten und vieles mehr zu finanzieren.

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Mit einem Staatsgebiet von 603.700 km² ist die Ukraine fast sechsmal größer und beherbergt dabei rund 45,4 Mio Einwohner.
Vergleicht man also den Ist-Zustand des Landes mit der Ausgangsbasis der ehemaligen DDR, werden die Basics mehr als augenfällig. Neben den Problemen der Energieversorgung des Landes und ungezählter wirtschaftlicher Interessen bestimmter Gruppen, die auf dem Rücken der Bevölkerung lasten, erscheint es zwingend notwendig, sich insbesondere mit den Gegebenheiten der 17 operierenden AKW-Baudenkmäler der Ukraine sehr intensiv auseinanderzusetzen.

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Übersicht der kommerziellen Kernreaktoren in der Ukraine

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File:AKWs Ukraine.png
Public Domain – Source: User:Lychee

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Bekanntermaßen wird im Rahmen der sog. „deutsch-französischen Initiative für Tschernobyl“ an einem 29.000 Tonnen Sarkophag unter Federführung des französische Baukonzerns Vinci S.A. und die französische Unternehmensgruppe Bouygues gebastelt, dessen Kosten mit € 1,5 Mrd veranschlagt wurden. Vor drei Jahren hatte eine Geberkonferenz dafür gerade mal € 550 Mio gesammelt.
Offenbar Aufgrund von Konstruktionsfehlern kam es im Februar 2013 zum Einsturz der geplanten Dachkonstruktion des Sarkophags. Baustopp und Abzug der beteiligten Arbeiter waren die Folge.

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Chernobyl’s ‚New Safe Confinement‘

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Ursprünglich sollten die Bauarbeitern bereits Ende 2013 abschlossen sein. Nach dem Dacheinsturz revidierte man den Termin zur Fertigstellung auf Ende 2015.
Angesichts der Spannungen zwischen Ukraine und Russland dürfte nunmehr auch dieser Termin zur Vollendung der Sicherungsarbeiten zur Disposition stehen.

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Daneben erscheint es fraglich, in welcher die Kiever Hijacker mit einer Politik by Chaos für die Betriebs-Sicherheit der übrigen Atomkraftwerke sorgen und ggfls. Attacken wie am 20. Februar 2014, auf solche Einrichtungen dauerhaft verhindern wollen.

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Anlässlich des morgigen 28. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl nachfolgend ein Rückblick auf die damaligen Ereignisse und deren Folgen:

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Am Abend des 28. April 1986 erfuhr die Öffentlichkeit in beiden deutschen Staaten erstmals vom Reaktorunglück. In der Hauptnachrichtensendung des DDR-Fernsehens, der Aktuellen Kamera, wurde an untergeordneter Stelle eine knappe Meldung der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS verlesen. Im SED-Zentralorgan Neues Deutschland (ND) fand sich die Nachricht am 29. April unauffällig auf Seite 5:

„Im Kernkraftwerk 
Tschernobyl in der Ukraine hat sich eine Havarie ereignet, einer 
der Kernreaktoren wurde beschädigt. Es werden Maßnahmen zur Beseitigung der Folgen der Havarie ergriffen. Den Betroffenen wird Hilfe erwiesen. Es wurde eine Regierungskommission eingesetzt.“

Auch die Tagesschau hatte anfangs kaum mehr als diese dürren Zeilen. Am 29. April aber – und von da an für viele weitere Tage – war das Unglück schon die Spitzenmeldung:

„In dem sowjetischen Kernkraftwerk Tschernobyl ist es offenbar zu dem gefürchteten GAU gekommen, dem Größten Anzunehmenden Unfall. Es scheine „sicher, dass der Reaktorkern teilweise oder sogar ganz geschmolzen ist, und rings um Tschernobyl sei eine 30-Kilometer-Sperrzone eingerichtet worden.“

Ganz anders die Berichterstattung in der DDR. Zwar wanderte das Thema auch im ND schnell auf die Titelseite, doch der abwiegelnde Tonfall blieb:

Der Reaktor „wurde beschädigt“, war da am 30. April zu lesen, „was zum Entweichen einer gewissen Menge radioaktiver Stoffe führte“. Zwei Menschen seien ums Leben gekommen, „Maßnahmen zur Beseitigung der Folgen der Havarie“ eingeleitet, und „die Strahlungs-Situation im Kraftwerk und seiner Umgebung ist stabilisiert worden“.

Ergänzend teilte das Staatliche Amt für Atomsicherheit und Strahlenschutz (SAAS) mit, in der DDR werde die Radioaktivität ständig gemessen, es gebe „keine Gesundheitsgefährdung“. Die Bürgerinnen und Bürger sollten unbekümmert zu den Maidemonstrationen gehen und Fähnchen schwenken.
[…]
greenpeace

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Dazu als Video-Clip ein Kommentar eines DDR-Kommentators – Quelle Deutsches Rundfunk-Archiv – [4:08 Min]

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Bericht – Zeit im Bild-1

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tagesschau – Originalausschnitte vom 29. April 1986

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Chernobyl: Chronicle Of Difficult Weeks
mit einer Fernsehansprache von Mikhail Gorbachev

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Inhaltsverzeichnis der wiki-Zusammenfassung „Nuklearkatastrophe von Tschernobyl“

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Sekunden vor dem Unglück – Atomtod in Tschernobyl / Der Super-GAU

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Die Wahre Geschichte von Tschernobyl

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Tschernobyl all inclusive – Reise in ein verstrahltes Gebiet

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ARTE-Doku: Tschernobyl und Europa

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ARTE-Doku: Tschernobyl – Die Natur kehrt zurück

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Ihr Oeconomicus