Insolvenz droht: Fluggesellschaft SAS steht vor dem Aus

SAS droht: Fluggesellschaft SAS steht vor dem Aus

Boeing 737-700 der SAS Scandinavian Airlines

Bildrechte: Creative Commons, Urheber: Ernst Vikne
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Die skandinavische Fluggesellschaft SAS bereitet sich auf die Insolvenz vor. 800 Stellen werden wohl gestrichen, rund 6000 sollen ausgelagert werden.
Quelle
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follow-up:
SAS einigt sich im Überlebenskampf mit ersten Gewerkschaften
Erste Ergebnisse im Verhandlungsmarathon
Die um die Zahlungsfähigkeit kämpfende Fluggesellschaft SAS fliegt vorerst weiter:
Fast alle involvierten Gewerkschaften stimmten Gehaltskürzungen, längeren Arbeitszeiten und dem teilweisen Verzicht auf Pensionsansprüche zu.

EU-Haushalt: Aufstand des Zahlmeisters Schweden

EU-Haushalt: Aufstand des Zahlmeisters Schweden
Schweden ist im Pro-Kopf-Vergleich das Land, das für seine Mitgliedschaft in der EU am meisten ausgibt. Und es hätte am meisten zu verlieren, sollte sich der jüngste Kompromissvorschlag für den EU-Haushalt durchsetzen. Das und die geplante Verwendung der Mittel stoßen auf Kritik.
Kritik an geplantem EU-Haushalt
Gewinner und Verlierer des EU-Etats

Klare Mehrheit der Schweden gegen Euro-Einführung

Klare Mehrheit der Schweden gegen Euro-Einführung

Ein Beitritt Schwedens mit dem Ziel, die Schwankungsanfälligkeit des Wechselkurses einzuschränken, habe sich aus einer mittelfristigen in eine langfristige Angelegenheit verwandelt, sagte Borg am Montag in Visby auf der schwedischen Ostseeinsel Gotland und fügte wörtlich hinzu:

„Eine sehr klare Mehrheit der schwedischen Bevölkerung befürwortet ein Festhalten an der Krone, die Unterstützung für den Euro hat sich während der Finanzkrise dramatisch abgeschwächt.“

Er selbst betrachte den Euro jedoch weiterhin als etwas, das gut für Schweden sein könnte.

Euro-Beitritt kein Schweden-Thema !


In der Finanzkrise setzte die schwedische Regierung Lettland massiv unter Druck

Die blau-gelbe Fahne passt politisch eigentlich nicht zum Image, für das Schweden in Europa bekannt ist:
Die Nordgermanen bauten einen komfortablen Wohlfahrtsstaat auf, von dem man nur träumen konnte. Dafür nehmen die Knäckebrot-Erfinder hohe Steuern in Kauf und haben trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb, folgt man dem Economist-Index von 2008 – das demokratischste Land der Welt.
International scheint aber auch jenseits des Kattegats die Devise zu gelten:
Die Interessen der eigenen Wirtschaft sind wichtiger als europäische Solidarität. Dies bekamen lettische Politiker zu spüren, die der schwedische Finanzminister Anders Borg schulmeisterte. Wikileaks-Veröffentlichungen aus der Korrespondenz us-amerikanischer Diplomaten beschreiben sein rabiates Verhalten.
Auch der investigative Journalist Lato Lapsa hat diese Texte jetzt auf seiner Webseite pietiek.lv (zu Deutsch: “es reicht.lv”) ins Netz gestellt.
Die Schweden beteiligen sich mit € 863,9 Mio am 7,5-Milliardenkredit der EU und des IWF.
Den benötigt Lettland seit dem Herbst 2008, um zahlungsfähig zu bleiben, also seit jener Zeit, als die Crashbanker die Steuerzahler weltweit zur Kasse baten.
Die Untertanen Carls des 16. Gustaf zahlten aber vor allem im eigenen Interesse.
Ihre Stockholmer Swedbank hatte sich auf dem lettischen Kreditmarkt verspekuliert. Der musste stabil bleiben, denn es bestand die Gefahr, dass die Swedbank wieder einmal, wie in den neunziger Jahren, zum teuren Finanzloch der Wikinger verkommt.
Die Schweden fürchteten kurz nach dem weltweiten Lehman-Spektakel vor allem, dass die Letten ihren Lats abwerten könnten, das hätte für ihre Swedbank wieder mal das Aus bedeutet.
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Der Streit zwischen Anders Borg und Valdis Dombrovskis
Am 8. September 2009 notierten die US-Diplomaten in Stockholm, was ihnen Borg über Lettland erzählt hatte. Das Schicksal des kleinen Nachbarn auf der anderen Seite der Ostsee stehe 50 zu 50. Entweder erfülle die lettische Regierung mit internationaler politischer Unterstützung die Sparauflagen, die sie mit der EU-Kommission und dem IWF vereinbart habe, oder sie erfülle sie nicht: Im letzteren Fall könne die kleine baltische Republik als failing state enden.
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Schwedische Bürgerliche contra lettische Neokonservative
Im Spätsommer 09 zeigte sich Borg als Lettenversteher:
Er sah, was die rücksichtslose Sparpolitik jenseits der Ostsee angerichtet hatte. Schulen und Krankenhäuser waren geschlossen worden, die Arbeitnehmer mussten reduzierte Gehälter hinnehmen, die Zahl der Erwerbslosen erreichte Rekordniveau. Er lastete diesen Niedergang der “politischen Philosophie” der “neokonservativen” lettischen Regierung an. Diese habe den schmerzvollen Kurs der “internationalen Abwertung” gewählt, statt die eigene Währung anzupassen.
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Nothing special
Borg äußerte sein Mitgefühl mit der lettischen Unterschicht zu einer Zeit, als die schwedische Wirtschaft das Lehman-Chaos überstanden hatte. Der studierte Ökonom hätte aber die Folgen dieses Sparkahlschlags schon Ende 2008 vorhersehen können. Doch während des weltweiten Finanzspektakels hatten die Schweden gar kein Interesse an einem schwächeren Lats. Das Handesblatt nannte am 4.3.09 die Gesamtsumme von etwa 60 Milliarden Euro, die in den baltischen Ländern auf dem Spiel stand. Kredite in dieser Höhe hatten die Swedbank, die SEB und die ebenso schwedische Nordea ihren estnischen, litauischen und eben lettischen Kunden angedreht.
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Was hinter den schwedischen Krokodilstränen steckt
Die schwedische Zentrale der Swedbank war im Herbst 2008 wieder mal schwer angeschlagen. Sie benötigte dringend eine Kapitalerhöhung. Obwohl der schwedische Fiskus Garantien für ihre Anleihen übernahm, musste die größte Bank des Königreichs, bei der fünf von neun Millionen Schweden Kunden sind, höhere Zinsen berappen. Bei einer Pleite hätte der Staat für sie aufkommen müssen. Dafür war damals im schwedischen Haushalt schlicht kein Geld vorhanden.
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Udo Bongartz – Lettische Presseschau