Endlagerung hochradioaktiver Abfälle – Ein Blick in die Zukunft

Endlagerung hochradioaktiver Abfälle – Ein Blick in die Zukunft
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Mehrere hundert Meter unter der Erdoberfläche:
Ein Endlager für hochradioaktive Abfälle soll entstehen. Mit bewährter Technik wird ein modernes Bergwerk erstellt.
Die Teilschnittmaschine bahnt die Wege, im Bergwerk auch „Stollen“ genannt.
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Doch wie sicher ist ein solches Endlager in Salz, Ton oder Granit über einen Zeitraum von einer Million Jahre gegen Naturgewalten wie Erdbeben, Vulkanausbrüche, Meteoriten und Eiszeiten?
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Video-Clip des Bundesamtes für Strahlenschutz:
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vertiefende Informationen
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Wirtsgestein
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Als Wirtsgestein wird die geologische Gesteinsumgebung bezeichnet, in der radioaktive Abfälle unterirdisch endgelagert werden. Derzeit werden international drei Arten von Wirtsgesteinen untersucht: Salz, Ton bzw. Tongestein und Granit.
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In Deutschland sind Salzstein und Ton als mögliche Wirtsgesteinsformationen in der Diskussion, wobei die Erforschung von Steinsalz bislang am weitesten fortgeschritten ist. Ein Grund dafür ist die langjährige Erfahrung im Salzabbau. In anderen Ländern kommen aus geologischen Gründen nicht alle drei Wirtsgesteine für ein Endlager in Betracht. In Skandinavien existiert beispielsweise ausschließlich die Möglichkeit, radioaktive Abfälle in Granit zu lagern.
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Funktion und Eigenschaften des Wirtsgesteins
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Dem Wirtsgestein kommt in einem Endlager für radioaktive Abfälle in tiefen geologischen Gesteinsschichten eine wichtige Rolle zu. Neben den technischen Barrieren (z.B. den Abfallbehältern) soll das Gestein als eine natürliche Barriere fungieren und die radioaktiven Stoffe von der Umwelt isolieren. Ein sicherer Einschluss radioaktiver Abfälle wird jedoch erst durch eine Kombination natürlicher und technischer Barrieren ermöglicht.
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Die Wirtsgesteine unterscheiden sich in ihren Eigenschaften. Sie isolieren die radioaktiven Stoffe deshalb auf unterschiedliche Art und Weise von der Umwelt. Salz ist unter natürlichen Bedingungen beispielsweise undurchlässig gegenüber radioaktiven Stoffen und weist eine hohe Wärmeleitfähigkeit und Hitzebeständigkeit auf. Die Reaktion des Wirtsgesteins auf Hitze ist von großer Bedeutung, weil hochradioaktive Abfälle eine starke Abwärme entwickeln. Eine besondere Eigenschaft des Salzes ist sein kriechendes Verformungsverhalten. Es sorgt dafür, dass im Salz lagernde Abfallgebinde mit der Zeit vollständig eingeschlossen werden. Nachteilig ist die Wasserlöslichkeit des Salzes, die bei einem eventuellen Süßwasserzufluss die Stabilität des Endlagers gefährden könnte. Ton zeichnet sich durch eine geringe Durchlässigkeit gegenüber Flüssigkeiten und Gasen sowie eine Reihe weiterer günstiger Eigenschaften aus, reagiert aber im Vergleich zu Salz sensibler auf Temperaturen über 100°C. Granit verfügt wie Salz über hohe Hitzebeständigkeit und große Festigkeit, neigt aber zu dem für Granitkomplexe typischen Klüftungsverhalten.
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Quelle:
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mbH
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Prof. Dr. Hans-Joachim Kümpel, Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR), hat sich in einem Vortrag für die Anhörung in der 6. Sitzung der Kommission „Lagerung hoch radioaktiver Abfälle“ am 05.12.2014 speziell mit Wirtsgesteinen und geowissenschaftliche Kriterien in internationalen Endlagerkonzepten beschäftigt.
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Auszug:
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Eigenschaften der Wirtsgesteine
In den internationalen Forschungsprojekten werden insbesondere die sicherheitsrelevanten Eigenschaften der Wirtsgesteine Steinsalz, Ton/Tonstein und Kristallin untersucht (BGR 2007).
Diese sind:
  • ƒƒ Temperaturleitfähigkeit
  • ƒƒ Hydraulische Durchlässigkeit
  • ƒƒ Festigkeit
  • ƒƒ Verformungsverhalten
  •  Hohlraumstabilität
  •  In-situ Spannungen
  •  Löslichkeit gegenüber Wasser
  •  Rückhaltevermögen gegenüber Radionukliden und Schadstoffen
  • ƒƒ Temperaturbelastbarkeit
Dabei hat jedes Wirtsgestein günstige und ungünstige Eigenschaften.
Steinsalz und Tonstein tragen als geologische Barriere die Hauptlast des langzeitsicheren Einschlusses der Radionuklide.
Ein Endlager im Kristallin erfordert ein anderes Endlagerkonzept, in dem technische und geotechnische Barrieren die langzeitliche Isolation der Abfälle übernehmen (z. B. Endlagerbehälter, siehe z. B. Hammer 2008, Jobmann et al. 2008).
Die geologische Barriere nimmt im Vergleich zu Steinsalz und Tonstein in den Endlagerkonzepten für kristalline Gesteine eine untergeordnete Stellung ein.
Ein ideales Wirtsgestein gibt es nicht. Die Endlagerkonzepte müssen an die Wirtsgesteine angepasst werden.“
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Zusammenhänge zwischen Wirtsgesteinen und Fracking-Technologie
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Geowissenschaftlern und Jedem, der mit gesundem Menschenverstand den heißdiskutierten Themenkomplex ‚Fracking-Technologie‘ zum unkonventionellen Abbau von in Gesteinsformationen eingekapselten Gas- und Öl-Ressourcen verfolgt, sollte klar sein, dass wir diese Erkenntnisse um die Eigenschaften von Wirtsgesteinen bei der Abschätzung ökologischer Wechselwirkungen sowohl bei der Hochdruck-Einleitung von Frac-Flüssigkeit als auch bei dessen Flowback und bei der Aufbereitung von Lagerstättenwasser beschäftigen müssen.
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In diesem Zusammenhang sei auf eine kleine Anfrage der Abgeordneten Oliver Krischer, Nicole Maisch, Dorothea Steiner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN an die Bundesregierung (Drucksache 17/9232 – 17. Wahlperiode) zur Entsorgung von giftigem Lagerstättenwasser bei der Förderung von Erdgas und Erdöl hingewiesen, die von der Bundesregierung am 03.05.2012 (Drucksache 17/9516) beantwortet wurde.
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Auszug:
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Vorbemerkung der Fragesteller
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Erdgas und Erdöl werden in Deutschland aus mehreren Tausend Meter tief liegenden Gesteinsschichten gefördert. Dabei handelt es sich vor allem um Sandstein und Carbongestein.
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Derzeit erwägen mehrere Erdgasunternehmen in Deutschland, die Förderung auf Schiefergestein und Kohleflöze, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, auszuweiten. Auch in Baden- Württemberg, Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben sich die Unternehmen bereits Aufsuchungslizenzen gesichert.
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Unabhängig davon, aus welcher Art Tiefengestein das Erdgas gefördert wird, gelangt dabei sogenanntes Lagerstättenwasser mit an die Oberfläche, welches anschließend entsorgt werden muss. Dieses Lagerstättenwasser hat verschiedene für die Entsorgung bedenkliche Eigenschaften:
Je nach Muttergestein verfügt das Lagerstättenwasser über einen sehr hohen Salzgehalt. Weiter ist es häufig mit Schwermetallen und radioaktiven Stoffen belastet. Wurde bei der Bohrung die Hydraulic Fracturing genannte Methode zur Stimulation angewendet, vermischt sich das Lagerstättenwasser zusätzlich mit sogenannten Frack-Fluiden, bei welchen es sich u. a. um Biozide und teils toxische und karzinogene Chemikalien handelt. Das Gemisch aus Lagerstättenwasser und zurückströmenden Frack-Fluiden bilden den sogenannten Flowback. Die Menge des Flowbacks unterscheidet sich je nach Muttergestein zum Teil erheblich. Auch die Anteile von Lagerstättenwasser und Frack-Fluiden sind stets unterschiedlich.
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Grundsätzlich ist die Entsorgung des Flowbacks problematisch. Zunächst muss das Abwasser über teils große Entfernungen transportiert werden. Dies geschieht in Niedersachsen zum Teil durch Leitungen, von denen, aufgrund von Leckagen, erst kürzlich einige außer Betrieb genommen werden mussten.
Die aufgetretenen Leckagen führten zu einer Kontamination von Boden und Grundwasser mit krebserregendem Benzol und dem Umweltgift Quecksilber.
Der Transport per Lkw ist auch nicht ohne Risiko. Beim Befüllen und Entladen kam es schon mehrfach zu Unfällen. Zum Transport sind teils mehrere Lkw pro Tag notwendig. In der bisherigen Praxis wurden die Abwässer in sogenannten Disposalbohrungen entsorgt.
Der Flowback wird dabei nach einer weitgehend ungeklärten Reinigungsprozedur wieder unterirdisch verpresst. Über die Langzeit- auswirkungen dieser Verpressung ist jedoch wenig bekannt.
Die Verpressung steht darüber hinaus im Verdacht, seismische Erschütterungen auszulösen. Weiter ergeben sich angesichts der giftigen und teils radioaktiven Substanzen im Flowback erhebliche Sicherheitsrisiken.
Eine mögliche und großflächige Ausweitung der Erdgasförderung aus unkonventionellen Lagerstätten, lassen diese ungelöste Entsorgungsproblematik umso dringender erscheinen.“
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Die Fragen und Antworten im Detail:
Quelle:
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – Drucksache 17/9516 – PDF [12 Seiten]
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einige häufig wiederkehrende Begrifflichkeiten aus dem Themenbereich Fracking
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Fracking-Flüssigkeit
Gemisch aus Wasser und Chemikalien, welches unter hohem Druck in ein Bohrloch gepresst wird, um Gesteinsformationen unter Tage aufzubrechen, um Wegbarkeiten zu schaffen. Üblicherweise versetzt mit Stützmitteln, um durch Fracking erzeugte Risse auf Dauer offenzuhalten. Meist wird da nur von Sand gesprochen. Die Flüssigkeit braucht eine fallabhängige Viskosität, um Stützmittel effektiv transportieren zu können.
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Additive
Bezeichnet die chemischen Zusätze in der Fracking-Flüssigkeit.
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Flowback
Nur der ins Bohrloch hineingepumpte Teil der der bei Gasförderung zutage kommenden Flüssigkeitsgesamtmenge. In der Realität kommt nicht nur genau das hoch, was hineingepumpt wurde, sondern ein entstehendes Gemisch aus Fracking-Flüssigkeit, Lagerstättenwasser und Weiterem. Über die Begriffsdefinition von Flowback wird die Existenz von Lagerstättenwasser als Förderbeiprodukt offenbar gerne verschwiegen.
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natürliche Radioaktivität
Natürlich vorkommende radioaktive Substanzen (normally occurring radioactive substances – N.O.R.M.) können im Lagerstättenwasser (z.B. Radium 226 und Radium 228) und im Erdgas (Radon) auftreten. Die natürliche Radioaktivität wird in den §§ 98 folgende der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) geregelt. Die radioaktiven Rückstände der Erdöl- und Erdgasindustrie in Form von Schlämmen und Ablagerungen sind in Deutschland entsprechend der Vorgaben der StrlSchV behördlich zu überwachen. Wie das genau geschieht ist unklar. Das gesamte Konzept, den Transport radioaktiver Nuklide durch Menschenhand in der Kategorie „natürliche Strahlung“ als Normalität darzustellen und sich dadurch der Verantwortung entziehen zu können ist schon mehr als grenzwertig. Denn es stellt einen Unterschied dar, ob radioaktive Nuklide wie Uran im festen Untergrund gebunden sind, oder durch Fracking ggf. mobilisiert und freigesetzt werden. Diverse „Fachleute“ blenden diesen qualitativen Unterschied ohne jedwede Rücksicht aus.
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Lagerstättenwasser
Lagerstättenwasser ist in der jeweiligen Formation frei zirkulierendes Wasser und Porenhaftwasser, das über geologische Zeiten hinweg keinen Kontakt mit der Atmosphäre hatte. Bei Schiefergaslagerstätten handelt es sich vorwiegend um Porenhaftwasser. Hohe Drücke und Temperaturen der tiefen Lagerstätten führen dazu, dass diese Lagerstättenwässer hochmineralisiert und möglicherweise radioaktiv sind. Das Lagerstättenwasser ist daher als wassergefährdender Stoff zu betrachten und dementsprechend zu behandeln.
Das sog. Lagerstättenwasser wird gerne verschwiegen, wobei es sich dabei um gefährliche gelöste Stoffe handelt, die einfach wieder in „leere“, in ausgediente Erdgaslagerstätten verpresst werden.
Das Lagerstättenwasser kommt neben Flowback bei Gasförderung an die Oberfläche. Die darin mitgespülten ggf. radioaktiven Feststoffe und darin gelösten radioaktiven Gase wie z.B. Radon zählen laut Definition der Industrie offenbar nicht zum Lagerstättenwasser, sondern werden gerne verschwiegen.
Auch gerne verschwiegen wird der Hinweis, dass Existenz von Radon ein Indikator für das Vorliegen von Radium und Uran ist.
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Radium
Der Radiumgehalt eines Gesteines ist proportional zu dessen Urangehalt, da in der Natur Radiumisotope beim Zerfall von Uran (U) und Thorium (Th) gebildet werden.
Radium 226 ist ein Produkt der Uran 238 – Zerfallsreihe und mit einer Halbwertszeit von 1601 Jahren das langlebigste Radiumisotop.
Radium 228 ist Produkt der Thorium 232 – Zerfallsreihe mit einer Halbwertszeit von 5.75 Jahren.
Wer von Radium beim Fracking spricht, der verschweigt oft die natürlich auch vorhandene Quelle: Uran.
Radium ist Mutternuklid des Gases Radon 222.
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Radon
Radon 222 ist ein Gas mit einer Halbwertszeit von unter 4 Tagen. Es zerfällt zu Feststoffen, die z.B. an Staub anhaften und auch eingeatmet werden und zu Lungenkrebs führen können.
Wo Radon ist, da existiert Radium, das Mutternuklid, welches Radon konstant „nachproduziert“.
Frisch gefördertes Erdgas wird in Tanks auch zwischengelagert, um die Radioaktivität des mitgeförderten Radons abklingen zu lassen. In bestimmten Regionen via Fracking gefördertes Gas scheint so hoch mit Radon belastet zu sein, daß der zu frühe Einsatz am heimischen Herd zu einer statistischen Erhöhung der Krebsrate führen kann.
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Stützmittel, „proppant“
Sand oder z.B. druckfestes Keramikgranulat mit Körnung von teilweise einigen dutzend Millimetern. Die Stützmittel sollen nach Frack Wegbarkeiten für Gas offenhalten. Zum Transport der Stützmittel muss das Frackingfluid je nach Einsatzgebiet bestimmte Viskositäts-Anforderungen erfüllen, da die Stützmittel sonst nicht an den Zeilort gedrückt werden können, sondern absacken.
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Seismik
Die Erkundung von Untergrundbeschaffenheit durch Vermessung von seismische Wellen hervorgerufen durch Vibration oder Sprengung.
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Quelle:
Arbeitskreis Fracking
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Hydraulic Fracturing
Hydraulic Fracturing oder kurz Fracking ist eine Methode zur Erzeugung, Weitung und Stabilisierung von Rissen im Gestein einer Lagerstätte im tiefen Untergrund, mit dem Ziel, die Permeabilität (Durchlässigkeit) der Lagerstättengesteine zu erhöhen. Dadurch können darin befindliche Gase oder Flüssigkeiten leichter und beständiger zur Bohrung fließen und gewonnen werden.
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Beim Fracking wird durch eine Bohrung, unter hohem Druck von typischerweise mehreren hundert Bar eine Flüssigkeit („Fracfluid“) in den geologischen Horizont, aus dem gefördert werden soll, gepresst. Als Fracfluid dient Wasser, das zumeist mit chemischen Zusätzen und Stützmitteln, wie z. B. Quarzsand, versetzt ist. Üblicherweise werden zunächst im Zielhorizont mehrere abgelenkte Bohrungen (Laterale) mittels Richtbohren angelegt, wobei der Bohrkopf schichtparallel geführt wird. Dadurch ist die zur Verfügung stehende Bohrlochlänge in der Lagerstätte wesentlich größer, was generell die Ausbeute der Förderung erhöht. Zum Einsatz kommen beim Hochvolumen-Hydrofracking große Flüssigkeitsmengen mit mehr als 1000 m³ pro Frackphase bzw. insgesamt mehr als 10.000 m³ pro Bohrloch.
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Seit Ende der 1940er Jahre wird Fracking vor allem bei der Erdöl- und Erdgasförderung sowie bei der Erschließung tiefer Grundwasserleiter für die Wassergewinnung und der Verbesserung des Wärmetransportes bei der tiefen Geothermie eingesetzt. In den letztgenannten Anwendungsfällen werden keine Stützmittel oder chemischen Zusätze benötigt.
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Während in den ersten Jahrzehnten Fracking vor allem in der Spätphase der Förderung aus einer konventionellen Erdöl- oder Erdgaslagerstätte angewendet wurde, wird seit Anfang der 1990er Jahre und insbesondere in den USA ab etwa dem Jahr 2000 verstärkt sogenanntes unkonventionelles Erdöl und Erdgas (u.a. „Schiefergas“) mittels Fracking gefördert, was einen Boom zur Folge hatte. Dies hat den dortigen Energiemarkt erheblich verändert und sorgte für ein aktuelles Erdgas-Überangebot mit Preisverfall auf dem US-Markt, so dass die Rentabilität des Verfahrens bereits in Frage gestellt wurde. Die US-Regierung unterstützt daher seit etwa 2013 Bestrebungen zum verstärkten Export von Flüssigerdgas nach Europa und Japan, unter anderem mit beschleunigten Genehmigungsverfahren.
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Während einige Stimmen diese geostrategische Komponente durch die Veränderung der internationalen Abhängigkeiten betonen, führen die Umweltrisiken und mögliche Gesundheitsgefahren des „Fracking-Booms“ vor allem in Europa zu einer kontrovers geführten und noch andauernden fachlichen, politischen und gesellschaftlichen Debatte. Einige Länder und Regionen haben Erdgas-Fracking auf ihrem Gebiet gesetzlich verboten.
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Wikipedia
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Umweltauswirkungen von Fracking bei der Aufsuchung und Gewinnung von Erdgas insbesondere aus Schiefergaslagerstätten
Teil 2 – Grundwassermonitoringkonzept, Frackingchemikalienkataster, Entsorgung von Flowback, Forschungsstand zur Emissions- und Klimabilanz, induzierte Seismizität, Naturhaushalt, Landschaftsbild und biologische Vielfalt
Im Auftrag des Umweltbundesamtes
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Quelle:
Umweltbundesamt – PDF [629 Seiten]
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Fracking mal aus anderer Sicht – Panorama vom 04.09.2014
Durch die Ukraine-Krise werden die Fracking-Risiken bei Panorama verharmlost. Die letzten Sekunden sind die WIRKLICHE Wahrheit über diese Reportage.
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korrespondierende Archiv-Beiträge

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vorläufige Bewertung
Zugegeben, es mag für viele LeserINNen schon eine Zumutung sein, sich durch all diese Informationen durchzuarbeiten.
Wer jedoch jenseits von so häufig vorzufindenden eindimensionalen Behauptungen bei entsprechenden Debatten durch profunde Kenntnisse unterlegte eigene Standpunkte vertreten möchte und die Zukunft unserer Kinder und Enkel pro-aktiv mitgestalten will, sollte sich -oft im Gegensatz mit unseren gewählten Volksvertretern- mit diesem Themenkomplex gründlich auseinandersetzen.
In einem weiteren Beitrag wird auf die aktuellen Fracking-Gesetzesinitiativen einzugehen sein.
Viel Freude bei der Erschließung neuer Horizonte.
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Ihr Oeconomicus
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Bergbauparadies Australien

Bergbauparadies Australien

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Australien birgt große Reserven an Kohle, Eisenerz, Bauxit, Gold, Uran, Nickel, Diamanten, Magnesium, Zink, Blei, und vielen andere wertvolle Mineralien, darunter auch einige Seltene Erden, deren Hauptlieferant China immer mehr den Daumen auf die Förderung hält. Abgesehen von China ist derzeit nur der Kongo von Bedeutung.
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Mit riesigen Mineralienvorkommen und geringem Widerstand gegen die rasante Entwicklung des Bergbaus seitens der Bevölkerung ist Australien ein Paradies für Bergbaugesellschaften – besonders in Anbetracht der Stabilität und Kooperationsbereitschaft der Regierung und der Nähe der rapide wachsenden Märkte. Selbst die furchtbare Hitze der Wüste kann im Inneren der klimatisierten Kabinen der riesigen Abbaumaschinen auf Distanz gehalten werden. Hersteller ist übrigens Thyssen-Krupp mir ihrer Erfahrung beim Braukohleabbau bei uns. Schaufel und Hacke sind längst Reliquien der Geschichte.
Mineralien machen rund 20% des Export-Einkommens aus. Hier wiederum ist der fremde Einfluss sehr stark, da ca. 45% der Abbauindustrie in ausländischer Hand liegen.
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Australien ist der weltgrößte Exporteur von Kohle und deren sechstgrößter Produzent. Die hohe Qualität der australischen Kokskohle machte sie äußerst beliebt bei japanischen Stahlkochern und bewirkte nach Fukushima eine noch höhere Nachfrage.
Das zukünftige Wachstum mag im Kohledampf liegen, da asiatische Länder versuchen, ihren Energiebedarf mit kohlebetriebenen Werken zu decken. Mit Australiens großem Kohlevorkommen, das von Anthrazit bis Braunkohle reicht, kann das Land beiderlei Nachfragen befriedigen.
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Das ist toll, denn so kann Japan wieder mehr produzieren, wir können kaufen, werden glücklich, und kaufen aus lauter Zufriedenheit gleich noch mehr.
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Das Land ist der zweitgrößte Exporteur von Eisenerz, einer der größten Goldproduzenten der Welt und besitzt zudem riesige Öl- und Erdgasreserven. Wolfram ist schon seit der Kolonialzeit ein wichtiger Exportartikel. Es gibt reichliche Nickelvorkommen nahe Kalgoorlie und in anderen Teilen des Landes. Blei, Zink und Kupfer sind ebenfalls reichlich vorhanden. Überdies wurden viele weitere Mineralien entdeckt und gefördert. Ein riesiges Diamantenvorkommen wurde 1979 in der Region um Kimberly entdeckt und macht Australien seitdem, mit Anteilen von rund einem Drittel an der Weltproduktion, zum Hauptlieferanten von Diamanten.
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Wozu man die haben und die Erde verwüsten muss, ist allerdings unklar. Essbar sind sie nicht.
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Obwohl Australien einer der Hauptlieferanten von Uran ist, hat es keine Atomkraftindustrie, Der High Flux Australian Reaktor (HIFAR), der 1960 seinen Dienst nahe Sydney aufnahm, wird seit 1979 ausschließlich zur medizinischen und industriellen Forschung genutzt. Inwiefern sich nun die Atomkatastrope in Japan durch Wind und Meeresströmungen auswirken wird, bleibt abzuwarten.
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Trotz des Beitrags des Bergbaus zur Konjunktur Australiens verlief die Entwicklung nicht ohne Kontroversen. Die hohen Anteile der ausländischen Eigentümerschaft und Mitbestimmung, die Auswirkungen auf die Umwelt, das Landrecht der Eingeborenen sowie der rasche Verbrauch von nicht erneuerbaren Energien haben öffentliches Aufsehen und Ärgernis erregt.
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So wie viele Länder der Dritten Welt machte Australien Verluste durch die Ausfuhr unverarbeiteteter Rohstoffe, so dass der durch die Veredelung erzielte Hauptgewinn an ausländische Firmen floss. Daher die Bemühungen, eine örtliche Aluminiumindustrie aufzubauen, nachdem 1980 auf der Cape York Halbinsel die weltgrößten Bauxitablagerungen entdeckt wurden.
Gewinnung im Tageabbau mit riesigen Maschinen ist eine der Hauptabbaumethoden in Australien. Die dazu eingesetzten Geräte sind gigantisch. Kipplaster mit einer Fracht von 200 t werden, zunehmend rund um die Uhr, bei der Kohle- und Eisenerzgewinnung verwendet.
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Beträchtliche Öl- und Erdgasdepots wurden in den letzten Jahren entdeckt und bedingten, zusammen mit der Nachbarschaft zum energiehungrigen Asien, die Herausbildung eines neuen Industriezweigs – dem Transport und der Förderung von verflüssigtem Erdgas.
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Das Projekt zur Herstellung des Gaskondensats auf dem nordwestlichen Festlandsockel Westaustraliens ist das größte in der Landesgeschichte mit einem Aufwand von mehr als 12 Milliarden australischen Dollar. Auch für Europa könnte australisches Flüssiggas bedeutsam werden, denn Europa sucht Wege, um sich von russischen Gaslieferungen unabhängiger zu machen. Der Plan von der Nabucco Öl-Pipeline von Aserbaidschan nach Europa, die die russische Einflusssphäre umrunden soll, wurde durch widerstrebende Interessen Russlands, dem Transitland Türkei sowie auch inländischen Importeuren, die langfristige Verträge mit Russland haben, torpediert und wurde beerdigt.
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Die Öffnung neuer Seewege durch den Klimawandel würde den langen Seeweg von Australien um das Kap der Guten Hoffnung entbehrlich machen und um Tausende von Kilometern verkürzen, da die Tanker über die Nordostpassage, an Sibieriens Küsten vorbei, Europa erreichen könnten. Allerdings betrachtet Russland die Passage als „seinen“ Wasserweg, ähnlich wie es die Kanadier mit der Nordwestpassage halten.
Problem beim Flüssiggas:
ein Viertel Energieverlust und teure LNG-Terminals. Bislang beziehen nur Frankreich und Spanien nennenswerte Mengen, und zwar aus Katar.
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Und so wird fleißig gefrackt, s. Youtube „60 Minutes Australia – Fracking – The Coal Seam Gas Land Grab“ (Die Links wechseln gelegentlich), in Queensland, im Südosten und im Westen.
Auch „Gasland II“, „A Partial Peek At Gasland“, von Joe Fox zeigt eine hübsche Szene in Queensland mit einer „brennenden“ Wasserbohrung.
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2010 rief das US State Department mit der Außenministerin Hillary Clinton eine weltweite Initiative zur Ausbeutung von Schiefergas in über 30 Ländern ins Leben (Global Shale Gas Initiative), mit Abkommen von Regierung zu Regierung, „um den Ländern bei der Entwicklung zu helfen“. So wird Australien also unter die Arme gegriffen und fleißig Gift in den Boden gepumpt.
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Viele Mineralablagerungen befinden sich allerdings in von den Eingeborenen bevölkerten Gebieten. Australiens Geschichte wurde schon unzählige Male Zeuge von Disputen über das Landrecht.
Wie´s dann ablief, zeigt Kimberley 1979:
Enteignung und Zwangsumsiedlung. Dies in einem Land, das seine Soldaten in andere Teile der Welt entsendet, um dort Freiheit und Demokratie zu sichern.
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Landrecht der Aborigines – Mabo-Gesetze
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Ein Volksentscheid von 1967 legte mit 90% Zustimmung die Befugnis der Bundesregierung fest, Gesetze im Interesse der Aborigines zu verabschieden. Im Anschluss daran wurde der Aboriginal Land Rights (Northern Territory) Act von 1976 eingeführt, welcher ca. 35% des Landes, inklusive dreier Nationalparks, den Aborigines übereignete. Gesetzgebung der einzelnen Bundesstaaten hat die Landrechte der Aborigine-Gemeinschaften im Verlauf der letzten 20 Jahre überdies zusätzlich erweitert.
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Einem Gerichtsentscheid von 1992 (Mabo-Entscheidung) zufolge werden Landesbesitzverhältnisse von vor 1788 als noch immer wirksam anerkannt, sofern diese nicht ausdrücklich auf andere Parteien übergegangen waren. Im Anschluss an diese Entscheidung wurde im Dezember 1993 der „Native Title Act“ verabschiedet, der sowohl die Rechte von Aborigines als auch die anderer Bürger sichert. Diese neue Gesetzgebung wurde als Durchbruch in Bezug auf die Rechte der Eingeborenen begrüßt, überschattete jedoch den australischen Bergbau. Dennoch wird erwartet, dass das wirtschaftliche „Nationalinteresse“ sich dort durchsetzen wird, wo der Abbau großer Mineralfelder betroffen ist.
Quelle:
down-under.org
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Das stille Wirken der Rohstoff-Giganten

Das stille Wirken der Rohstoff-Giganten
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Etwas plakativ illustrieren heute die Wirtschaftsgazetten ‚Die neue Macht der Rohstoffhändler-Riesen‘ mit dem Hinweis auf US$ 816 Mrd. Einnahmen der vier größten Rohstoffhändler des Planeten.
Die Rede ist von Vitol, Glencore, Cargill und Trafigura, die einer breiten Öffentlichkeit eher unbekannt sein könnten und deren stilles Wirken nun vermehrt auf Kritik stösst .. oder anders ausgedrückt, Begehrlichkeiten weckt.
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Wer sich bisher noch nicht näher mit diesen weltweit operierenden Giganten beschäftigt hat, wird vermutlich ganz neue Sichtweisen über die potentiellen Konkurrenten altbekannter Kapitalsammelstellen gewinnen.
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Bereits im Januar 2014 wurde hier im Blog auf eine eindrucksvolle Doku zu den geheimen Deals der Rohstoffhändler aufmerksam gemacht, in welcher schlüssig die Funktionsweise des internationalen Rohstoffmarkts mit Folgen auf wirtschaftlicher, politischer und welternährungstechnischer Ebene aufdeckt wurden.
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Ihr Oeconomicus

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korrespondierender Beitrag:
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Die kleineren Mitspieler im Bergbau
Im wilden Westen Australiens treffen sich jährlich Tausende «Diggers» und «Dealers».
Die Konferenz ist ein Schaufenster für die unzähligen kleineren und weniger bekannten Mitspieler im Bergbausektor – und ein Gradmesser für dessen Befindlichkeit.
[…]
Heidi Gmür – NZZ

Bergbautrends 2014

Die wichtigsten Rohstoff-Fördergebiete der Erde


CC – Urheber: Ökologix

Wo befinden sich die wichtigsten Rohstoff-Fördergebiete der Erde?
Wenn Sie eine Kopie dieser Karte „frei verschiebbar“ im Großformat (5,6 MB)
mit gleichzeitig sichtbarer Legende betrachten möchten, folgen Sie diesem Link

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Teil 1 – Einstellen auf neue Zeiten

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2014 wird für die Bergbaubranche eine Reihe von Herausforderungen bringen. Die Preise für die meisten Rohstoffe sind gesunken, gleichzeitig sind die Kosten für Personal, Energie, Explorationsarbeiten, Wartung etc. angestiegen. Auf der Strecke bleiben die Profitabilität sowie die extensive Suche nach neuen Rohstofflagerstätten. Unternehmen kennen vor allem einen Weg, um die Probleme zu verringern, man reduziert die Kosten auf althergebrachte Art.
Die Experten von Deloitte untersuchen seit Jahren die Bergbaubranche und zeigen in ihrer aktuellen Studie Trends für das neue Jahr auf. Sie geben Hinweise, wie sich die Situation verbessern kann und erläutern, wo die Unternehmen ansetzen müssen.

Deutlich ist, dass die Produktivität vieler Minen sinkt. Das drückt auf die Margen und auf die Gewinne. In schwierigen Zeiten bauen Unternehmen vor allem solche Gesteinsformationen ab, in denen sich höhergradige Erze befinden. Für die Zukunft ist dies negativ, da man eigentlich eine Mischkalkulation von höher- und niedriggradigen Erzschichten abbauen sollte.
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Bergbautrends, Teil 1 by Miningscout – Erwin Matula

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Teil 2 – Das Spiel von Angebot und Nachfrage

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Das Wachstum in China ist nicht mehr ganz so stark wie in früheren Jahren. Das beeinflusst die Nachfrage nach Rohstoffen. Zugleich setzt das asiatische Land mehr auf Eigenversorgung. Der Bedarf von außen bleibt dennoch hoch, wird jedoch von der Förderung im eigenen Land mehr und mehr bestimmt. Das hat Folgen auf das Orderverhalten Chinas. In ihrer jährlichen Studie gehen die Experten von Deloitte auch diesem Aspekt nach und zeigen auf, welche Folgen dies für die Branche haben kann.
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Bergbautrends, Teil 2 by Miningscout – Erwin Matula

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Teil 3 – Die Kosten und der Wettbewerb

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Die Kostenspirale im Bergbausektor dreht sich immer weiter. Sie drückt auf die Margen, sie reduziert die Gewinne der Bergbaukonzerne. Dabei werden die großen Companies von ihren Aktionären immer stärker dazu angehalten, Werte zu schaffen, auf den Aktienkurs zu achten, vernünftige Dividenden auszuschütten. Die Unternehmenslenker stehen somit zunehmend unter Druck.
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Bergbautrends, Teil 3 by Miningscout – Erwin Matula

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Teil 4 – Die große Frage nach dem frischen Geld

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Ein Trend des Jahres 2013 ist auch ein Trend für 2014: Die Finanzierungsfrage. Dabei werden sowohl Anleger als auch Finanzvorstände bisweilen aufstöhnen. Einerseits ist zwar Geld vorhanden, andererseits haben viele Gesellschaften Probleme, sich frisches Kapital zu besorgen. Dabei spielt es keine große Rolle, ob man in Australien, Kanada oder Südafrika aktiv ist, das Problem ist global angesiedelt.
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Bergbautrends, Teil 4 by Miningscout – Erwin Matula

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Teil 5 – Die Frage der Investitionen

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Förderung um jeden Preis ist heute nicht mehr die Devise von Bergbaukonzernen. Man wird sehr viel wählerischer und legt auch einmal Projekte still, die keinen oder nicht genügend Gewinn abwerfen. An der Börse beobachten die Anleger diesen Trend sehr genau und reagieren entsprechend.
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Bergbautrends, Teil 5 by Miningscout – Erwin Matula

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Teil 6 – Nichts geht ohne die lokale Bevölkerung

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Bergbauprojekte werden häufig von der lokalen Bevölkerung kritisch gesehen. Trotz einer Genehmigung der Regierung gibt es an der Basis Proteste. Bewohner umliegender Orte fühlen sich häufig übergangen. Man hat nicht mit ihnen geredet, hat sie nicht informiert, sie sehen für sich keine Vorteile in den neuen Projekten. Das kann gravierende Folgen für die Pläne der Konzerne haben. Entsprechende Proteste ziehen sich über alle Kontinente.
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Bergbautrends, Teil 6 by Miningscout – Erwin Matula

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Teil 7 – Regierungen werden zum Problemfall

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Die Beziehungen zwischen Bergbaugesellschaften und Regierungen haben sich in den letzten Monaten in vielen Regionen verschlechtert. Mehr und mehr Regierungen sehen Minenkonzerne als Melkkühe an, mit denen man den Haushalt sanieren kann. Die Möglichkeiten gehen dabei von neuen Auflagen über neue Steuern bis hin zur Verstaatlichung ganzer Projekte.
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Bergbautrends, Teil 7 by Miningscout – Erwin Matula

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Teil 8 – Betrug und Korruption

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Das Kartellamt in Deutschland hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von Geldbußen ausgesprochen, weil Unternehmen Preisabsprachen getroffen haben. Immer wieder hört man auch von DAX-Konzernen, die Entscheidungsträger geschmiert haben, um an Aufträge zu kommen. Keine Branche ist wirklich porentief rein, überall gibt es weiße und schwarze Schafe. Das trifft auch auf die Bergbaubranche zu.
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Bergbautrends, Teil 8 by Miningscout – Erwin Matula

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Teil 9 – Die Todesgefahr unter Tage

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Arbeit wird immer sicherer. Wenn man sich die Statistiken der Industriebranche ansieht, so hat sich die Zahl der Unfälle von 1993 bis 2011 um 51 Prozent verringert. Die Zahl der tödlichen Vorfälle ging um 24 Prozent zurück. Diese Zahlen beziehen sich jedoch auf alle Industriezweige. Wenn man sich nur die Daten für die Bergbaubranche ansieht, so sind die Zahlen bei weitem nicht so optimistisch. Es ereignen sich nach wie vor zu viele Unfälle, zu viele davon enden tödlich.
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Bergbautrends, Teil 9 by Miningscout – Erwin Matula

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Teil 10 – Die Suche nach fähigen Mitarbeitern

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Die Personalsituation in der Bergbaubranche sieht alles andere als gut aus. Vor allem bei den Facharbeitern und hoch qualifizierten Mitarbeitern zeigen sich Lücken. Eine Statistik aus Kanada macht die Situation deutlich. Dort sind rund 40 Prozent der Arbeiter und Angestellten in der Minenbranche 50 Jahre und älter. Verschärft wird die Situation dadurch, dass bis 2022 jeder Dritte in Rente geht. Nachwuchs ist nur bedingt in Sicht. Die Qualifizierung von Mitarbeitern ist eine Priorität für die Zukunft. Diese Zahlen aus Kanada lassen sich auch auf andere Länder übertragen. Der Fachkräftemangel entwickelt sich zum globalen Problem.
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Bergbautrends, Teil 10 by Miningscout – Erwin Matula

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Erstmals stimmten Bewohner einer kolumbianischen Gemeinde über Bergbauaktivitäten ab

Wasser ist wertvoller als Gold
Erstmals stimmten Bewohner einer kolumbianischen Gemeinde über Bergbauaktivitäten ab
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Die stark gestiegenen Rohstoffpreise haben in vielen Regionen der Welt in den letzten Jahren einen wahren Förderboom ausgelöst. Eine kleine Andengemeinde sagt jetzt »Nein«.
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In Kolumbien schreibt eine kleine Gemeinde Bergbaugeschichte. Zum ersten Mal fand eine Volksbefragung über Minenprojekte und ihre Folgen statt. Mit 2971 Nein-Stimmen bei gerade mal 24 Ja-Stimmen sprachen sich die Einwohner von Piedras in der zentralwestlichen Provinz Tolima gegen jegliche Bergbauaktivitäten auf ihrem Territorium aus.
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Das Ergebnis ist bindend, da sich mehr als ein Drittel der Stimmberechtigten beteiligte. Die Frage, die zur Abstimmung stand, war ein 110 Worte umfassender Satz, in dem ausführlich nach dem Einverständnis zum Bergbau im großen Stil, zum Einsatz von Zyankali, zum Wasserverbrauch und den Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung gefragt wurde.
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Anlass zur Besorgnis bietet die geplante Goldmine La Colosa der Bergbaufirma Anglogold Ashanti. Der südafrikanische Konzern ist nach eigenen Angaben drittgrößter Goldproduzent der Welt. Die Kritik an den Aktivitäten von Anglogold Ashanti ist nicht neu: 2011 erhielt der Konzern nach Berichten über Umweltzerstörungen, Menschenrechtsverletzungen und katastrophale Arbeitsbedingungen beim Goldabbau in Ghana den Schmähpreis »Public Eye Awards«.
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Die Volksbefragung wird den Bau der Goldmine nicht verhindern. Die Regierung hatte erst kürzlich angeordnet, dass Städte und Gemeinden Bergbau auf ihren Territorien nicht verbieten können. Die Bevölkerung von Piedras hat jedoch einen Präzedenzfall geschaffen, mit dem die Gültigkeit der Regierungsentscheidung in Frage gestellt ist.
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Jürgen Vogt, Buenos Aires – AG Friedensforschung
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Arbeitskampf – Platinabbau bei größtem Produzenten liegt lahm

Arbeitskampf im südafrikanischen Bergbau geht weiter
Platinabbau bei größtem Produzenten liegt lahm
50.000 Bergarbeiter streiken in Südafrikas Platinminen. Es geht um höhere Löhne und menschenwürdigere Arbeits- und Lebensbedingungen vor Ort, doch die gewalttätigen Auseinandersetzungen und die hohen Platinpreise versetzen auch die deutsche Wirtschaft in Sorge.
dradio
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Ergänzungen
Amplats workers refuse to accept dismissals
Mail & Guardian, ZA
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Industrielle Verwendung von Platin

File:Platinum nuggets.jpg

PLATINUM NUGGETs – Bildrechte: gemeinfrei
HERAEUS-Infoblatt zur Anwendung von Platin
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follow-up, 28.04.2016
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BASF und seine Verantwortung für das Massaker von Marikana
In Marikana in Südafrika wurden 2012 streikende Bergarbeiter der Firma Lonmin erschossen.
Ihr wichtigster Kunde: der Konzern BASF.
Für den deutschen Chemiekonzern lässt der Bergwerkskonzern Lonmin Platin abbauen. BASF benötigt das Edelmetall für den Bau von Katalysatoren. Ein Zusammenhang, den die Medien vernachlässigten.
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