Julius Bär im Visier der französischen Justiz

Die französischen Justizbehörden haben bereits im Juni Anklage gegen die Privatbank Julius Bär erhoben.
Das Institut stecke mutmaßlich in einem riesigen Mehrwertsteuerbetrug auf dem Markt für Emissionsrechte von Kohlendioxid (CO2) drin, berichtete die Nachrichtenagentur AFP am Freitag unter Berufung auf informierte Quellen.
Konkret werde Julius Bär der Geldwäsche verdächtigt, heisst es weiter.

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von Briefkastenfirmen, Datenleaks und Gefahren für die Demokratie

Mechanismen der weltweit agierenden Steuervermeidungs-Industrie

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Steueroasen in der Karibik sind wahre Schatzinseln. Die EU schätzt, dass ihr jedes Jahr etwa eine Billion Euro durch die Lappen geht. Der Verlustanteil für Deutschland soll bei 160 Milliarden Euro liegen. Das ist mehr als die Hälfte des aktuellen Bundeshaushaltes. Die Steuervermeidungsindustrie arbeitet komplex und undurchsichtig, die Grenzen zwischen legal und illegal sind fließend. Jetzt gewährt das internationale Rechercheprojekt Offshore-Leaks Einblicke in ein ungeheuerliches System, das das Gemeinwohl untergräbt. „Auch wenn der Volkswille da ist“, sagt ein ehemaliger Bankmanager in der Karibik, „wird sich die Politik kaum durchsetzen können.“

Der Autor Jörn Klare sammelte bei seinen Recherchen, die ihn bis auf die Cayman Islands führen, unterschiedlichste Stimmen zur globalen Herausforderung sogenannter Offshore-Finanzplätze.

Die Verwerfungen der Steuervermeidungspraktiken sind beträchtlich.
So wirbt eine Hamburger Anwaltskanzlei für „Wo-kein-Kläger -da-kein-Richter-Gesellschaften“ in den Steueroasen dieser Welt.

Ein Journalist recherchiert in einer Offshore-Leaks-Datenbank und zeigt, wer mit wem irgendwo in der Welt vermeintlich anonyme Geschäfte gemacht hat. Ein Mann, der auf den British-Virgin-Islands für 2000 Euro eine Briefkastenfirma kaufte und anonym bleiben will, schimpft auf die Steuerverschwendung der Politik.

Ein Experte führt aus, was die Krise Griechenlands und die Rolling Stones mit Steuerparadiesen in der Karibik zu tun haben, und warum diese unsere Demokratie gefährden.

Auch die Deutsche Bank mischt mit. Sie unterhält auf den Cayman Islands 105 Unternehmen und Beteiligungen, will sich dazu aber auf keinen Fall äußern. Dafür stellt der Sprecher der dortigen Finanzindustrie mit einem Lächeln fest, dass das System versagt habe.

Der Präsident der Universität auf den Caymans ist hingegen wütend, dass seine Heimat Blutgeld von Diktatoren annimmt. Und ein Schweizer Ex-Banker, der auf den Caymans gearbeitet hat, erklärt, wie er auch für deutsche Kunden Steuern hinterzogen hat. Schließlich fällt einem Finanzpolitiker in der deutschen Hauptstadt nicht viel mehr ein, als an die Moral der Wirtschaftsbosse zu appellieren.

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NDR – Jörn Klare – Podcast [52:27 Min]

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Interview mit Rudolf Elmer
«Wer Millionen auf die Caymans einzahlt, schläft nicht gut»
tagesanzeiger.ch

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