Neue Coronavirus-Surveillanceverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit


Neue Coronavirus-Surveillanceverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit

Um einen besseren Überblick über die in Deutschland zirkulierenden Varianten des Coronavirus zu bekommen, fördert die Bundesregierung die bundesweite Genomsequenzierung der Viren. Mit Hilfe der Sequenzdaten kann die Evolution der Viren und das Auftreten neuer Varianten frühzeitig entdeckt werden. Auch der Eintrag neuer Varianten aus dem Ausland kann so zeitnah festgestellt werden.

Bereits im vergangenen Jahr hat das Gesundheitsministerium begonnen, den Aufbau einer solchen molekularen Surveillance (zu deutsch: Überwachung) von SARS-CoV-2 zu fördern. Hierfür wurde ein bundesweites Netzwerk von Laboren aufgebaut, die positiv auf SARS-CoV-2 getestete Proben zur Genom­sequenzierung an das Robert Koch-Institut (RKI) oder an das Konsiliarlabor für Coronaviren an der Charité einsenden.

Zudem wurde die SARS-CoV-2 Surveillance auch in die Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft Influenza integriert. Hier kann ein Netzwerk von bundesweit repräsentativ verteilten Arztpraxen Proben von Patienten mit grippeähnlichen Symptomen an das Robert Koch-Institut zur Bestimmung des Erregers einsenden. Seit Februar 2020 werden die dabei gefundenen SARS-CoV-2 positiven Proben auch sequenziert.

Um das Ziel der bundesweit flächendeckenden molekularen Surveillance weiter voranzutreiben, ist es wichtig, die Anzahl der Genom­sequenzierungen von Coronaviren in Deutschland sowie das Spektrum der beteiligten Akteure weiter zu erhöhen. Zudem müssen sämtliche in Deutschland gewonnen Sequenzdaten an einer zentralen Stelle gesammelt und ausgewertet werden. Dieses Ziel wird mit der neuen Coronavirus-Surveillanceverordnung des Bundesgesundheitsministeriums verfolgt, die am 19. Januar 2021 in Kraft tritt.

Schon jetzt gibt es ein Netzwerk an Laboren, das Mutationen des Corona-Virus analysiert. Aber das reicht in der aktuellen Lage nicht, um ein genaues Lagebild zu erhalten. Wir wollen noch besser nachvollziehen können, wo sich bekannte Mutationen verbreiten und ob es neue Mutationen gibt. Dafür fördern wir die Laboranalyse finanziell, vernetzen die Akteure und führen die Ergebnisse beim RKI zusammen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn

Die wesentlichen Regelungen sind:

  • Laboratorien und Einrichtungen, die Sequenzierungen von SARS-CoV-2 vornehmen, sind verpflichtet, die erhobenen Genomsequenzdaten an das Robert Koch-Institut zu übermitteln.
  • Einrichtungen und Laboratorien, die eine SARS-CoV-2 Diagnostik durchführen, jedoch selbst keine Genomsequenzierung vornehmen, können einen bestimmten Anteil der positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Proben in andere Laboratorien und Einrichtungen zur Durchführung der Sequenzierung einschicken. In diesem Fall werden Versandkosten erstattet.
  • Der Anteil der positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Proben, die an sequenzierende Laboratorien und Einrichtungen eingesendet werden können, hängt ab von der bundesweiten Anzahl der Neuinfektionen in der jeweils vergangenen Kalenderwoche. Übersteigt diese Zahl 70.000, so können fünf Prozent der positiv getesteten Proben zur Sequenzierung eingesendet werden. Bei einer niedrigeren Zahl an Neuinfektionen erhöht sich dieser Anteil auf zehn Prozent.
  • Für die Übermittlung der Genomsequenzen haben die sequenzierenden Laboratorien und Einrichtungen einen Anspruch auf eine Vergütung in Höhe von 220 Euro pro Datenübermittlung.
  • Für die Übermittlung von SARS-CoV-2 Sequenzen der Proben, bei denen die sequenzierenden Laboratorien und Einrichtungen selbst die Diagnostik auf SARS-CoV-2 durchgeführt haben, ist dieser Anspruch (je nach der Zahl der bundesweiten Neuinfektionen in der jeweils vergangenen Kalenderwoche) auf fünf bzw. zehn Prozent der in der Einrichtung positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Proben beschränkt.
  • Im Rahmen von durch Landesgesundheitsbehörden oder dem RKI angeordneten oder durchgeführten Ausbruchsuntersuchungen kann eine Erstattung auch über den Anteil von fünf bzw. zehn Prozent der positiv getesteten Proben sowohl für die Übermittlung der Daten als auch für die Einsendung der Proben stattfinden.

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2 Kommentare on “Neue Coronavirus-Surveillanceverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit”

  1. Oeconomicus sagt:

    „…sondern um das Auffüllen einer Genom -Datenbank“

    Gut erkannt !

    Bereits vor einem Jahr, genau am 16.01.2020 ist Deutschland er EU-Genom-Initiative beigetreten.

    Diese Intitative steht den EU-, EWR- und EFTA-Ländern offen und wurde bisher von 21 Mitgliedstaaten und Norwegen unterzeichnet.
    Sechs Länder sind offizielle Beobachter: Belgien, Frankreich, Dänemark, Irland, Polen und die Schweiz.

    Die Initiative ist Teil der EU-Agenda für die digitale Transformation des Gesundheits- und Pflegewesens. Ihr Ziel ist es, zu besseren Ergebnissen im Gesundheitswesen beizutragen und die langfristige Nachhaltigkeit der Gesundheits- und Versorgungssysteme in der EU zu unterstützen, indem das Potenzial neuer digitaler Technologien, wie Großdatenanalyse, künstliche Intelligenz und Hochleistungsrechner, genutzt wird. Sie trägt direkt zur Umsetzung wichtiger politischer Prioritäten bei, wie dem Europäischen Raum für Gesundheitsdaten und dem Plan der Kommission, den Krebs zu besiegen.

    Selbstverständlich wird seitens der Initiative darauf hingewiesen, dass in diesem Zusammenhang der Datenschutz eine wichtige Rolle spielt.

    Ob dies die Verbände der Lebensversicherer, privater Krankenversicherer, etc „social score“-Bewegungen auch so sehen, mag jeder für sich selbst beantworten.

    Gefällt mir

  2. Freiwild sagt:

    „Genomsequenzierung“ na fein , dann wissen wir ja endlich, (war auch meine Vermutung ) als der Hersteller die Ungenauigkeit dieser Tests immer wieder gebetsmühlenartig in den öffentlichen Raum stellte , warum unsere „Spezialisten “ in Berlin, einfach nicht auf diese Tatsache reagierten .
    Bei den Tests scheint es nicht um „Positiv“ oder „Negativ“ zu gehen ,sondern um das Auffüllen einer Genom -Datenbank..
    Man darf diesbezüglich einfach nicht weiterdenken ,welche Folgen das für jeden Einzelnen dann mit sich bringen könnte !

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