Entwicklungshilfe, ein Instrument des Neo-Kolonialismus ?


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Entwicklungshilfe, ein Instrument des Neo-Kolonialismus ?
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Der 2015 mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnete Angus Deaton gilt als einer der schärfsten Kritiker von Entwicklungshilfepolitik.
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In einem aktuellen NZZ-Interview begründet er, warum Hilfe oft mehr Schaden als Nutzen anrichtet.
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Auszug:

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Professor Deaton, Sie haben im Lauf der Jahre eine zusehends kritischere Haltung zur Entwicklungshilfe eingenommen. Gab es dafür einen Auslöser?
„Ich arbeitete während der Reagan-Ära kurzzeitig für die Weltbank. Die US-Regierung machte damals der Weltbank das Leben schwer und wollte von ihr wissen, was sie Gutes für die Welt tue.
Also kamen alle Ökonomen der Organisation zusammen und verfassten eine gemeinsame Studie. Der Erfolgsausweis war schrecklich! Danach setzte ich mich vertieft mit dem Thema auseinander.“

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Wieso ist es denn so schwierig, ein Land von aussen zu entwickeln?
Es ist nicht schwierig, es ist unmöglich. Länder entwickeln sich von innen. Dazu braucht es eine Regierung und eine Bevölkerung, die gemeinsam auf Entwicklungsziele hinarbeiten. Regierungen müssen zum Beispiel ein gutes Gesundheits- und Bildungsangebot zur Verfügung stellen. Das Problem mit der Entwicklungshilfe zeigt sich vor allem dort, wo externe Gelder einen sehr grossen Teil der Staatsausgaben ausmachen, wie in vielen Staaten Afrikas. In diesen Fällen unterminiert Entwicklungshilfe systematisch den sozialen Kontrakt zwischen Regierung und Bevölkerung.

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Warum unterhöhlt Hilfe den Kontrakt?
„Weil es keine Verantwortlichkeit gibt oder die Verantwortlichkeit in die falsche Richtung läuft. Regierungen müssen gegenüber ihrer Bevölkerung in der Verantwortung stehen, nicht gegenüber der Weltbank, dem Währungsfonds oder anderen externen Organisationen. Wenn Schwedens Entwicklungshilfe in einem Land fehlschlägt, gibt es kein Feedback zwischen diesem Fehlschlag und Schwedens Bevölkerung. Wenn jedoch jemand in den USA einen Damm baut, der bricht, und Menschen überflutet werden, hat der Schuldige dafür einen demokratischen Preis zu zahlen.“
[…]
Thomas Fuster und Peter A. Fischer – NZZ
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korrespondierende Beiträge
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06.12.2015
Nobelpreisträger Angus Deaton warnt vor zu vielen Flüchtlingen
Deutschland werde bald „das Limit erreichen, das es überfordert„, sagte Deaton der „Welt am Sonntag“. Deutschland habe schon eine „enorme Zahl an Flüchtlingen“ aufgenommen.
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Deaton lobte, EU-Länder wie Deutschland nähmen ihre menschliche Verantwortung sehr ernst und verhielten sich vorbildlich. Trotzdem müsse die EU vorsichtig sein:
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„Zu viele Einwanderer werden Europa destabilisieren, das ist klar.
Kein Land nimmt unbegrenzt Flüchtlinge auf“
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Quelle:
Die Welt
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[Angus Deaton ist 2015 für seine Arbeiten zu Konsum, Armut und Wohlfahrt mit dem Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ausgezeichnet worden.
Der 1945 in Edinburgh geborene Schotte lehrt seit 1983 an der Princeton University und besitzt neben der britischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft.
Deaton hat die Entwicklungsökonomie der vergangenen Jahrzehnte massgeblich geprägt.
Sein akademisches Augenmerk gilt dabei nicht zuletzt den Messmethoden. So konnte Deaton etwa nachweisen, dass der Fokus auf Durchschnittswerte oft zu falschen Schlüssen führt.
Bücher:
Economics and Consumer Behavior (mit John Muellbauer), Cambridge University Press, New York 1980, ISBN 9780521296762
Understanding Consumption (Clarendon Lectures in Economics), Clarendon Press, Oxford 1992, ISBN 0198288247
The Analysis of Household Surveys: A Microeconometric Approach to Development Policy, Johns Hopkins University Press for the World Bank, Baltimore 1997, online unter documents.worldbank.org
The Great Escape: Health, Wealth, and the Origins of Inequality. Princeton University Press, Princeton 2013, ISBN 9781400847969]

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