Max Horkheimer – „Porträt eines Aufklärers“ (1969)


Max Horkheimer – „Porträt eines Aufklärers“ (1969)
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zur Einstimmung:
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„Die Beziehungen zwischen den führenden Politikern
wird von ganz anderen Dingen als von Recht und Unrecht bestimmt.

Das ist etwas, was mich an der Politik sehr erschreckt und deprimiert.“
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„Ich glaube, dass der Grund des Fanatismus mit der eine Gesinnung,
-welche es auch sei-
ob eine religiöse, eine politische oder eine soziale, daher kommt,
dass der Zweifel an ihr nicht mit ins Bewußtsein aufgenommen,
sondern verdrängt wird.“
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Max Horkheimer (aus dem Video-Porträt)
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und zu den Transatlantischen Wechselwirkungen schreibt Horkheimer:
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„Man muß eine Elite schaffen,
die ganz auf Amerika eingestellt ist.
Diese Elite darf andererseits nicht so beschaffen sein,
daß sie im deutschen Volk selber kein Vertrauen mehr genießt und als bestochen gilt.“
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Quelle:
„Transatlantische Wechselwirkungen – Der Elitenwechsel in Deutschland nach 1945“
(Berlin 2012)

Autor: Stefan Scheil (deutscher Historiker)
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Im Jahr 1930 wurde Max Horkheimer als Ordinarius für Sozialphilosophie an die Universität Frankfurt am Main und als Direktor an das Institut für Sozialforschung berufen.
Bereits in seiner Antrittsvorlesung hatte er das Programm skizziert, aus dem dann, in den 1930er-Jahren im amerikanischen Exil, die Kritische Theorie, die später weltberühmt gewordene „Frankfurter Schule“ entstand.
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Sein Verhältnis zur Studentenbewegung steht im Zentrum der Fragen, die Hellmuth Karasek und Kurt Zimmermann dem Philosophen in diesem Gespräch stellen.
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Portrait & Gespräch (mit Hellmuth Karasek – hr 1969)
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Passend zum Thema
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Theodor W. Adorno / Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung – Philosophische Fragmente
Für Friedrich Pollock
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Zur Neuausgabe
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„Die ‚Dialektik der Aufklärung‘ ist 1947 bei Querido in Amsterdam erschienen.
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Das Buch, das erst allmählich sich verbreitete, ist seit geraumer Zeit vergriffen.
Wenn wir den Band nach mehr als zwanzig Jahren jetzt wieder herausbringen, so bewegt uns nicht allein vielfaches Drängen, sondern die Vorstellung, daß nicht wenige der Gedanken auch heute noch an der Zeit sind und unsere späteren theoretischen Bemühungen weitgehend bestimmt haben.
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Kein Außenstehender wird leicht sich vorstellen, in welchem Maß wir beide für jeden Satz verantwortlich sind. Große Abschnitte haben wir zusammen diktiert; die Spannung der beiden geistigen Temperamente, die in der ‚Dialektik‘ sich verbanden, ist deren Lebenselement.
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Nicht an allem, was in dem Buch gesagt ist, halten wir unverändert fest. Das wäre unvereinbar mit einer Theorie, welche der Wahrheit einen Zeitkern zuspricht, anstatt sie als Unveränderliches der geschichtlichen Bewegung entgegenzusetzen.
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Das Buch wurde in einem Augenblick verfaßt, in dem das Ende des nationalsozialistischen Terrors absehbar war.
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An nicht wenigen Stellen jedoch ist die Formulierung der Realität von heute nicht mehr angemessen.
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Indessen haben wir den Übergang zur verwalteten Welt schon damals nicht zu harmlos eingeschätzt.
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In der Periode der politischen Spaltung in übergroße Blöcke, die objektiv dazu gedrängt werden, aufeinander zu prallen, hat das Grauen sich fortgesetzt.
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Die Konflikte in der Dritten Welt, das erneute Anwachsen des Totalitarismus sind so wenig nur historische Zwischenfälle, wie, der ‚Dialektik‘ zufolge, der damalige Faschismus es war.
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Kritisches Denken, das auch vor dem Fortschritt nicht innehält, verlangt heute Parteinahme für die Residuen von Freiheit, für Tendenzen zur realen Humanität, selbst wenn sie angesichts des großen historischen Zuges ohnmächtig scheinen.
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Die in dem Buch erkannte Entwicklung zur totalen Integration ist unterbrochen, nicht abgebrochen; sie droht, über Diktaturen und Kriege sich zu vollziehen.
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Die Prognose des damit verbundenen Umschlags von Aufklärung in Positivismus, den Mythos dessen, was der Fall ist, schließlich die Identität von Intelligenz und Geistfeindschaft hat überwältigend sich bestätigt.
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Unsere Konzeption der Geschichte wähnt nicht, ihr enthoben zu sein, aber sie jagt nicht positivistisch nach Information.
Als Kritik von Philosophie will sie Philosophie nicht preisgeben.
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Aus Amerika, wo das Buch geschrieben ist, kehrten in der Überzeugung wir nach Deutschland zurück, theoretisch wie praktisch mehr tun zu können als anderswo.
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Zusammen mit Friedrich Pollock, dem das Buch, wie seinerzeit zum fünfzigsten so heute zu seinem fünfundsiebzigsten Geburtstag gewidmet ist, haben wir das Institut für Sozialforschung in dem Gedanken wieder aufgebaut, die in der ‚Dialektik‘ formulierte Konzeption weiterzutreiben.
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Bei der Fortbildung unserer Theorie und den anschließenden gemeinsamen Erfahrungen hat uns Gretel Adorno, wie schon bei der ersten Fassung, im schönsten Sinn geholfen.
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Mit Änderungen verfuhren wir weit sparsamer, als bei Neuausgaben von Jahrzehnte zurückliegenden Büchern üblich ist. Wir wollten nicht retouchieren, was wir geschrieben hatten, nicht einmal die offenkundig inadäquaten Stellen; den Text voll auf den gegenwärtigen Stand zu bringen, wäre ohnehin auf nicht weniger hinausgelaufen als auf ein neues Buch.
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Daß es heute mehr darauf ankommt, Freiheit zu bewahren, sie auszubreiten und zu entfalten, anstatt, wie immer mittelbar, den Lauf zur verwalteten Welt zu beschleunigen, haben wir auch in unseren späteren Schriften ausgedrückt.
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Wir haben uns im wesentlichen mit der Berichtigung von Druckfehlern und ähnlichem begnügt.
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Durch solche Zurückhaltung wird das Buch zur Dokumentation; wir hoffen, es sei zugleich mehr.“
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Frankfurt am Main, April 1969
Max Horkheimer
Theodor W. Adorno
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Neuausgabe ‚Dialektik der Aufklärung‘ – PDF (133 Seiten)
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korrespondierende Beiträge
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20.04.2012
Die kritische Theorie der Frankfurter Schule
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