Bundesbank zur Zukunft des Bargeldes


Carl-Ludwig Thiele zur Zukunft des Bargeldes

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Auf einer Veranstaltung des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes in Berlin sprach Carl-Ludwig Thiele zum Thema „Die Zukunft des Bargelds“.
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Das Vorstandmitglied der Bundesbank gliederte seinen Vortrag wie folgt:

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Thiele Rede-Trankript
[Es gilt das gesprochene Wort]
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„Sehr geehrter Herr Präsident,
lieber Herr Fahrenschon,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

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für Ihre Einladung möchte ich mich zunächst herzlich bedanken. Ich freue mich, heute mit Ihnen über die Zukunft des Bargelds sprechen zu können.

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Die Diskussion über die Zukunft des Bargelds wird derzeit überlagert von den Themen Briefkastenfirmen, Panama, Steueroasen oder auch Steuergerechtigkeit. Hier sind viele Fragen offen, mit denen sich die Politik beschäftigen muss und beschäftigen wird.

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So hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erst vor zwei Tagen in Berlin hierzu Stellung genommen.

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Schon länger haben wir allerdings eine Diskussion über das Bargeld. Dabei überlagern sich verschiedene Motive. Manchen geht es darum, Transaktionen mit kriminellem Hintergrund einzudämmen, andere wollen die Schattenwirtschaft zurückdrängen oder Steuervermeidung erschweren. Einige Wissenschaftler haben aber noch weiter reichende Ziele formuliert. Sie fordern, das Bargeld gleich komplett abzuschaffen. Damit soll Notenbanken die Möglichkeit gegeben werden, negative Zinssätze für alle durchzusetzen. Ein Ausweichen in Bargeld war dann ja nicht mehr möglich.

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Vor diesem Hintergrund wird gegenwärtig im Eurosystem die mögliche Abschaffung der 500 Euro-Banknote diskutiert und gleichzeitig vom Finanzministerium gefordert, in Deutschland eine Grenze von 5.000 Euro für Bargeldzahlungen einzuführen.

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Bei dem Geld, um welches es in der Bargelddiskussion, bei der Diskussion um die Abschaffung der 500 Euro-Banknote oder um die Obergrenze für Bargeldzahlungen geht, geht es nicht um das Geld der Banken, der Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken, es geht um das Geld des Bürgers.

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Jeder Bürger hat das Recht, mit seinem Geld so zu verfahren, wie er möchte. Wenn an dieser Stelle in das Freiheitsrecht des Bürgers eingegriffen wird, muss dies gut begründet sein.

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Und deshalb stellt sich die Frage:
Wie hat eine Bargeldobergrenze in anderen Ländern Kriminalität eingeschränkt?
Mir ist nicht bekannt, dass in Ländern mit einer Bargeldobergrenze, etwa in Italien oder Frankreich, die Kriminalität entsprechend geringer wäre als in Ländern ohne Obergrenze.

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Jede Währung lebt vom Vertrauen. Sie wissen alle, wie schwer es ist, Vertrauen zu erreichen. Sie wissen aber auch, dass es relativ schnell geht, erworbenes Vertrauen wieder zu verlieren.

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Gleiches gilt in der Politik. Auch hier ist es nicht einfach, Vertrauen zu erwerben. Vertrauen kann auch schnell wieder verloren gehen.

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Vertrauen in der Politik ist wechselseitig. Der Bürger soll in die Politik vertrauen, der Staat soll allerdings auch seinen Bürgern vertrauen. Weil kriminelle Handlungen nicht nur mit Bargeld, sondern auch mit unbaren Zahlungsmitteln erfolgen können, sollte nicht jeder Bürger unter Generalverdacht gestellt werden. Der Staat sollte dabei von der Rechtstreue seiner Bürger ausgehen. Sollten allerdings kriminelle Aktivitäten erfolgen, so müssen diese Straftaten verfolgt und die Täter zur Verantwortung gezogen werden.

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Die Neue Zürcher Zeitung hat vor diesem Hintergrund die Frage aufgeworfen, „ob bald auch Handys verboten werden?“ Denn auch diese erleichterten schließlich Verbrechern ihre Straftaten. Dieses hat meines Wissens aber noch niemand gefordert – aus gutem Grund.

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Bevor ich zu den Verwendungszwecken des Bargeldes komme, möchte ich Ihnen zunächst den Unterschied zwischen Bargeld und dem unbaren Zahlungsverkehr, beziehungsweise einem Guthaben auf einem Konto erklären:

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Bargeld ist Notenbankgeld. Es ist das einzige gesetzliche Zahlungsmittel und Güter und Dienstleistungen können damit direkt Zug um Zug bezahlt werden. Das heißt, eine Ware oder eine Dienstleistung kann sofort und unmittelbar erworben werden.

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Unbarer Zahlungsverkehr:
Das Guthaben eines Bürgers auf einem Konto begründet einen Zahlungsanspruch des Bürgers gegen sein Kreditinstitut. Dieser Zahlungsanspruch kann allerdings Einschränkungen unterworfen werden. Dies konnte zum Beispiel im Sommer vergangenen Jahres in Griechenland oder vor drei Jahren in Zypern beobachtet werden.

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Insofern gibt es auch rechtlich einen klaren Unterschied zwischen Bargeld und Kontoguthaben. Deshalb ist die Diskussion über das Bargeld auch keine virtuelle, sondern eine reale Diskussion, die alle Bundesbürger angeht und betrifft.

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Lassen Sie mich zunächst einige Anmerkungen zur Bundesbank, zum baren und unbaren Zahlungsverkehr machen, sowie über die wesentlichen Aufgaben des Bargeldes einige Punkte ansprechen

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1 Verwendungszwecke von Bargeld

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Ich möchte mit etwas Statistik beginnen:

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Zur Einführung des Euro als Bargeld zum 1. Januar 2002 waren 220 Milliarden Euro im Umlauf. Drei Jahre später, Ende 2004, waren es schon 500 Milliarden und Ende 2014 betrug der Umlauf an Euro-Banknoten fast 1.100 Milliarden Euro.

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Davon hat die Bundesbank etwa 550 Milliarden Euro emittiert. Umgerechnet auf die Bevölkerung Deutschlands entfallen damit mehr als 6.700 Euro auf jeden Bundesbürger. Doch ein Blick ins heimische Portemonnaie bzw.Sparschwein zeigt:
Diese Summe wird in den meisten Fällen dort nicht zu finden sein. Dies liegt daran, dass der Löwenanteil des von der Bundesbank emittierten Bargelds – circa 70 Prozent – ins Ausland abgeflossen ist, entweder im Rahmen des internationalen Sortenhandels, durch Bargeldmitnahmen ausländischer Arbeitnehmer oder schlicht durch den Tourismus.

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Nur 30 Prozent des gesamten Banknotenumlaufs werden in Deutschland verwendet; nach unseren Schätzungen zwei Drittel davon als Hortungsbestände. Hinsichtlich des Umfangs der Hortung bestehen naturgemäß große Unsicherheiten, da die Menschen ungern darüber Auskunft geben, wie viel Bargeld sie aufbewahren. Bei Befragungen lassen sich meist nur Untergrenzen für die Hortungsbestände ermitteln. Obwohl wir den exakten Prozentsatz bzw. die exakte Summe des gehorteten Bargelds nicht kennen, ist dennoch klar:
die Wertaufbewahrungsfunktion ist ein wichtiger Verwendungszweck für Bargeld. Für viele Menschen gilt der Grundsatz:
„Nur Bares ist Wahres“.
Dies gilt gerade in unsicheren Zeiten, in denen die Bevölkerung physisch greifbares Geld einer Notenbank halten möchte, statt Forderungen gegenüber einer Geschäftsbank zu haben. Zur Erinnerung: Während der Lehman-Krise im Oktober 2008 hat die Bargeldnachfrage in Deutschland deutlich zugenommen.

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Die inländische Transaktionskasse, die nur etwa 10 Prozent des emittierten Bargelds ausmacht, spielt für die deutsche Volkswirtschaft eine wichtige Rolle. Während gehortetes, verlorenes oder im Ausland befindliches Bargeld selten bis gar nicht mehr oder mit langer zeitlicher Verzögerung den Weg zurück zur Bundesbank findet, speist sich aus der wertmäßig geringen Transaktionskasse der gesamte deutsche Bargeldkreislauf.

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2 Bargeld in der internationalen Perspektive

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In einigen anderen Ländern werden unbare Zahlungsmittel wesentlich häufiger verwendet als in Deutschland. Während in Deutschland Bargeld für rund 80 Prozent aller Transaktionen am Verkaufsort verwendet wird, liegt der Bargeldanteil in Großbritannien, den Niederlanden sowie in den USA bei rund 50 Prozent. Auch in den skandinavischen Ländern nehmen bargeldlose Zahlungsinstrumente einen deutlich höheren Stellenwert ein als in Deutschland.
Obwohl die Nutzung bargeldloser Zahlungsmittel steigt, wächst die ausstehende Bargeldmenge in wichtigen Währungsräumen kontinuierlich. Dies betrifft nicht nur den Euro, dessen Umlauf in den vergangenen zehn Jahren von 500 Milliarden Euro auf über 1.100 Milliarden Euro gewachsen ist. Ebenso hat sich der Wert der auf britische Pfund lautenden Banknoten in den vergangenen 20 Jahren verdreifacht und liegt heute bei 60 Milliarden Pfund. Der US-Dollar-Umlauf hat sich in diesen 20 Jahren mehr als verdreifacht und liegt nun bei über 1.300 Milliarden Dollar.

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Im Eurosystem entfallen wertmäßig etwa 50 Prozent auf die Stückelung 100, 200 und 500 Euro. Im Dollar Raum entfällt fast 80 Prozent auf die 100 Dollar-Banknote.

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Für das Wachstum des Banknotenumlaufs, auch auf internationaler Ebene, ist vor allem die Funktion des Bargeldes als Wertaufbewahrungsmittel verantwortlich. Basierend auf dieser starken Nachfrage wird das Bargeld zukünftig eine wichtige Rolle als Wertaufbewahrungsmittel einnehmen.

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Der Deutschen Bundesbank ist vom Gesetzgeber der Sorgeauftrag für den baren und unbaren Zahlungsverkehr zugewiesen worden. Diesen Auftrag nehmen wir wahr.
Das von der Bundesbank ausgegebene Geld ist nicht durch Helikopter über die Bevölkerung verteilt worden, sondern die Nachfrage der Bürger und Unternehmen hat  dazu geführt, dass die Bargeldmenge jährlich um etwa 6 Prozent wächst und zwischenzeitlich 1.100 Milliarden Euro an Banknoten ausgegeben wurden.

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Die Bundesbank vertritt in diesem Zusammenhang die Position, dass die Verbraucher und Unternehmen entscheiden sollen, in welchem Umfang sie Bargeld verwenden.
Sie beeinflusst deshalb das Zahlungsverhalten der Verbraucher nicht und spricht keine Empfehlung für die Verwendung bestimmter Zahlungsmittel aus.
Die bisherige, wie auch die zukünftige Rolle des Bargeldes, werden einzig und allein durch die Entwicklung der Bargeldnachfrage bestimmt.

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3 Internet und Smartphone verändern den Zahlungsverkehr

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Obwohl das Bargeld in Deutschland eine herausgehobene Stellung hat, gibt es bedeutende Entwicklungen, die das Zahlungsverhalten der Menschen beeinflussen. Insbesondere das Internet und das Smartphone sorgen für Innovationen im Zahlungsverkehr. Bis vor wenigen Jahren beschränkte sich die Auswahl an Zahlungsinstrumenten an der Ladenkasse auf Bargeld, girocard und Kreditkarte. In den vergangenen Jahren haben sich im Zuge der Digitalisierung jedoch neue technologische Möglichkeiten eröffnet und neue Anforderungen an Zahlungsinstrumente herausgebildet. Vor allem das Internet ist dabei ein wichtiger Treiber für sich ändernde Gewohnheiten und Ansprüche der Verbraucher gewesen.

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Heutzutage ist es selbstverständlich, Waren und Dienstleistungen online von fast jedem Ort auf der Welt 24 Stunden am Tag erwerben zu können. Sieben von zehn Verbrauchern in Deutschland im Alter zwischen 14 und 69 Jahren kaufen inzwischen auch im Internet ein. Rund ein Zehntel des Einzelhandelsumsatzes in Deutschland erfolgt bereits im E-Commerce.[1]Änderungen im Einkaufsverhalten wirken sich automatisch auf das Zahlungsverhalten aus, da die Barzahlung für Internetbestellungen nicht sonderlich geeignet ist.
Allerdings können auch Internetbestellungen bar abgewickelt werden – ganz klassisch per Nachnahme.

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Das Smartphone verändert die Kommunikation, die Konsummuster und in der Folge auch die Bezahlgewohnheiten. Viele Nutzer schauen täglich mehrere dutzend Mal auf ihr Smartphone. Doch wenn schon die Menschen ihr Handy so gut wie nie mehr aus den Augen lassen, liegt natürlich der Gedanke nahe, das Smartphone auch als digitale Geldbörse zum Bezahlen zu nutzen.

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In Deutschland sieht die Realität jedoch derzeit größtenteils noch anders aus:
Zwar werden mobile und kontaktlose Zahlverfahren, beispielsweise auch mit der ganz normalen Kreditkarte und girocard, immer bekannter, allerdings werden sie noch selten genutzt.
Dies hat unsere Studie zum Zahlungsverhalten gezeigt, denn bisher wurden nur wenige Transaktionen von den Befragten mit kontaktlosen Zahlungskarten oder dem Smartphone durchgeführt. Dennoch ist insbesondere die junge Bevölkerung offen für mobile und kontaktlose Bezahlverfahren. Die derzeit noch geringe Nutzung hat verschiedene Ursachen. Zum einen akzeptieren zwar immer mehr Einzelhändler kontaktlose Zahlungen, flächendeckend ist kontaktloses Bezahlen aber noch nicht möglich.
Andererseits sehen viele Menschen keinen Bedarf oder haben subjektive Sicherheitsbedenken gegenüber den neuen Bezahlverfahren. Zudem schätzen viele Menschen Bargeld gerade deshalb, weil es ihnen hilft, ihre Ausgaben besser kontrollieren können.

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Bis es soweit ist, dass Verbraucher eher das Smartphone als die Banknote und die Münze zum Bezahlen an der Ladenkasse nutzen, wird noch einige Zeit vergehen. Unsere Studie zum Zahlungsverhalten hat gezeigt: Die Verbraucher in Deutschland sind eher zurückhaltend, wenn es um neue Zahlungsinstrumente geht.
Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, bei den ihnen vertrauten Zahlungsmitteln bleiben zu wollen.

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Anbieter von neuen Zahlungsinstrumenten stehen also vor großen Herausforderungen. Es reicht nicht aus, ein neues modernes Zahlungsinstrument zu entwickeln und es auf den Markt zu bringen. Ein Anbieter muss sowohl die Händler überzeugen, das neue Instrument in sein Portefeuille von akzeptierten Zahlungsinstrumenten aufzunehmen, als auch die Konsumenten, das neue Instrument zu nutzen. Sie sehen sich hier mit dem klassischen Henne-Ei-Problem konfrontiert. Dies dürfte einer der Gründe sein, wieso große Technologie- und Internetkonzerne verstärkt versuchen, im Zahlungsverkehr Fuß zu fassen, denn oftmals verfügen sie bereits über eine breite Basis an Nutzern.

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Für Verbraucher muss ein neues Instrument einen zusätzlichen Nutzen gegenüber bestehenden Zahlungsinstrumenten oder dem Bargeld bieten. Gerade in einem hoch entwickelten und effizienten Zahlungsverkehrsmarkt wie Deutschland ist dies eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. Neue Zahlungsmethoden müssen intuitiv zu bedienen, überall einsetzbar sowie preislich wettbewerbsfähig sein. Sie müssen zudem sicher sein und dem Kunden ein subjektives Sicherheitsgefühl vermitteln.

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Sie sehen also, Verbraucher können aus einem immer größer werdenden Angebot von Zahlungsinstrumenten wählen:
So kann man zu Banknoten und Münzen greifen, weil man den Kauf der Weihnachtsgeschenke vor dem Ehepartner verbergen will. Und auch das Taschengeld für die Kinder wird bar oder per Dauerauftrag ausgezahlt. Die Kreditkarte wird genutzt, um in einem Hotel einzuchecken und zu bezahlen. Und abends wird noch mit dem Smartphone per Internetbezahlverfahren der Online-Einkauf beglichen.

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Jeder hat also eine Fülle an Alternativen, um seinen Bedürfnissen und der Einkaufssituation entsprechend sein persönlich favorisiertes Zahlungsinstrument zu wählen. Und nur, wenn uns Banknoten und Münzen erhalten bleiben, haben die Bürgerinnen und Bürger eine echte Wahlmöglichkeit.

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4 Einschränkung des freien Bargeldverkehrs

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Trotz der wichtigen Rolle von Bargeld im Zahlungsverkehr ist das Bargeld derzeit von vielen Seiten unter Beschuss. Von der Abschaffung der 500 Euro-Banknote über Barzahlungsobergrenzen bis hin zur Abschaffung des gesamten Bargelds reichen die Vorschläge.
Begründet werden die Forderungen unter anderem damit, dass es in der gegenwärtigen geldpolitischen Lage nur in einer Welt ohne Bargeld möglich sei, die Zinsen deutlich unter Null zu senken. Auch würde man beispielsweise im Supermarkt Zeit sparen, wenn Kunden an der Kasse nicht mehr nach Cent-Münzen kramen. Und schließlich argumentieren die Bargeldgegner, durch die genannten Maßnahmen Schwarzarbeit, Geldwäsche, Steuerhinterziehung sowie Drogen- und sonstige Kriminalität und Terrorismus zurückdrängen zu können.

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Wenn man sich auf eine inhaltliche Diskussion über die angeblichen Nachteile des Bargelds einlässt, findet sich wenig Stichhaltiges.
Das Argument der Bekämpfung von Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder Kriminalität greift nicht.
Einerseits könnten die handelnden Personen auf Fremdwährungen zurückgreifen – sofern das Bargeld nicht weltweit abgeschafft wird – oder alternative Tauschmittel nutzen.
Andererseits muss es sich bei Schwarzgeld nicht zwangsläufig um Bargeld handeln.
Der französische Ökonom Gabriel Zucman schätzt, dass weltweit 5,8 Billionen Euro an privatem Vermögen nicht deklariert sind – man denke an die aktuelle Diskussion über Briefkastenfirmen aus Panama – und sich auf Konten in den verschiedensten Steuerparadiesen befinden.

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Auch das Argument, Bargeld erschwere den Zahlungsverkehr, weil an der Ladenkasse nach Kleingeld gekramt werde, kann entkräftet werden.
Gemäß der ersten Zahlungsverhaltensstudie der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2008 sehen fast 90 Prozent der Bevölkerung Bargeld als schnelles und bequemes Zahlungsmittel an. Sicherlich können Barzahlungen im Einzelfall länger dauern. Gleiches gilt aber auch für Kartenzahlungen, etwa wenn die PIN falsch eingegeben wird, Verbindungsprobleme bestehen oder das Terminal die Karte nicht akzeptiert.

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Und schließlich muss man auch nicht auf Banknoten und Münzen verzichten, damit die Geldpolitik wirkt.
Das derzeitige Niedrigzinsniveau ist ein Symptom, das auf tieferliegende Ursachen – im Kern eine Wachstumsschwäche – zurückzuführen ist. Diese Wachstumsschwäche gilt es zu überwinden. Eine Bargeldabschaffung geht an dieser Problemstellung vorbei.

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Die Argumente, die gegen Bargeld und Barzahlungen vorgebracht werden, sind wenig überzeugend. Doch was spricht ganz konkret dafür, weiterhin mit Banknoten und Münzen bezahlen zu wollen?
Eine ganze Menge – und diese Gründe werden oftmals vernachlässigt.

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Zum einen schützen Barzahlungen die Privatsphäre der Bevölkerung. Dass davon auch weniger rechtschaffene Personen profitieren, ist kein Grund, die ehrlichen Bürgerinnen und Bürger immer gläserner werden zu lassen.
Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und Achtung des Privatlebens ist ein hohes Gut, welches nicht aufgeweicht oder preisgegeben werden sollte. „Bargeld ist geprägte Freiheit“ – dieses abgewandelte Dostojewski-Zitat hat nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt.

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Weiterhin ermöglichen Barzahlungen eine gute Kontrolle der Ausgaben – darauf greifen viele Haushalte gerne zurück, gerade die weniger wohlhabenden.
Bargeld kann außerdem ohne technische Infrastruktur eingesetzt werden und dient daher als beliebtes Zahlungsmittel zwischen Privatpersonen sowie als Ausfalllösung für den unbaren Zahlungsverkehr.
Und schließlich wird besonders in Not- und Krisenzeiten Bargeld stark nachgefragt – sei es als Zahlungsmittel, wenn z.B. die technische Infrastruktur im Fall von Naturkatastrophen zerstört ist, oder auch als Wertaufbewahrungsmittel. Gerade dafür eignet sich die 500 Euro-Banknote in besonderem Maße, wie wir an der stark gestiegenen Nachfrage im Zuge der Lehman-Krise im Jahr 2008 sehen konnten.

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Es gibt viele gute Gründe, weiterhin Bargeld zu verwenden. Dennoch sind die Bestrebungen, Barzahlungsobergrenzen einzuführen oder die 500 Euro-Banknote abzuschaffen, recht konkret geworden.
Aber die Frage ist doch:
Wie wirksam sind diese Maßnahmen?

Der renommierte Wirtschaftswissenschaftler Friedrich Schneider von der Universität Linz, der intensiv den Bereich der Schattenwirtschaft analysiert, äußerte sich skeptisch.
Das Verbot großer Banknotenstückelungen oder hoher Bartransaktionen habe allenfalls minimale Effekte auf Schwarzarbeit oder Kriminalität. Dies sei eine Scheinlösung.

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Was in diesem Zusammenhang bislang fehlt, ist eine wissenschaftliche, fundierte Evaluierung der Maßnahmen, die in anderen Ländern bereits umgesetzt wurden. Ob die mit der Einführung einer Barzahlungsobergrenze anvisierten Ziele erreicht werden, ist daher völlig unklar. So könnten Kriminelle zum Beispiel auf Alternativen wie die Cyber-Währung Bitcoin ausweichen oder sie verwenden hohe Banknotendenominationen anderer Länder.

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Der EZB-Rat hat in der Frage der Abschaffung der 500 Euro-Banknote bis jetzt noch keine Entscheidung getroffen.
Die damit verbundenen Konsequenzen werden zurzeit fachlich untersucht. Sollte es eine Mehrheit im EZB-Rat für die Abschaffung der 500 Euro-Banknoten geben, so müssten Banknote anderer Nominale mit zusätzlichen Kosten beschafft werden.

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5 Fazit

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Hat Bargeld vor diesem Hintergrund also noch eine Zukunft?
Ich bin mir dessen sicher. Falls es wirklich zu Obergrenzen oder zur Abschaffung der 500 Euro-Banknote kommen sollte, muss festgehalten werden:
Bargeld wird für die tagtäglichen Einkäufe immer noch viel und gerne genutzt, auch wenn die Alternativen dazu zahlreicher werden. Bargeld ist ein beliebtes Wertaufbewahrungsmittel, gerade in unsicheren Zeiten. Bargeld hat einige Eigenschaften, die den Menschen wichtig sind: es ist einfach, schnell und bequem nutzbar; es bietet Privatsphäre; es ist ohne technische Hilfsmittel nutzbar, was z.B. auch Kindern den Zugang zum Wirtschaftsleben ermöglicht. Mit Bargeld kann außerdem direkt Zug um Zug bezahlt werden, das heißt weder der Verkäufer, noch der Käufer einer Ware muss in Vorleistung treten.

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Aus diesen vielen Gründen ist der Euro als Bargeld in der Bevölkerung fest etabliert und steht für das Vertrauen in die gemeinsame Währung.

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Die Bundesbank hat einen Sorgeauftrag für den baren und unbaren Zahlungsverkehr und die Zahlungssysteme. In der Wahrnehmung dieser Verantwortung beobachtet sie die um die zukünftige Rolle des Bargeldes geführte Diskussion und bewertet die vorgebrachten Argumente neutral und nach gesamtwirtschaftlichen Kriterien.
Fatal wäre es, wenn die aktuelle Diskussion über die Abschaffung der 500 Euro-Banknote oder über Bargeldobergrenzen den Eindruck in der Bevölkerung erwecken würde, ihr würde nach und nach das Bargeld entzogen. Man muss sich hierbei vor Augen halten:
Die Freiheit stirbt häufig scheibchenweise.

Fußnote
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  1. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/201859/umfrage/anteil-des-e-commerce-am-einzelhandelsumsatz/

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Quelle:
Deutsche Bundesbank | Zentrale | Kommunikation
Wilhelm-Epstein-Straße 14 | 60431 Frankfurt am Main
http://www.bundesbank.de | E-Mail: presse@bundesbank.de
Tel: 069 9566-3511 | Fax: 069 9566-3077
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Bei publizistischer Verwertung wird um Angabe der Quelle gebeten.



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