Staatsschulden – System ausser Kontrolle


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Staatsschulden – System ausser Kontrolle
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Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Griechenland nach den Parlamentswahlen:
Was ist eigentlich Staatsverschuldung? Warum steigt sie in den letzten Jahren in vielen Ländern exponentiell an? Der Film gibt leicht verständliche Einblicke in komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge und erzählt auf unterhaltsame Weise die Geschichte der Staatsanleihe vom Spätmittelalter bis heute.
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Der Dokumentarfilm versteht sich nicht als Plädoyer für oder gegen Staatsanleihen, sondern will lediglich die komplexe Funktionsweise der Wirtschaftsmaschinerie veranschaulichen. Er zeigt spannende Momente, wie eine hitzige Debatte über die Sparpolitik im EU-Parlament.
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Experten wie Bernard Maris, Thomas Piketty, Karine Berger und David Graeber bringen dem Zuschauer das internationale Finanzwesen auf unterhaltsame und leicht verständliche Weise nahe.
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Arte
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Die Experten: Woher kommen die Schulden
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Anmerkung:
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Der Themenkomplex ist allemal eine vertiefende Diskussion wert.
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Als Einstieg ist diese Doku ganz informativ, wenn auch teilweise zu gerafft und stellenweise ein wenig unsauber argumentiert. Hier und da wäre es der Korrektheit geschuldet gewesen, die Hintergründe genauer zu beleuchten, z.B. bei Bretton Woods und dem Beispiel der amerikanischen Häuslebauer (Antidiskriminierungsbestreben, American Dream).
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Allerdings müssten dann Sachverhalte thematisiert werden, die sowohl in Frankreich als in Deutschland tabu sind, da es sich um heilige Kühe handelt. Diesem Umstand dürften die fehlenden und etwas nebulös dargestellten Sachverhalte geschuldet sein.
Aber machen wir uns nichts vor, hätte man abgesehen vom Zeitaufwand die Tiefen wirklich ausgeleuchtet, wäre dies nach meiner Ansicht für die überwiegende Mehrheit der Zuschauer und selbst für zuschauende Fachleute einer Überforderung gleichgekommen.
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Insgesamt betrachtet empfand ich alleine die Mehrfachnennung der seit mindestens 380 Jahren währenden Geldschöpfung (BoE) aus dem Nichts für mutig und anerkennenswert. Ich hätte mir an der Stelle jedoch auch einen Hinweis auf Zarlenga’s Werk „Der Mythos vom Geld – die Geschichte der Macht“ gewünscht.
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Was mir nicht ganz so gut gefiel, waren die häufigen Einblendungen von David Graeber, der als Ethnologe an der anthropologischen Fakultät der London School of Economics unterrichtet.
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Flassbeck’s Argumentation war wie meist bravourös, auch wenn man ihm vorhalten muss, dass es bei der Entwicklung von Lösungsansätzen wohl keinen Königsweg gibt.
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Das von Arte vollmundig angekündigte Versprechen, Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen wurde nach meinem Dafürhalten nicht erfüllt. Da reicht es auch nicht, Piketty mit dem Vorschlag, Reiche zur Kasse zu bitten bei gleichzeitiger Verhinderung von Steuerflucht (vulgo: Kapitalverkehrskontrollen), punkten zu lassen.
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Aber wie bereits angedeutet, zur wirklichen Vertiefung des Gesamtkomplexes bedarf es selbst für ein bereits kenntnisreiches Publikum weit mehr als eine Doku, was diesen Beitrag jedoch keinesfalls schmälern soll.
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Ihr Oeconomicus
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korrespondierende Beiträge
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07.08.2012
The Collapse of Complex Societies
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17.04.2013
Erläuterungen zu dem Begriff “Schuldentragfähigkeit”
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21.12.2013
Der große Crash – Margin Call
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31.12.2013
von bail-in-Gefahren, toxischen Risiken, “Zündschnur-Verlängerungs-Kaninchen” und Vabanque-Spielern
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25.09.2014
Huch, die Angst vor dem ‘hike’ geht um !
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4 Kommentare on “Staatsschulden – System ausser Kontrolle”

  1. Merkel sagt:

    Ein kleiner Nachtrag: Für diejenigen, die tiefer einsteigen möchten-keine Angst ist nicht kompliziert-gutes Entertainment:-).
    Heiner Flassbeck: Warum die Ökonomen (ich ergänze die Europolitiker) die Eurokrise nicht verstehen können (wolle).

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  2. Merkel sagt:

    Das ist auf jeden Fall mal eine angenehme Ausnahme vom Mainstream in der Politik und den Medien. Der Arte-Beitrag ist ein ganz guter Faktencheck.

    Das Schlimme ist ja, dass die Merkel-EU die Anti-Wachstumspolitik fortführen möchten (siehe Griechenland).

    Kommen wir zu Heiner Flassbeck:
    Ich halte von ihm sehr viel, auch während meines Studiums an der FU (da war er am DIW) als ich mich noch mit AH-Theorie und Politik, Entwicklungstheorie und -Politik und i.e.S. Wachstum beschäftigt habe, hat er schon zukunftsweisende Arbeiten zur Geld- und Währungstheorie abgeliefert.

    Er hat den Finanzminister Lafontaine beraten, schade, dass die SPD ansonsten nicht so komplex und zukunftsweisend denken könnte. Dann wäre Deutschland und Europa vieles erspart worden.

    Nun, inzwischen ist ja selbst Anglo-Amerikanern klar, dass die Neoklassik und der Neoliberalismus keine absolute Theorie ist, der man folgen sollte (Thomas-Piketty).

    Im Gegenteil, diese Politik hat versagt und ein Politikwechsel in Europa ist dringend erforderlich.

    Aber im einzelnen:

    Die Neoklassik kennt keinen Finanzmarkt, eigentlich gibt es hiernach nur einen Zins, der durch die EZB gesteuert wird-also-Leitzins senken-dann geht der niedrigere Zins direkt an die Unternehmen weiter.

    Dazu dann Geld drucken-Überangebot an Geld-Zins sinkt-also wieder niedriger Zins an die Unternehmen.

    Nun wird ja durch die Neoklassik behauptet, dass man den Zins nur senken braucht, dann ist Investition sowas von attraktiv für Unternehmen, dass sie sich sofort darauf stürzen. Dazu gibt es in der Literatur natürlich schon genug Kritik.

    Interessanter ist die Kritik von Flassbeck, der sagt, Sparen ist nicht gleich Investieren (also das neoklassische Paradigma-Umverteilung von unten nach oben wäre notwendig, damit überhaupt gespart wird und nur damit investiert werden könnte)-jeder überflüssiger Konsum wäre danach investitionsschädlich).

    Huups Umverteilung von unten nach oben hatten wir, Zinssenkung hatten wir, ausufernde Geldmengen nach oben hatten wir: was passiert-NIX.

    Schade, dass dass die Groko ihre Versuchskaninchen immmer noch auf die falsche Politik einschwört, nur weil sie Fehler nicht zugeben will-im Gegenteil-sie will ordentliche wirtschaftspolitische Ansätze, wie in Griechenland um jeden Preis verhindern.
    Aber wieder zur Analyse von Heiner Flassbeck-mit Recht sagt er, dass Wechselkurse endogen sind, aber eben nicht aufgrund von Aussenhandel.

    Und er sagt mit Recht, eine gemeinsame Währung ist nur stabil, wenn die Lohnniveaus angeglichen werden.

    Also: Nicht das Pferd vom Schwanz aufzäumen, nicht andere Ländern in eine 3-fach-Job-Beschäftigungsarmut stürzen, wie in Deutschland, sondern eine Konvergenz der Lohnniveaus auf der Basis der Inflation und der Steigerung der Inflation (Hier wieder Thomas Piketty).

    Heiner Flassbeck zieht den Schluss:
    Sparen ist der Entzug von Einkommen bei einer weiteren Partei. Investition ist nicht ein Äquivalent von gegenwärtigem Sparen, sondern von zukünftigem Konsum.

    Nachdem das Pferd also ein ordentliches Halfter angelegt bekommen hat ein letzes Wort zur Staatsverschuldung:

    Der Staat hat sich verschuldet, weil eine Vermögensverteilung von unten nach oben stattgefunden hat, also kein privater Konsum, der Staat hat dies mit staatlichem Konsum ausgeglichen. Aber das System ist erschöpft.

    Ein letztes Wort zur Bankenkrise:
    Durch die Liberalisierung des Finanzmarktes wurden Schrottpapiere verkauft, wie oft habe ich von Bankern gehört, wenn sie wieder mal schlechte Kredite in ABS verpackt hatten und verkauft hatten-dann sagten sie: wer kauft nur diesen Scheixx?

    Heute ist die Welt nicht besser.
    Kredite bis 1 Mio. EUR werden aufgrund von Computerprogrammen ausgegeben, natürlich nur auf der Basis der von den Banken entwickelten Systeme.

    Ordentliche Unternehmer bekommen keine Kredite mehr, weil die EK-Regelungen sagen-dass eine Staatsanleihe in Deutschland eine deutlich höhere Stabilität hat. Das EK der Banken ist trotzdem noch zu niedrig. Also wird das Geld in eine Aktien- und Immobilienblase reingeschossen.

    Derweil sterben Kinder in Griechenland an Krebs, weil sie nur noch im Endstadium Medikamente bekommen.

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  3. almabu sagt:

    USA schulden Belgien das 4-fache und China das 17-fache ihrer Schulden bei Deutschland!

    Was haben China, Japan und Belgien miteinander gemeinsam? Wo liegt Deutschland weit abgeschlagen hinter der Schweiz, dem UK und Luxembourg und noch hinter Russland, der Türkei und Norwegen gerade noch so knapp vor Frankreich? Wem trauen die Israelis anscheinend nicht über den Weg?

    Ihnen allen ist gemein, dass sie – in unterschiedlich hohem Engagement – US Schuldverschreibungen halten. Hier das ganze Ranking:

    http://www.globalpost.com/dispatch/news/regions/americas/united-states/150204/chart-us-foreign-debt

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