Das Trapsen dänischer Nachtigallen


Gelegentlich hört man in Werbeaussagen für dänische Produkte oder Firmen das nette Bonmot „Dänen können Sie trauen“, was grundsätzlich nicht bezweifelt werden soll.
Tauscht man jedoch das ‚ä‚ mit einem ‚e‚ und denkt dabei an Notenbanken, erhält diese Aussage eine völlig neue Bedeutung, die durchaus mit einem Fragezeichen versehen werden darf, sofern man von der rühmlichen Haltung der Deutschen Bundesbank einmal absieht.

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Seit dem Beitritt zur Eurozone der Baltischen Staaten (Estland: 01.01.2011 – Lettland: 01.01.2014 – Litauen: 01.01.2015), sowie von Slowenien (01.01.2007), Malta (01.01.2008), Zypern (01.01.2008) und der Slowakei (01.01.2009) nimmt nur noch Dänemark am European Exchange Rate Mechanism II bzw. ERM II teil.
Dieses Wechselkursabkommen legt eine maximale Schwankungsbreite von ± 2,25 % um den festgelegten Leitkurs der Dänischen Krone zum Euro fest. Damit ist die dänische Krone stark an den Euro gebunden, was einen schwankenden Wechselkurs gegenüber Währungen, die nicht an den Euro gebunden sind, zur Folge hat.

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Seit jedoch Mario Draghi mit seiner ‚All-In‘ Poker-Strategie -ähnlich wie weiland John Law– in Diebesmanier die Lebensleistungen fleißiger Menschen in Täuschland und Europa abgreift, scheinen sich in die nächtlichen Träumen dänischer Regierungsmitglieder und vor allem den Verantwortlichen der Dänischen Notenbank die Erinnerungen an schmerzhafte Lektionen aus der lateinischen und skandinavischen Münzunion einzunisten.

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Solche Vorbetrachtungen erhalten angesichts der nun nach dem 19. und 22. Januar 2015 erfolgten dritten Reduzierung des dänischen Leitzinses, eine gewisse Bedeutung.
So dürfte es wohl kaum verwundern, dass nach dem SNB-Befreiungsschlag Spekulationen angestellt werden 1), dass man in Dänemark hinter vorgehaltener Hand über die Aufhebung der Euro-Bindung sinnieren mag.

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Selbstverständlich werden Notenbank und Regierung nicht müde, solchen Überlegungen mit markigen Schwüren entgegenzutreten und für meine Begriffe den Märkten zu oft entgegen zu halten, dass keineswegs daran gedacht sei, über eine Entkoppelung der Krone an den Euro nachzudenken.

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Ein Schelm könnte sich an das Lied „Frau Nachtigall“ aus »Des Knaben Wunderhorn«, eine von 1805 bis 1808 veröffentlichte dreibändige Volksliedersammlung von Achim von Arnim und Clemens Brentano erinnert fühlen.
Die beiden ersten Strophen, beginnen mit den Zeilen »Nachtigall, ich hör dich singen« und »Nachtigall, ich seh dich laufen«, woraus nach Berliner Jargon die bekanntere Interpretation

»Nachtijall, ick hör dir trapsen«

entstand.

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Wie sich dies auf dänisch anhört, läßt sich vermutlich bei der Dänischen Notenbank erfragen.

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Ihr Oeconomicus
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1)

Wirtschaftswoche: Dänemark kämpft um Euro-Anbindung
The Telegraph: Denmark slashes rates to record low to protect peg with euro
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korrespondierende Archiv-Beiträge
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19.01.2015
Deutsche Bank im Sog des abgebrochenen Suizid-Versuchs der SNB
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22.01.2015
Ab März 2015 wird der QE-Tsunami geflutet – Wer geht dabei baden ?
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3 Kommentare on “Das Trapsen dänischer Nachtigallen”

  1. Christian G. Christiansen sagt:

    … wenn ich es mit soennerjysk übersetzen darf:

    „Nattergall, je hoerer de troppen…“

    Falls Übersetzung auf „Kongelig Dansk“ erwünscht ist, bitte bei der dänischen Notenbank erfragen…
    .. die hat im Moment aber viel zu tun…

    Christian G. Christiansen, Berlin

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