Nachlösen von Maidan-Tickets


TANSTAAFL:
„There ain’t no such thing as a free lunch

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Diese Redewendung erlangte eine gewisse Popularität durch den Science-Fiction-Autor Robert A. Heinlein in seinem Roman The Moon Is a Harsh Mistress (Der Mond ist eine herbe Geliebte“von 1966.
Der Roman beschäftigt sich mit den Problemen, welche aus unreflektierter Inkaufnahme einseitiger Wirtschaftspolitik entstehen können.

In libertären Kreisen ist sowohl Heinlein’s Buch als auch die Phrase recht beliebt und der Satz wird oft in Lehrbüchern der Ökonomie zitiert.
Sinngemäß übersetzt lautet die simple Kernaussage „Nichts ist umsonst!“ und soll das Konzept der Opportunitätskosten veranschaulichen.
Der amerikanische Makro-Ökonom Nicholas Gregory Mankiw (Harvard University) beschreibt das Konzept folgendermaßen:

„Um eine Sache zu bekommen, die wir mögen, müssen wir üblicherweise eine andere Sache aufgeben, die wir mögen.
Entscheidungen zu treffen bedeutet, Ziele gegeneinander abzuwägen.“

Im Zuge eines kollektiven Macht-Climax war offenbar vielen der inländischen  Maidan-Jünger eine solche Erkenntnis verwehrt. Die bittere Lernkurve daraus wird nunmehr überdeutlich!

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Nachlösen von Maidan-Tickets
Seitens des IWF, der EU-Kommission und den translatlantischen Freunden wurde ein Schierlingsbecher bereitet, welcher dem Volk nun -nach russischem Duktus- ‚durch illegitime Volksverräter‘ serviert wird.

So wird künftig den rund 13,7 Mio ukrainischen Rentnern nicht mehr zugemutet, sich mit ihren mtl. Rentenbezügen von durchschnittlich (umgerechnet) € 128 vorwiegend von Kaviar ernähren zu müssen. Mit der angedachten Halbierung dieser Unsummen wird also gesundheitliche Vorsorge getroffen, während den Rentnern auf der Krim -auch im Zuge der Rubel-Einführung (zunächst als Parallelwährung)- eine Verdoppelung ihrer bisherigen Rentenbezüge droht!

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Nebenbei bemerkt:
Den 13,7 Mio Rentnern stehen ca. 15,2 Mio Steuerzahler gegenüber … tendenziell ist davon auszugehen, dass sich bis 2015/2016 eine 1:1 Relation ergibt. Während der Anteil der jährlichen Rentenzahlungen noch 2001 im Verhältnis zum BIP bei 9,1% lag und bis 2009 auf 18,1% anwuchs, explodierte dieser Wert nach offiziell nicht bestätigten Schätzungen informierter Kreise auf zwischenzeitlich (Stand 2012/2013) 60% des BIPs .. Tendenz weiterhin steigend!
Wie weiterhin zu hören ist, soll das aktuelle Finanzloch des staatlichen Pensionsfonds (PFU) bei ca. $ 3,4 Mrd liegen!

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Daneben dürfen alle im Land lebenden ukrainischen Staatsangehörigen (vermutlich mit einigen Ausnahmen!) ihre Solidarität mit den Nachfolgern des verfassungswidrig abgesetzten Chorknaben Yanukovych bekunden.

Wie aus informierten  Kiever Kreisen zu hören ist, beabsichtigt das Ukrainische Parlament die Einführung einer 25%igen Deposit-Tax, was man sich als eine Abwandlung bereits erlebter Zyprisierungsmaßnahmen vorstellen darf. Von diesem Raubzug, den sich dem Vernehmen nach auch der IWF ‚gewünscht‚ haben soll, sind allerdings nur Guthaben ab 100.000 Hryvnia betroffen, eine Summe die umgerechnet ca. € 8.900 entspricht!
Yevhen Sihal, Abgeordneter der „Partei der Regionen“ erwartet dadurch Impulse für die Binnenkonjunktur, Reduzierung der Kosten für Unternehmens-Kredite, sowie zusätzliche Assets für die staatliche Rentenversicherung.

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Hierzu war seitens der National Bank of Ukraine (NBU) die diplomatische Bemerkung zu hören

‚man sei besorgt über die Politisierung ökonomischer Belange‘

was der Kabarettist Dieter Nuhr vermutlich so zu interpretieren wüßte:

„Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten!“

Yevhen Sihal, den man im Fanclub der Gasprinzessin verorten darf, wird von den Konsequenzen seines Parlaments-Vorstosses vermutlich nicht sonderlich betroffen sein, da er bei Ausbruch der Finanzkrise in 2008 einen Teil seiner Finanzanlagen verlor und es danach mit dem kärglichen Rest seines einstigen Vermögens nicht mehr in die Liste der 50 reichsten Ukrainer schaffte.

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Als weiteren Aspekt zur annähernden Eindämmung des desolaten Zustandes der ukrainischen Volkswirtschaft dürfte die Forderung des IWF nach Privatisierung von Volksvermögen zu bewerten sein.
Da man in schlechten Zeiten schnelle Erfolge benötigt -in unserem Falle um einen veritablen Staatsbankrott abzuwenden-, fallen idR die Preise, insbesondere für werthaltige Assets, besonders deutlich.
Wir werden sehen, ob und in welcher Weise sich das deutsche Sprichwort

„Wenn du glaubst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“

bei den Privatisierungsanstrengungen erfüllen wird.
Das ‚Lichtlein‘ könnten menschenfreundliche Oligarchen, die sich im Schweiße ihres Angesichts während der letzten Jahre ihre Spargroschen quasi vom Munde abgespart haben (dem Vernehmen nach sollen die 200 reichsten Ukrainer in den letzten Jahren mehr als $ 135 Mrd ergaunert angehäuft haben) ggfls. bereitstehen könnten, für ganz kleines Geld dem ukrainischen Staat unter die Arme zu greifen.
Natürlich müssen sich solche Investitionen auch dauerhaft rechnen, wie wir aus tausenden in Deutschland zustande gekommenen PPP-Verträgen wissen.

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Zur Realisierung solcher Nothilfe-Erträge könnten sich die Preise für Waren und Dienstleistungen übernommener Staatsbetriebe erhöhen
.. ein weiterer Beleg dafür, dass eben Nichts umsonst ist!

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Liebe Ukrainerinnen und Ukrainer,
lernen Sie von Chevron und Exxon, wenn Sie für den vermeintlichen free-lunch künftig bezahlen dürfen:

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Ihr Oeconomicus

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4 Kommentare on “Nachlösen von Maidan-Tickets”

  1. stromerhannes sagt:

    Darf ich auf die Firma SUNIMEX aufmerksam machen:

    „Nach den USA bieten nun auch Kanada an, Europa mit Öl und Erdgas zu versorgen. Das ist doch wirklich großzügig, da könnte man doch glatt den Russen den Gashahn abdrehen. Na ja, in drei Jahren, frühestens, denn solange dauert es, bis die milliardenteure Infrastruktur aufgebaut ist.
    Es sei denn, Klaus Wowereit und Hartmut Mehdorn übernehmen diesen Ausbau. Und während die Russen Pipelines benutzen, also bestehende Leitungen, benötigen die Kanadier und die USA Schiffe, die tiefgekühltes, verflüssigtes Gas über den Ozean transportieren. Das ist natürlich deutlich teurer.

    Abgesehen davon, gibt es eine Firma namens SUNIMEX.
    Die tut nichts anderes, als auf die Öl- und Gasrechnung der Russen ein paar Prozent draufzuschlagen und diese an die Deutschen durchzureichen.
    Diese nette Differenz hilft unseren israelischen Freunden bei der Vorbereitung weiterer Angriffskriege.
    Was die Frage aufwirft, wie SUNIMEX nun an den amerikanischen oder kanadischen Lieferungen beteiligt werden kann.“

    So formulierte es Herr Winkler . ( http://www.michaelwinkler.de/Kommentar.html )

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    • Oeconomicus sagt:

      Ja, jetzt hüpft die sprichwörtliche Katze aus dem Sack !

      Im Land des schon angewelkten Ahornblattes entsteht bereits eine gewisse Vorfreude darauf, für das nicht kostendeckend zu fördernde Shale Gas freundliche Abnehmer ausgelotet zu haben, deren volldemokratischen Führer u.a. dem Blödmichel verkaufen werden, dass für die Unabhängigkeit von phösen russischen Gaslieferungen natürlich ein Friedens-Aufschlag für Energielieferungen zu zahlen ist.

      Die Kanadier und Texaner hauen sich zwischenzeitlich auf die Schenkel, weil sie uns als Zwangskunden rekrutieren werden, während die Merk-nix-Truppe mit diesen solidarischen Flüssiggas-Importen ihr Totalversagen bei der Energiewende wunderbar kaschieren kann.

      Und so ganz plötzlich macht sich dann auch der für teures Geld angelegte Tiefseehafen (20 Meter Tiefgang !) in Wilhelmshaven auf Sicht doch noch bezahlt (natürlich zu Lasten der Energieverbraucher).
      Bremen und Niedersachsen als Hauptfinanziers des bisher als Investitionsdesaster geltenden Projekts sind somit aus dem Schneider und können die jeweilige Verschuldung graduell zurückfahren, was wiederum die „schwarzen Nullen“ in Berlin erfreuen dürfte.

      Doch was geschieht nun (also irgendwann in vielleicht 3 Jahren oder später) mit den Milliarden-Investitionen in russisch-deutsche Erdgaspipelines?
      Tja, die deutschen Investoren werden sich vermutlich keine grauen Haare wachsen lassen, da man durch Hermes-Bürgschaften aus dem Schneider ist.
      An der Stelle folgt die Quizfrage, wer letztlich hinter diesen Bürgschaften steht? … Richtig, die Steuerzahler!

      Der Clou dürfte aber sein, dass man Russland mit dem Verzicht auf Gasimporte am Ende des Tages nicht geschadet hat, weil der schlaue Fuchs Putin gerade gemeinsam mit China an einem Energie-Super-Deal bastelt, welcher nicht nur den G-7 Schlaumeiern große Sorgen bereiten dürfte, sondern die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könnte!

      But who cares? Bis diese Entwicklungen abgeschlossen sind, sagen wir in 3-5 Jahren dürfte sich die Mehrheit der heute Verantwortlichen ohnehin in den Ruhestand verabschiedet haben.

      Man darf diesen Augias-Stall wirklich nicht eingehender inspizieren … der Gestank ist einfach zu widerwärtig!

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  2. Nach dem Lesen dieses Artikels von Oeconomicus bin ich aus meinem Bürosessel
    respektvoll aufgesprungen und habe die Kraft dieser Zeilen auf mich wirken lassen.

    Nichts ist umsonst….. richtig!!!!
    … und deshalb werden wir uns alle nicht unterkriegen lassen…. nicht unter kriegen lassen….. mit uns nicht, auch wenn wir machmal nicht der gleichen Meinung sind…..
    Betrug und kriminelle hinterhältige Machenschaften dürfen nicht zur Methode gesellschaftlicher Einwicklung werden…
    es gibt kein Faustrecht mehr….. wir können denken und sinnvoll handeln.

    Andersdenkende und Kluge vereinigt Euch – noch sind wir nicht verloren.

    Bildet zunächst kleine Basisgruppen – ladet gezielt Andersdenkende und Informierte
    ein….. aber tut selbst was gegen die Feinde gesunden Lebens und deren Entwicklung.

    siehe auch: https://oconomicus.wordpress.com/2013/12/10/von-thunens-konstruktivmodell-des-isolierten-staates/#comments

    Eigentlich ist das Verhältnis von Retnern zu „Produktiven“ von 1 : 1 nicht gefährlich,
    wenn man – wir alle damit umgehen könnten. Ich habe da ein paar Ideen, die außerhalb
    der sonst üblichen Raub und Versklavungsmethoden liegen könnten.

    Eigentlich will ich das gegenwärtige offizielle Betrugs- und Bewertungsgeld in Form von Dollar oder Euro nicht mehr nutzen….. !!!
    …. und das geht…. irgendwie,
    in kleinen Gemeinschaften mit gegenseitiger menschlichen Hilfe!

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