Entlarvung populärer ökonomischer Mythen: Was man sieht und was man nicht sieht


Entlarvung populärer ökonomischer Mythen

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File:Bastiat.jpg

Frédéric Bastiat (1801-1850)
Bildrechte: gemeinfrei

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Im Bereich der Ökonomie ruft eine Handlung, eine Gewohnheit, eine Einrichtung, ein Gesetz nicht nur eine einzige Wirkung hervor, sondern eine Reihe von Wirkungen. Von diesen Wirkungen ist nur die erste direkt, sie zeigt sich gleichzeitig mit ihrer Ursache, man sieht sie. Die anderen entwickeln sich erst nach und nach, man sieht sie nicht; glücklich wenn man sie vorhersieht.

Dies ist der ganze Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Ökonomen: Der eine klebt an der sichtbaren Wirkung, der andere berücksichtigt sowohl die Wirkung, die man sieht als auch diejenige, die man vorhersehen muss.

Aber dieser Unterschied ist enorm, denn es ist fast immer so, dass die unmittelbare Folge günstig ist und die letztendlichen Folgen unheilvoll und umgekehrt. – Das führt dazu, dass der schlechte Ökonom eine kleine gegenwärtige Verbesserung anstrebt, aus der ein großes Übel entsteht, während der wahre Ökonom eine große zukünftige Verbesserung erstrebt auf die Gefahr eines kleinen gegenwärtigen Übels.

Im Übrigen verhält es sich bei der Hygiene und der Moral ebenso. Oft ist die erste Frucht einer Gewohnheit umso süßer, je bitterer die späteren sind. Dies bezeugen:
die Prasserei, die Faulheit, die Verschwendungssucht. Wenn also ein Mensch, von der Wirkung, die man sieht, überwältigt, noch nicht gelernt hat, diejenigen Wirkungen wahrzunehmen, die man nicht sieht, so wird er nicht nur aus Neigung sondern aus Kalkül unheilvollen Gewohnheiten verfallen.

Dies erklärt die entsetzlich schmerzliche Entwicklung der Menschheit. Unwissenheit umhüllt ihre Wiege. Also lässt sie sich in ihren Handlungen durch deren erste Folgen leiten, die einzigen, die sie damals sehen konnte. Nur langsam lernt sie, auch die anderen zu berücksichtigen. Zwei sehr verschiedene Meister lehren sie diese Lektion:
Die Erfahrung und die Voraussicht. Die Erfahrung herrscht effizient aber brutal. Sie lehrt uns alle Wirkungen einer Handlung, indem sie sie uns fühlen lässt; wir können der Erkenntnis, dass Feuer brennt, nicht entgehen, wenn wir uns verbrennen. Diesen derben Arzt würde ich gerne soweit wie möglich durch einen sanfteren ersetzen: die Voraussicht. Deshalb erforsche ich die Folgen gewisser ökonomischer Phänomene und setze denen, die man sieht, diejenigen entgegen, die man nicht sieht.

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Inhalt

I. Die zerbrochene Scheibe
II. Die Entlassung
III. Die Steuer
IV. Theater und Künste
V. Öffentliche Arbeiten
VI. Die Vermittler
VII. Einfuhrbeschränkung
VIII. Die Maschinen
IX. Kredit
X. Algerien
XI. Ersparnis und Luxus
XII. Recht auf Arbeit, Recht auf Gewinn

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(aus: Die pointiertesten Schriften von Frédéric Bastiat)

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That Which Is Seen, and That Which Is Not Seen

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spannende Lernkurven für Ökonomen und Nicht-Ökonomen, erkenntnisreiches Wochenende wünscht ..

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Ihr Oeconomicus



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