von Thünen’s Konstruktivmodell des „Isolierten Staates“



public domain

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Johann Heinrich von Thünen zählt zu den bedeutendsten deutschen Nationalökonomen des 19. Jahrhunderts.

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Mit seinem Hauptwerk

Der isolirte Staat in Beziehung auf Landwirthschaft und National-Oekonomie
(Hamburg 1826)

leistete er einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der Partialanalyse und der Grenzproduktivitätstheorie – beides grundlegende Methoden der Wirtschaftswissenschaften.
Bis dieser in der Öffentlichkeit wahrgenommen und gewürdigt wurde, war es für den akademischen Außenseiter aus der mecklenburgischen Provinz jedoch ein langer Weg. Zu modern und abstrakt  schienen vielen Zeitgenossen seine Überlegungen zu sein.

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Früher als andere erkannte Johann Heinrich von Thünen die Brisanz der sozialen Frage. Seit den 1820er Jahren beschäftigte ihn das Problem des gerechten Lohnes.
Die Formel, die er nach jahrzehntelangen Forschungen fand und die auf seinem Grabstein verewigt ist, bestimmt den „naturgemäßen Arbeitslohn“ (A) als die Wurzel aus Existenzminimum (a) und Arbeitsprodukt (p).
Unter dem Eindruck der bürgerlichen Revolution von 1848 begann Thünen seine theoretischen Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.
Er beteiligte seine Arbeiter am jährlichen Gewinn des Gutes. Mit dem 60. Lebensjahr konnten sie über das auf verzinsten Konten angelegte Geld frei verfügen.
Durch diese Form der Altersvorsorge nahm Thünen Entwicklungen späterer Jahre vorweg.

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Pionierleistungen

Zu Johann Heinrich von Thünens Pionierleistungen auf verschiedenen Wissenschaftsgebieten gehören unter anderem die Entwicklung von land- und forstwirtschaftlichen Produktions-, Standort- und Raumstruktur-Theorien mit entsprechenden Impulsen für die Wirtschaftsgeographie und Regionalwissenschaft und die Begründung der Landwirtschaftlichen Betriebslehre in Deutschland, sowie wegweisende Untersuchungen und praktische Vorschläge zum Agrarkredit (Taxation und Finanzintermeditation).

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Zudem entwarf er eine systematische Erklärung der Höhe von Löhnen, Zinsen und Bodenrenten sowie Verteilung dieser Einkommen in einer Volkswirtschaft (Grenzproduktivitäts-Theorie) und eine Ableitung von Grundprinzipien für eine optimale Forstwirtschaft, womit er allgemeingültige kapitaltheoretische Ansätze vorwegnahm. Er baute die Methode der isolierenden Abstraktion (Modell des „Isolierten Staates“ vgl. ceteris paribus) aus und wendete die Differentialrechnung bei der Lösung ökonomischer Optimierungsprobleme (Marginalprinzip) an. Außerdem führte er praxisorientierte und empirisch-statisch fundierte Agrar- und Wirtschaftsstudien (Ökonometrie) durch..

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Die Thünenschen Ringe
In seiner Theorie über den Isolierten Staat ging von Thünen von Adam Smiths homo oeconomicus aus:
Der Landwirt ist bestrebt, den größtmöglichen Gewinn aus seiner Arbeit zu erwirtschaften. Aus seiner Erfahrung als Gutswirt wusste er, dass seine Erlöse von einer optimalen Nutzung der Landflächen und den Transportkosten abhingen. Um seine Gedanken ausschließlich auf diese zwei Variablen zu konzentrieren, reduzierte von Thünen die restlichen Einflüsse auf einen homogenen – isolierten – Staat:
Ein kreisrundes, völlig flaches Land ohne Außenbeziehungen und einer alles dominierenden Stadt in der Mitte. Es gibt nur Getreide als einziges landwirtschaftliches Produkt und dessen Preis ist vorgegeben. Die Wirtschaft im Umland müsste sich bei ökonomischem Verhalten so anordnen, dass jede Branche einen optimalen Gewinn einfährt:
Die Transportkosten sind direkt proportional von der Entfernung zur Stadt und dem Gewicht der Ware abhängig. Der Preis pro ha (Lagerente) nimmt mit Entfernung zur Stadt ab. Der Mindestpreis einer Ware errechnet sich also aus der Lagerente, den Transportkosten und den fixen Produktionskosten – der Gewinn ist dementsprechend der Unterschied zwischen Mindestpreis und dem fixen Marktpreis.

Die Lage-Rente als zentraler Begriff in der Argumentation von Thünens ist als Äquivalent zum Bodenwert zu verstehen. Sie entspricht der maximal möglichen Summe, die ein landwirtschaftlicher Produzent für die Nutzung einer Fläche bezahlen könnte, ohne Verlust zu machen.

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Thünens Theorie des „naturgemäßen Lohns“
Zur Entdeckung des Grenzproduktivitätsprinzips in der Theorie der funktionellen Einkommensverteilung
Robert Stelter – Uni Rostock – PDF [31 Seiten]

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Digitales Thünen-Archiv

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Thünen-Institute

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8 Kommentare on “von Thünen’s Konstruktivmodell des „Isolierten Staates“”

  1. Hallo, welche eine Überraschung, Sie hier in der Kommentarspalte.
    Liebe Frau Dr. med. Nespital,
    ja, so eine Streuobstwiese hat schon was, denken Sie dran ….,
    Nagerschutz um die Stämme der Bäumchen ist im Winter wichtig
    und im Sommer ist so eine weiße Reflexionsfarbe auf den Stämmchen
    ganz hilfreich gegen zu heiße Sonnenbestrahlung.

    In Argentinien waren beim Staatsbankrott übrigens Erbsen der Renner,
    sehr eiweiß- und energiehaltige Frucht, die getrocknet auch sehr lange
    lagerfähig ist.

    Vielleicht können wir uns ja gemeinsam noch einen guten Obstler…..usw.

    Aber wem sage ich das, in ihrer Gemeinschaft werden ja intensiv viele Alternativen
    durchdacht, weiterhin viel Glück dabei.

    Falls die Krise so intensiv durchschlägt, wie das 70 Jahren hier schon mal war,
    können wir vielleicht diesem oder jenem helfen. Damals wurden hier 85 Flüchtlinge
    aufgenommen.

    Vielleicht bekommen wir in der Not einen Tauschring hin und vielleicht

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  2. Dr.Heide Nespital sagt:

    Lieber Herr Mertens,
    da liege ich ja mit der Bearbeitung meiner 8000qm-Parzelle, auf der ich u.a. gerade eine Streuobstwiese reaktiviere und heute eine Lippische Eierpflaume, die Winterbirne Gräfin von Paris und die exotische Shiro-Pflaume aus Japan auch zwecks späterer gemeinschaftlicher Nutzung nach Chaosausbruch eingepflanzt habe, in von Thünens und Ihrem Sinne genau richtig!!
    Nachbarliche Grüße nach Böken
    Herzlichst
    Heide Nespital

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  3. Hoch interessant, nur kann Geschichte nicht zurück gedreht werden .. oder?.

    Aber, ….der Verbund Mensch Natur und Prodiktivkräfte ist ein Schlüssel, auch für zukünftige moderne Gesellschaften, insbesondere für deren Existenz, aktive Heilung und den Erhalt von Mutter Natur.

    Politiker, Bankster, Parteifunktionäre, Juristen, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Beamte, Journalisten sollten vorab, als erste Berufsgruppen für den Erhalt ihre Bodenständigkeit und Unabhängigkeit einen gärtnerischen Grundberuf erlernen und im verpflichteten Rotationsprinzip alle 5 Jahre für eine Vegetationsperiode, als Gärtner tätig sein müssen.
    Ziel: Bodenständigkeit und Rückbesinnung auf natürliche Lebensweisen und moralische Charakterfestigkeiten.

    Die Produktivität ist heute so hoch, dass wohl 5% der Erdbevölkerung, die anderen 95% ernähren und bedienstleisten könnten und was wird daraus geschaffen?

    Ein Paradies auf Erden????

    Nein, es werden Bomben entwickelt, die alle Lebewesen innerhalb einer Stunde von der Erde verschwinden lassen könnten.

    Wer sind wir Menschen eigentlich?

    Übrigens, unsere Kanzlerin kann Kleingärtnern, vielleicht sollten sie alle Regierungsmitglieder und die diktatorischen Parteiführer zum Unterricht in eine gärtnerische Kleinparzelle laden, damit in deren Köpfe wieder realistische Größenordnungen entstehen, außerhalb von den aktuellen grotesken kalten abgehobenen Denkstrukturen.

    Eine Erziehung zur Liebe und Menschlichkeit, wie uns einst der Landwirt von Thünen durch seine natürlichen Denkstrukturen vorlebte.

    Zur Sammlung von zukunftsfähigen Ideen könnte der aktive Bundespräsident wieder zurück in den alten Mecklenburger Kirchengarten von Lüssow geschickt werden.

    Andersdenkende vereinigt Euch – noch sind wir nicht verloren.

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