„Schmeiß weg, kauf neu!“ – Warum nicht mehr repariert wird


In Deutschland fallen jedes Jahr 700.000 Tonnen Elektroschrott an, ein gigantischer Müllberg. Verbraucherschützer vermuten, dass Hersteller bewusst Schwachstellen und Material minderer Qualität einbauen, damit ihre Produkte schneller verschleißen oder kaputtgehen.

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Vielleicht ist es auch der Preisdruck, der minimale Materialeinsparungen auf Kosten der Qualität und der Langlebigkeit attraktiv macht? Sinnvoll ist es sicherlich nicht, dass die Geräte, die irgendwo auf der Welt mühsam teils zu Billiglöhnen und unter erheblicher Belastung der Umwelt hergestellt wurden, nach dem Ablauf der Garantie gleich auf dem Müll landen, weil eine Instandsetzung vom Hersteller nicht mal vorgesehen ist.

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Für ihre Dokumentation „Schmeiß‘ weg – kauf neu!“ sind die Reporter Carsten Rau und Hauke Wendler quer durch Deutschland gereist. Sie haben Menschen getroffen, die Tag für Tag am Wegwerfwahn verzweifeln: den Elektromeister aus Pirmasens und den Manager aus der Autobranche, der offen zugibt, dass neue Modelle oft nicht zu Ende entwickelt sind. Die Reporter haken nach, vergleichen Fertigungskosten und Ladenpreise, stellen die Hersteller zur Rede. Anhand von drei Beispielen – Spülmaschine, Drucker, Auto – decken sie Hintergründe auf und stoßen dabei auf das immer gleiche Problem:

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Für die Industrie lohnt sich Reparieren heute kaum noch. Im gnadenlosen Preiskampf nehmen viele Konzerne sogar in Kauf, dass ihre Produkte gerade mal die Mindeststandards erfüllen. Fällt das Gerät nach Ablauf der Garantie aus, ist das Pech für den Kunden.

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Anmerkung:
Alles ist endlich. Deshalb kann auch Wirtschaftswachstum kein perpetuum mobile sein!

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Wirtschaftswachstum findet im wesentlichen statt durch

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  • Innovationen
  • Wiederaufbau nach Zerstörungen (Beispiel Kriege, Abwrack-Strategien, etc.)
  • Kartelle
  • Obsoleszens (Re-Design von langlebigen Wirtschaftsgütern mit dem Ziel deren Lebensdauer zu verkürzen)
  • bahnbrechenden Erfindungen, die unser aller Leben erleichtern und verbilligen würden und deshalb in der Versenkung verschwinden(!)
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Trotz all dieser Manipulationen sind letztlich die Grenzen des Wachtstums erreicht. Da hilft es auch nicht wirklich, sich an den sicher vorhandenen Exportchancen nach China zu ergötzen, denn ein Wandel der chinesischen Gesellschaft kann und wird weder kurzfristig erfolgen können, noch ist eine solche Entwicklung ohne Risiken für die chinesische Führung.

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Ähnliche Gegebenheiten finden wir auch in Indien, Brasilien, Russland und Süd-Afrika.

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Also müssen hilfsweise Demokratisierungsprozesse durch Zerschlagung (reicher) absolutistischer Machtgefüge zumindest moderates Wachstum in Aussicht stellen.

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Wie wir bereits gesehen haben und künftig noch verstärkt erleben dürften, sind solche Prozesse etwa so ungefährlich, wie das jonglieren mit Nitroglyzerin!

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Ihr Oeconomicus

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Linkempfehlungen

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Rohstoff Elektroschrott

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Greenpeace-Bericht (Exeter-Studie) zu Elektroschrott in Asien

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Archiv-Beiträge zum Themenkomplex Wachstum und Obsoleszens


3 Kommentare on “„Schmeiß weg, kauf neu!“ – Warum nicht mehr repariert wird”

  1. Freiberufler sagt:

    Sorry, aber wenn die Monteurstunde 50 Euro kostet, ist die Reparatur eines 70-Euro-Druckers wirtschaftlich unsinnig.

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  2. Roland sagt:

    Hier lieber Freund muss ich Dich korrigieren:
    „Verbraucherschützer vermuten, dass Hersteller bewusst Schwachstellen und Material minderer Qualität einbauen“
    Es gibt einige Beweise, dass es so ist – sicher nicht überall. Dazu muss man nur die Materialeigenschaften kennen und diese so wählen, dass sie sich abnutzen. Wenn ich den Artikel wieder finde – war vor ca. 1-2 Jahren – dann liefere ich diesen nach.
    Dieses Wissen der Materialeigenschaften ist übrigens alt, so hat man bei der Weinpresse schon damals unterschiedliche Hölzer verwendet. Das Holz was schneller nachgibt an den Stellen, die leicht zu ersetzen sind. Dieses Prinzip hat man einfach umgedreht.
    Vielleicht schreibe ich dazu auch noch etwas in meinem Blog, damit das Prinzip klar ist – aber nicht mehr heute 😉

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