Das Elend von übermorgen sichert die Macht von morgen, mit den kriminellen Mitteln von heute


Führen alle Wege zurück zu Lehman ? Dank der vielen Finanz-Manipulationen, von denen wir fast täglich hören, scheint es so. Und die Welle von Subprime-Krediten in der US-Autoindustrie ? Ganz zu schweigen von neuen Derivaten, die derzeit die Runde machen! Beispiel: Lewis Ranieri, der Gründer und Chairman von Ranieri Partners in New York (auf Immobilien spezialisierte Investment-Strategen).

Er ist einer der “Architekten” der hypotheken-verbrieften Wertpapiere die 2008 halfen, die Finanzmärkte zum Einsturz zu bringen. Nun reicht er ein Gütesiegel für die neueste “Innovation” im Zocker-Universum herum.

Ranieri bezeichnet die populären “REO-to-Rent-Anleihen” -das jüngste In-Derivat, das Spekulation heute mit Einnahmen von morgen erlaubt – als unbedenklich. Er vergleicht sie gar mit den relativ sicheren Pfandbriefen, was den zuständigen Verbandsoberen in Deutschland den Magen umdrehen dürfte.

REO-to-Rent-Bonds sind Anleihen, die mit vermieteten Wohnhäusern im Bestand großer Immobilien-Spekulanten besichert wurden. Die Sicherheit, die hier für zusätzliche Kapitalaufnahme durch diese Immo-Fonds “geboten” wird, sind die Mieteinnahmen selbst.

Kann ein Mieter nicht mehr zahlen, so die Logik, wird er durch einen anderen ersetzt. Der Cashflow aus dem Mietgeschäft bleibt. Klingt logisch und überzeugend. Doch wir wissen, dass auch Mietern im größeren Stil die Luft ausgehen kann. Selbst den Investoren, die die vermieteten Häuser gekauft haben. Sollte die Konjunktur stocken, die Arbeitslosigkeit steigen und die Zinsen klettern, würde hier ein ziemliches Problem entstehen.

Aber die weniger rosigen Zusammenhänge hinter solchen abgeleiteten Papieren haben Emittenten der Surprime-Bonds schon 2008 – und danach bei vielen anderen Finanzgeschäften – auch schon nicht so gerne ausgiebig erläutert. Sonst würden nicht einzelne Wall Street-Banken bis zu 13 Mrd. Dollar für gerichtliche Auseinandersetzungen und Vergleiche mit Behörden aufwenden müssen.

In den vergangenen drei Jahren haben institutionelle Anleger (Fonds, Banken, Versicherungen) mehr als 20 Mrd. Dollar in Zwangsversteigerungs-Immobilien investiert, um diese gewinnbringend zu vermieten. Jetzt wollen sie, wie damals mit den ausgereichten Hypotheken im Immobilien-Boom, die Forderungen verkaufen (diesmal sind das Mieten), um gleich wieder neues Geld zum Spekulieren herein zu holen.

Wir können nur hoffen, dass diesmal die neuen Bonds ihrem Risiko entsprechend deklariert werden, wenn man sie an gierige oder risikofreudige Manager bei Pensionsfonds, kommunale Vermögensverwalter oder andere Vermögensmanager verkauft.

Blackstone ist einer der größten Player in dieser Liga. Der Kapital-Investor sitzt nach Angaben seines Chairmans Steve Schwarzman auf fast 40.000 Objekten und will die Mieteinnahmen, die erst später erwartet werden, jetzt schon in neuen Cashflow verwandeln.

Die Nachfrage nach den neuen Bonds soll groß sein. Wundert uns das? Nein, erst recht nicht nach der Weigerung der Fed, den Fuß auch nur einen Milimeter vom geldpolitischen Gaspedal zu nehmen.

Jetzt haben wir aber nur EINEN Weg zurück zu Lehman beschrieben. Dabei tun sich derzeit beim fieberhaften und verzweifelten Großversuch, die westlichen Volkswirtschaften nicht absaufen zu lassen, viele weitere solche Wege auf. – Zum Beispiel in Großbritannien.

Mit haarsträubenden Garantien für Hypotheken, selbst bei Hauskäufen für die nur 5% Eigenkapital aufgetrieben wird, will die Regierung von Premier David Cameron den britischen Immobilienmarkt am Laufen halten. Hier werden – wie schon vor der Finanzkrise (meist durch Banken) – Kredite an Menschen ermöglicht, denen bei minimalen Zinserhöhungen oder dem Hauch einer weiteren Rezession die Luft ausgehen wird.

Der ohnehin überhitzte Markt – vor allem in London selbst – wird zusätzlich angeheizt. Hier haben wir es mit einer verantwortungslosen, opportunistischen Politik zu tun, die den nächsten Crash herbeiführen hilft, um für die in Großbritannien nahenden Wahlen Punkte zu sammeln. Bis es kracht, wird die aktuelle Regierung ja nicht mehr im Amt sein.

Im Klartext: Das Chaos und Elend von übermorgen sichert die Macht von morgen, mit den kriminellen Mitteln (Betrug,Täuschung) von heute. Es scheint, als habe der Verfall der politischen Kultur im Westen zeitgleich mit dem S&P 500 den zyklischen Höhepunkt erreicht.

Dass der Insel-Konjunktur die Puste schon bald wieder ausgehen könnte (trotz der seit Wochen deutlich vernehmbaren Jubelrufe über den angeblich bestätigten Aufschwung), das sehen wir daran, dass die Zahl der Einzelhändler, die steigende Umsätze berichten, im Oktober nachlässt.

Noch ein Beispiel: Die Reformen, auf die wir alle warten, ob im Bankensektor oder bei den Firmen und ihrem Boni- sowie Bilanzierungsgebahren. Die Zeitung USA Today hat die Berichte großer US-Firmen an die Börsenaufsicht SEC unter die Lupe genommen. Dabei fiel auf, dass zahlreiche Firmen selbst dann äußerst großzügig sind, wenn es an die Reisekosten von Ehepartnern der Topmanager geht, bis hin zu Flügen mit den Firmenjets.

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Erstveröffentlichung by Markus Gaertner

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Herzlichen Dank lieber Markus und allerbeste Grüße nach Vancouver

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