DESERTec: Operation Wüstenstrom – Das Milliardengeschäft


Es ist so einfach. Und schien unmöglich: Strom aus der Sonne — nicht in kleinem Maßstab auf dem Flachdach, sondern flächendeckend und so kraftvoll, dass erhebliche Teile des Energiebedarfs Europas gedeckt werden können.

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Gestern stellten deutsche Unternehmen das Projekt „Desertec“ vor:
Siemens, die Deutsche Bank, die Münchner Rück und RWE haben sich zusammengetan, wollen in den Wüsten Afrikas und Arabiens gewaltige Sonnenanlagen aufbauen, die Europa mit Strom versorgen.

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Geht das überhaupt?
Die Solartechnik ist weit genug, um die Umwandlung, Speicherung und vor allem auch Weiterleitung des Stroms aus der Wüste realistisch zu machen.

„Diese Technologie ist erprobt, ist wirtschaftlich und steht bereit“

so Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling.

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Weltweit könnte nach einer Studie des Umweltverbandes bis zu einem Viertel des Strombedarfs durch diese erneuerbaren Energien gesichert werden.

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Böhning:

„Deshalb halten wir Desertec auch für einen Meilenstein. Es ist ein weltweites Konzept — die Technik dürfte auch von Regionen wie Indien und China aufgegriffen werden.“

Wann könnte es losgehen?
Schon in wenigen Jahren soll der erste Strom fließen.

„Wir reden über eine zügige Umsetzung“

heißt es bei Desertec.

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Was kostet es?
400 Milliarden Euro über 40 Jahre, hat Desertec ausgerechnet. Pro Jahr also zehn Milliarden Euro — „im Kraftwerkssektor sind das Peanuts„, so Desertec-Chef Gerhard Knies.

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Wird Atomkraft so überflüssig?
Erneuerbare Energien, kombiniert mit sehr effizienten Gaskraftwerken bergen laut Greenpeace die Chance, weltweit bis 2030 aus der Atomkraft und bis 2040 aus der Kohle auszusteigen — mit Projekten wie Desertec schon deutlich früher.
In Deutschland sind wir aber viel weiter.

„Ein Ausstieg aus der Kernenergie ist bei uns bis 2015 möglich. Bis dahin hat Desertec natürlich nur einen sehr kleinen Anteil an der Entwicklung, die erneuerbaren Energien insgesamt können aber bereits die Atomkraft ersetzen“

so Böhning.

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Was bringt es den Wüstenregionen?
Desertec versichert, Vertreter aus Afrika und dem arabischen Raum seien in die Planung eingebunden, das Projekt sei auch für diese Länder eine „Riesenchance“.
Hilfswerke warnen:

„Die Leute müssen Zugang zum Solarstrom erhalten und von den Einnahmen profitieren“

forderte gestern Anika Schroeder von Misereor.

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Was bringt es uns?
Wenn alles gut geht, entwickeln sich solche Projekte zur Jobmaschine für Deutschland.
„Wir sind weltweit Marktführer“, so Böhling.
Nach einer Greenpeace-Studie würden Bau und weltweite Nutzung dieser Technologien 250,000 Jobs in deutschen Unternehmen schaffen. Der Solarexperte Hermann Scheer bezeichnet die Desertec-Pläne als Fata Morgana. Kritiker verweisen auf konkurrenzfähige kleinteilige Lösungen in Deutschland.
Wer hat recht?

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Anmerkung
Wenn man etwas von Jobmaschine und 250,000 Jobs hört, sollte man zunächst die Frage erheben, mit welchen Subventions-Erwartungen hier gepokert wird!

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Operation Wüstenstrom – Das Milliardengeschäft

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One Comment on “DESERTec: Operation Wüstenstrom – Das Milliardengeschäft”

  1. Petra Merkel sagt:

    Genau hier geht es um Subventionserwartungen. Konzerne wittern das große Geschäft im Sonnenland Afrika und haben gleichzeitig mit ihrer Lobby in Deutschland dafür gesorgt, dass die Energiewende abgewürgt wird.

    Da fällt einem nichts mehr dazu ein.
    Vielleicht nur soviel: Verhinderung des Netzausbaus von Norden nach Süden in Deutschland, Einbalsamierung der Atomlobby in Bayern-abgehen vom Atomausstieg.
    Kohle, 2013 mit Höhepunkt in der Energieerzeugung-Klimaerwärmung?
    Hähh ach Scheixx egal?? Staatliche Subventionierung von Unternehmen-Vorspiegelung falscher Tatsachen, dass Wettbewerbsfähigkeit gefährdet ist–hhääh-kann man ja mal die Europadaten abrufen (nämlich die Daten der EU-aus denen hervorgeht, dass die Energiekonzerne ja sowieso schon die Unternehmen im Vergleich zum Privatverbraucher subventionieren (wie gesagt ohne EEG)-was tatsächlich dazu führt, das deutsche Unternehmen (Kosten ohne EEG) an vorletzter Stelle der Energiekosten steht.
    Da ist es ja direkt nicht mehr überraschend, dass die letzte EEG-Erhöhung nur zu 17% auf EEG tatsächlich beruht, der Rest ist Subventionierung für Unternehmen.

    Eine große Verarsche für den deutschen Steuerbürger.

    Abschließend ist es interessant: 1/3 des Kohlendioxidausstoßes wird durch den Verkehr erbracht. Nur mal so für die Menschen, die an ihre Gesundheit und die ihrer Kinder Denken, abgesehen vom Eigentum, dass zunehmend durch Stürme und Überschwemmungen vernichtet wird … während Versicherungen das in Ihrer Kalkulation haben, tut der deutsche Staat, als ob ihn das gar nichts angeht … oder habe ich das was falsch verstanden … dass der Staat eine gerechte Staatsordnung aufrechterhalten soll -und natürlich auch die Auswüchse des Marktversagens bekämpfen soll- was nun mal existiert, immer existieren wird und wogegen nur Aufgeklärtheit und Demokratie hilft-weil der Staat offensichtlich sich aus dem Vertrag der Bürgergemeinschaft verabschiedet hat.

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