Aus dem Innern der Weltbank


Aus dem Innern der Weltbank

Der Schweizer Peter König arbeitete während vielen Jahren als Ökonom für die Weltbank in Südamerika, im Nahen Osten und in Afrika. Nun hat er seine Erfahrungen in einem Wirtschafts-Thriller niedergeschrieben, in dem er die Politik der Weltbank in den schwärzesten Farben zeichnet.

Wie aber sieht die Wirklichkeit hinter der Fiktion aus? Wie arbeitet die Weltbank? Welche Kritik hat der langjährige Entwicklungsexperte zu formulieren?

»Der Dol­lar ist noch nicht mal das Papier wert, auf dem er gedruckt ist«, meint Peter König im Inter­view mit dem Schwei­zer Radio DRS. Das kön­nen wir uns alle natür­lich nicht leis­ten – die Asia­ten, Russ­land und Europa weni­ger als die so genann­ten Ent­wick­lungs­län­der, denn wir sit­zen auf rie­si­gen Dollar-Reserven … Also tun wir alle so, als ob nichts wäre. Der Dol­lar bricht nach Königs Mei­nung aber den­noch zusam­men. Nur eben ganz, ganz langsam.

Das hat durch­aus seine posi­ti­ven Neben­ef­fekte, fin­det König. Der Hin­ter­grund: Seit den 1990er Jah­ren – seit der Inter­na­tio­nale Wäh­rungs­fonds und die Welt­bank von den neo­li­be­ra­len Geis­tern der US-Regierung der Repu­bli­ka­ner end­gül­tig über­nom­men wurde – dien­ten die Insti­tu­tio­nen nur mehr der Aus­beu­tung von Ent­wick­lungs­län­dern mit Roh­stoff­vor­kom­men und kei­nes­wegs ihrer Entwicklung.

Die Tak­tik ist immer die glei­che und läuft laut König fol­gen­der­ma­ßen ab: Den Län­dern wer­den Kre­dite in meh­re­ren Hun­dert Mil­lio­nen Dol­lar gewährt. Wozu die Kre­dite ein­ge­setzt wer­den sol­len, dass hat die Welt­bank im Vor­feld den jewei­li­gen Län­dern erklärt. Meist umfas­sen die »Pro­gramme« Pri­va­ti­sie­run­gen, etwa der der Wasserversorgung.

Sobald die Mil­lio­nen bei den Län­dern auf dem Konto lie­gen, zieht sich die Welt­bank zurück. Die Regie­run­gen bzw. Macht­ha­ber der jewei­li­gen Län­der kön­nen mit dem Geld tun, was auch immer sie wol­len. Es gibt zwar die Emp­feh­lun­gen der Welt­bank, aber nie­mand kon­trol­liert, ob denen Folge geleis­tet wird. Es wird laut König nicht kon­trol­liert, ob die Sys­teme in den unter­schied­li­chen Kre­dit­neh­mer­län­dern Kor­rup­tion wirk­sam ver­hin­dern – noch nicht mal, ob sie diese beför­dern, was laut König lei­der nur allzu oft der Fall ist.

So kam es, dass z.B. ein Abge­ord­ne­ter aus Mada­gas­kar Peter König bei einer Kon­fe­renz fragte, wieso die Welt­bank sei­ner Regie­rung 400 bis 500 Mil­lio­nen Dol­lar Kre­dit gege­ben hätte, obwohl noch nicht mal er als Abge­ord­ne­ter nach­voll­zie­hen könne, was mit dem Geld geschehe. »Kurz vor­her hatte Exxon Mobil jedoch Ölvor­räte vor den süd­li­chen Küs­ten Mada­gas­kars ent­deckt«, meint König im Inter­view. Und eine hohe Ver­schul­dung sichert so einem aus­län­di­schen Unter­neh­men den Zugang zu sol­chen Roh­stof­fen enorm.

Denn hat eine Elite die Mil­lio­nen bei­seite geschafft, ist es natür­lich das Volk, das die Kre­dite zurück zah­len muss. Gelingt ihnen das nicht, muss sie gegen­über »aus­län­di­schen Inves­to­ren« Zuge­ständ­nisse machen. In der Rea­li­tät bedeu­tet dies, dass inter­na­tio­nale Kon­zerne die Roh­stoffe aus­beu­ten – und ver­wüs­tete Umwelt und soziale Kon­flikt­herde zurück las­sen. Und das alles ermög­licht und unter­stützt durch die Welt­bank – ange­führt von den USA, denn die haben mit 17 Pro­zent die meis­ten Stim­men und bestim­men damit in der Regel, was gemacht wird. »Europa könnte die USA zwar über­stim­men, wenn sie sich zusam­men­schlie­ßen wür­den, aber die geschieht nicht«, erklärt König.

Und so sieht König in der lang­sa­men Implosion eine Chance. Vor allem Asien, Russ­land, Europa und der ölför­dern­den Län­der im Nahen Osten wer­den sich nach Alter­na­tiv­wäh­run­gen umschauen. »Das ist auch der Grund, warum die USA den Iran so unter Druck set­zen – angeb­lich wegen des­sen Atom­pro­gramm«, so König. In Wahr­heit rühre der Kon­flikt aber daher, meint er, dass der Iran sein Öl in Euros ver­kau­fen wolle. Ent­wick­lungs­län­dern rät er, sich vor allem auf den loka­len Markt zu konzentrieren.

In sei­nem Roman geht König natür­lich wei­ter: Hier sieht er in einer Welt­wirt­schaft Optio­nen, die wie­der den Mensch in den Vor­der­grund rückt. »Ich würde wei­ter gehen, als Lud­wig Erhard das mit sei­ner sozia­len Markt­wirt­schaft gegan­gen ist – aber die Rich­tung stimmt schon mal«, befin­det er im Gespräch mit dem Schwei­zer Radio. In so einer Welt müsste der Ein­zelne nicht mehr hor­ten – über­schüs­sige Güter und Gel­der könn­ten für wich­tige soziale Wei­ter­ent­wick­lun­gen ver­wen­det werden.

Auch sieht König in einer teil­wei­sen, inter­na­tio­na­len Tausch­wirt­schaft eine Option. »Natür­lich soll es nicht wie­der zurück ins Mit­tel­al­ter gehen«, so König. Aber der teil­weise Tausch von Waren und Dienst­leis­tun­gen zwi­schen ver­schie­de­nen Län­dern würde die Abhän­gig­keit von Wäh­run­gen ver­min­dern. »Heute pro­fi­tiert nur eine Elite«, lau­tet Königs Res­umé. In sei­ner Zukunfts­welt aber ver­schwin­det die Kluft zwi­schen Arm und Reich, die unter­schied­li­chen Kul­tu­ren kön­nen sich ent­fal­ten – Kon­flikte und Kriege wer­den so verhindert.

 

zum DRS2-PODCAST – [28:47 Min]



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